Weiterentwicklung der Strategie der Spitalverbunde des Kantons St.Gallen – Gesamtprojektleitung - FH Graubünden

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Projekt
Weiterentwicklung der Spitalstrategie des Kantons St.Gallen
Projekt auf einen Blick

Projekt auf einen Blick

Der Kanton St.Gallen will die Qualität und Finanzierbarkeit seiner Spitäler langfristig sichern. Hierzu konzentriert er das stationäre Angebot auf die Standorte Grabs, Uznach, Wil und St.Gallen. Die bisherigen Spitäler Altstätten, Wattwil, Flawil und Rorschach werden in ambulante, auf die regionalen Gegebenheiten abgestimmte Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ) umgewandelt. Für das Spital Walenstadt wird ein Übergang zum Kantonsspital Graubünden geprüft.

Ausgangslage

Ausgangslage

St. Gallen wies bis Anfang 2021 eine engmaschige Spitalversorgung auf. Neben den Zentrumsspitälern (Kantonsspital St. Gallen, Ostschweizer Kinderspital) waren im Kanton acht Regionalspitäler mit einem breiten stationären und ambulanten Grundversorgungsangebot tätig. Daneben konnte sich die Bevölkerung in diversen Privatkliniken oder – wie für einen Fünftel der St. Galler Patientinnen und Patienten der Fall – in einem der zahlreichen ausserkantonalen Spitäler behandeln lassen. 

Diese Struktur stiess zunehmend an ihre Grenzen. Allem voran stellt der medizinisch-technische Fortschritt heute grundlegend andere Anforderungen an Personal und Einrichtungen als sie die herkömmlichen Spitalstrukturen bieten. So erhöhen neue Diagnose- und Therapiemethoden zwar die Heilungschancen der Patientinnen und Patienten, gleichzeitig bedingen sie vielfach den Beizug verschiedener Spezialistinnen und Spezialisten – eine adäquate Behandlung nur aus einer Hand ist immer seltener möglich. Ebenso werden einst stationär durchgeführte Behandlungen zunehmend ambulant vorgenommen, worauf die bestehende Infrastruktur nicht ausgelegt ist. Schliesslich führt der Fortschritt dazu, dass für eine zeitgemässe Ausstattung die medizintechnischen Geräte und Einrichtungen in immer kürzeren Abständen ersetzt werden müssen.  

Diese Entwicklungen treffen kleinere und peripher gelegene Spitäler besonders stark. Mit kleineren Fallzahlen, einer schmaleren Angebotspalette und weniger Fachdisziplinen sind sie für viele Fachkräfte nicht die erste Wahl. Entsprechend schwierig ist es für kleinere Spitäler, ausreichend Fachkräfte zu finden – zumal für eine an 365 Tagen und rund um die Uhr besetzte Stelle fünf bis sechs Personen notwendig sind. Gleichzeitig können bei geringen Fallzahlen weder Personal noch Infrastruktur und Apparaturen genügend auslastet werden.

Die Folge sind zwangsläufig wirtschaftliche Probleme, die sich – verschärft durch regulatorische Vorgaben und Tarifeingriffe – in erheblichen strukturellen Defiziten äussern. So rechnete der Kanton St. Gallen bei Weiterführung des Status quo mit Defiziten bei den öffentlichen Spitälern von bis zu 70 Mio. Franken pro Jahr und daraus resultierend Liquiditäts- und Solvenzproblemen. Dass diese Prognosen nicht aus der Luft gegriffen waren, machten im Projektverlauf – auch unabhängig von der Pandemiesituation – laufend eintrübende Finanzzahlen und ein erster Notkredit an die Spitalregion Fürstenland Toggenburg deutlich.

Mindestens so bedeutsam sind indes qualitative Bedenken. Wenn die Fachkräfte fehlen, können weder Behandlungsqualität noch ein geordneter Betrieb aufrechterhalten werden. Auch hier wurde der Kanton während des Projekts mehrfach von der Realität eingeholt: So musste u.a. am Spital Walenstadt im Winter 2019/2020 infolge Personalmangel die Operationstätigkeit reduziert und die Geburtshilfe aufgehoben werden. Auch an anderen Spitalstandorten mussten Angebote reduziert werden. Doch selbst wenn die Fachkräfte vorhanden sind, müssen diese für gute Leistungen ihr Wissen regelmässig anwenden können. Fehlen ausreichende Fallzahlen, leidet die Behandlungsqualität. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt diesbezüglich ein klares Bild.

