Projekt Absatzanalyse Heizungsanlagen - FH Graubünden

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Absatzanalyse Heizungsanlagen
Projekt auf einen Blick

Projekt auf einen Blick

In den letzten Jahren gab es in der Schweiz eine Vielzahl von regulatorischen Änderungen im Bereich der Energieversorgung. Viele dieser Massnahmen versuchen, die Zielsetzung des Bundes und seiner Bevölkerung zur Minimierung des Verbrauchs fossiler Energieträger umzusetzen. Doch wie erfolgreich sind diese Verordnungsnovellen? Das überraschende Fazit lautet: Verordnungsnovellen verhindern zumindest kurz bis mittelfristig in einem stärkeren Masse die Verwendung neuer Technologien als dass sie diese vorantreiben.

Die Absatzzahlen der Schweizer Heizungsbauer wurden in den letzten Jahren massgeblich durch die überarbeiteten Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich aus dem Jahr 2008 (kurz MuKEn 2008) beeinflusst. Diese setzten die Kantone schrittweise bis 2014 regional um. Dabei wurde das Ziel verfolgt, den Energieträger Öl möglichst zugunsten von Gas und vor allem nicht fossiler Energieträger wie beispielsweise Geothermik zu verdrängen.

Bei der Analyse der Absatzzahlen im Zeitraum 2012-2018 zeigt sich jedoch die entscheidende Schwachstelle der Verordnungsnovellierung: ihre lange Übergangsfrist. So kann man im Vorfeld der finalen Umsetzung der MuKEn 2008 im Jahr 2014 eine erhebliche Zunahme der Anzahl installierter Ölheizungen beobachten, die hiernach Bestandsschutz geniessen. Insgesamt werden im Zeitraum nach dem Stichtag nur noch wenige Heizungen eingebaut, erst nach drei Jahren erreicht die Zahl der Neuinstallationen wieder das Niveau im Vorfeld des Stichtags. Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von knapp 20 Jahren wird also auch mittelfristig die Ölheizung die Heizungstechnik in Schweizer Wohnhäusern dominieren.

Übergangsfristen sind keine unbedeutenden Stellschrauben bei der Novellierung von Gesetzen und Verordnungen. Wichtig erscheint an dieser Stelle daher eine möglichst unmittelbare Umsetzung von Gesetzesnovellierungen, so dass die beschriebene, langfristige Zementierung des Status Quo nicht auftreten kann. Nur wer schnell handelt, kann seine Ziele möglichst passgenau umsetzen, andernfalls läuft der Gesetzgeber in eine Falle, die der US-amerikanische Ökonom Robert Lucas bereits im Jahr 1976 eindrücklich beschrieben hat. Im Rahmen der so genannten Lucas-Kritik werden viele wirtschaftspolitische Massnahmen durch die betroffenen Bürger ad absurdum geführt: Die Bürgen antizipieren nämlich die Konsequenzen der Massnahmen und wirken durch ihre Handlangen bereits im Vorfeld den Massnahmen entgegen. So auch im Fall der regulatorischen Änderungen im Bereich der Schweizer Energieversorgung.

Weiterführende Information

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Publikationen

Nicklisch, A., Hediger, W., und Kienle, A.-K. (2020). Absatzanalyse Heizungsanlagen, 2. Version des Abschlussberichts zu Händen von GebäudeKlima Schweiz.