Projektziel

Projektziel

Nachdem der Verwaltungsrat der St. Galler Spitalverbunde im Frühsommer 2018 sein Grobkonzept einer Reduktion der Spitalstandorte vorgestellt hatte, initiierte die St. Galler Regierung das Projekt «Weiterentwicklung der Strategie der Spitalverbunde des Kantons St. Gallen». Ziel war die Erarbeitung eines Lösungsvorschlags für die künftige Spitalversorgung, die der St. Galler Bevölkerung weiterhin eine qualitativ gute Gesundheitsversorgung garantieren und den Spitalverbunden gleichzeitig unternehmerische Sicherheit bieten würde. Für die verschiedenen Spitalstandorte sollten alternative Nutzungskonzepte entwickelt werden, die dann zu gesamtkantonalen Strategievarianten zusammenzufassen und in Bezug auf medizinisch-versorgungsbezogene, betriebswirtschaftlich-finanzielle und gesamtwirtschaftlich-politische Kriterien zu beurteilen waren. Gleichzeitig sollten die Möglichkeiten zusätzlicher Finanzierung und betrieblich-organisatorischer Massnahmen ermittelt werden, die ergänzend zu Strukturanpassungen zur Zielerreichung beitragen konnten. Das Projekt wurde durch einen Lenkungsausschuss mit drei Mitgliedern der Regierung und zwei Mitgliedern des Verwaltungsrates der Spitalverbunde geführt. Mit der wurde Projektleitung Monika Engler beauftragt.

Umsetzung

Umsetzung

Das Projekt wurde in drei Projektphasen unterteilt: Die erste Projektphase fokussierte auf die Beantwortung der seitens Regierung, Kantonsratskommission und Gemeinden formulierten Fragen zum Grobkonzept des Verwaltungsrats und angestossenen Strategieprozess. Die Fragestellungen betrafen gesundheitspolitische, versorgungstechnische, finanzpolitische, volkswirtschaftliche, rechtliche und betriebliche Aspekte und wurden in verschiedenen Zwischenberichten zusammen mit den relevanten Datengrundlagen erörtert. Weitere Arbeiten in der ersten Projektphase betrafen das Einholen von Erwartungen und Lösungsvorschlägen der verschiedenen Anspruchsgruppen, darunter die Spitalstandortgemeinden, die niedergelassene Ärzteschaft sowie die nicht direkt in den Strategieprozess involvierten Spitalmitarbeitenden. Die erste Projektphase wurde im April 2019 abgeschlossen.

In der zweiten Projektphase wurden mögliche Strategievarianten in Bezug auf die Ausgestaltung je Spitalunternehmung und Standort ausgearbeitet. Dies beinhaltete einerseits die Konkretisierung des Lösungsvorschlags des Verwaltungsrates und andererseits die Entwicklung von alternativen Nutzungskonzepten mit ambulanten und/oder stationären Angeboten für die Standorte Altstätten, Flawil, Rorschach, Walenstadt und Wattwil in Zusammenarbeit mit externen Experten. In jedem Teilprojekt erfolgten je Standort die Definition des künftigen Geschäftsmodells mit Kernaktivitäten, Ressourcenanforderungen und Umsetzungsplanung sowie die Berechnung der finanziellen Auswirkungen für die Spitalunternehmen und den Kanton mittels einheitlichem Finanzmodell. Die zweite Projektphase wurde mit dem Grundsatzentscheid der Regierung zur künftigen «4plus5»-Spitalstrategie und der Erarbeitung der Vernehmlassungsvorlage im Oktober 2019 abgeschlossen.

Die dritte Projektphase beinhaltete die Finalisierung der Sammelvorlage auf Basis der eingegangenen Vernehmlassungsantworten mit den Anträgen an den Kantonsrat für die notwendigen Beschlüsse. Die parlamentarische Beratung fand im Herbst 2020 statt und unterstützte mit deutlicher Mehrheit die vorgeschlagene Strategie. Im Juni 2021 stimmte die Bevölkerung der vorgeschlagenen Strategie in zwei obligatorischen und einer über ein fakultatives Referendum zustande gekommenen Abstimmungsvorlagen ebenfalls zu.

Resultate

Resultate

Die St. Galler Spitallandschaft wird aktuell gemäss der 4plus5-Strategie umgebaut. Die Zentrumsversorgung mit spezialisierten und hochspezialisierten Leistungen wird unverändert durch das Kantonsspital St. Gallen sichergestellt. Die stationäre Grundversorgung wird neu an den vier Standorten St. Gallen, Grabs, Wil und Uznach konzentriert. Die bisherigen Spitalstandorte Rorschach und Flawil, welche den Betrieb bereits im Januar bzw. Juni 2021 einstellten, sowie Wattwil (Schliessung März 2022) und Altstätten (Schliessung 2027) werden in ambulante, auf die regionalen Gegebenheiten abgestimmte Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ) umgebaut. Für das Spital Walenstadt wird eine interkantonale Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Graubünden geprüft.

Informationen zur Spitalstrategie und der aktuell laufenden Umsetzung an den einzelnen Standorten sind zu finden auf: https://www.spitalzukunft.sg.ch/.