Projekt Baumemorandum, ein Instrument zur Ortsbildentwicklung - FH Graubünden

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Projekt
Baumemorandum, ein Instrument zur Ortsbildentwicklung
Projekt auf einen Blick

Projekt auf einen Blick

Im Forschungsfeld Siedlungsplanung und Ortsbildentwicklung wurde ein Instrument für Baubehörden, Planerinnen / Planer und Bauherrschaften entwickelt, welches die Frage der ästhetischen Qualitäten einer Siedlung analytisch und ortsspezifisch beantworten kann. Das inzwischen in mehreren Gemeinden angewendete «Baumemorandum» ist ein Gestaltungswerkzeug, das dabei hilft, Siedlungsbilder zu erhalten, zu stärken und weiterzuentwickeln. Das Instrument «Baumemorandum» wird mit jedem neuen Projekt den ortsspezifischen Gegebenheiten entsprechend angepasst und unter neuen Forschungsaspekten weiterentwickelt.

Ausgangslage

Ausgangslage

Der bauliche Veränderungsdruck in den bestehenden Siedlungsgebieten steigt, die Gemeinden sind seit dem revidierten Raumplanungsgesetz dazu angehalten, eine Entwicklung nach innen zu fördern und gleichzeitig die wichtigen baulichen Kulturwerte des Ortsbildes zu wahren. Charakteristische Dorfbilder werden zunehmend als wichtige Standortmerkmale wahrgenommen.

Die Gestaltung von Siedlungen und Dörfern wird auf kantonaler Stufe im Gesetz jedoch nur generell formuliert und den Gemeinden bleibt ein enormer Ermessensspielraum offen. In vielen Gemeinden entstehen aufgrund dieses Ermessensspielraums, speziell bei Bauprojekten im identitätsprägenden Dorfkern, Unsicherheiten und Streitfälle bezüglich der Bewilligungspraxis.

Projektziel

Projektziel

Im «Baumemorandum» werden ortsspezifische Eigenheiten und Werte herausgearbeitet. Für die weitere Bautätigkeit werden gestalterische Zielvorgaben definiert, wodurch die Charakteristik der unterschiedlichen Siedlungsbereiche und der lokalen oder der historischen Strukturen in Zukunft gestärkt werden.

Das «Baumemorandum» bildet ein Werkzeug für die gestalterische Lenkung von Bauaktivitäten im Hinblick auf das Ortsbild und ergänzt damit die baurechtliche Ebene. Über die Amtszeiten wechselnder Behördenmitglieder hinaus soll ein «roter Faden der Baukultur» sichergestellt werden.

Umsetzung

Umsetzung

Methodik des Baumemorandums

Analyse des Baubestandes

Eine architektonische Analyse des Ortes in Bezug auf vertraute Bilder, Formen, Farben, Silhouetten, Materialien, Konstruktionen und Gebäudestellungen bildet die Grundlage für die Zielsetzungen zur gestalterischen Weiterentwicklung des Ortes.

Quartiermemorandum

Innerhalb der definierten Bereiche werden die vorhandenen historischen und neuzeitlichen Merkmale mit siedlungsprägendem Charakter ermittelt und zeichnerisch, fotografisch und textlich dokumentiert.

Fassadenmemorandum

Bei der Analyse der Bauten und des Baustils von ganzen Strassenzügen lassen sich Regelmässigkeiten ablesen. Diese Wiederholungen von ähnlichen Eigenschaften werden grafisch aufgezeigt und textlich erläutert.

Gestaltungsleitlinien formulieren

Abgeleitet von der Analyse werden ortsprägende und gestalterische Ziele definiert. Es werden Ordnungsprinzipien und wiederkehrende Gestaltungselemente in einfach verständlichen Darstellungen und Texten festgehalten.

Anwendung des Baumemorandums

Für Architektinnen und Architekten, Bauherrschaften und Baubehörden dienen die im Baumemorandum beschriebenen Ordnungsprinzipien als Orientierungshilfe bei Planungs- und Bewilligungsprozessen. Durch Einfügen der zu bewilligenden Fassadenpläne in die Fassadenabwicklung des betreffenden Strassenzuges kann zusätzlich überprüft werden, ob sich die Neubauten in das Ortsbild einfügen. Wichtige Bewilligungsentscheide kann das Bauamt quartierweise sammeln, um eine Nachvollziehbarkeit der Quartierentwicklung auch über die Amtszeiten von Mitarbeitenden hinaus sicherzustellen.

Resultate

Resultate

Das Potenzial des «Baumemorandums» wurde 2012 mit dem 1. Rang des Stadt-Land-Preises gewürdigt. Seitdem sind diverse Memoranden mit unterschiedlicher Charakteristik und Bearbeitungstiefe entstanden, entwickelt immer in Abhängigkeit der individuellen Rahmenbedingungen der einzelnen Gemeinden. Neben einem Baumemorandum für die Gemeinde Teufen und die deutsche Stadt Sonthofen wird zurzeit auch ein Fassadenmemorandum als Teil der Bauleitplanung von Schwyz erarbeitet.

Team

Team

Bühler Krebs Sandra
dipl. Ing. Architektur und Stadtplanung
Dolfi Regula
dipl. Architektin FH
Wagner Christian
Prof., Dipl. Arch. ETH/SIA

Die bisherigen Projekte wurden zudem unter anderem von den folgenden Personen unterstützt:

  • Maria Rotta, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Mirco Blöchlinger, studentische Mitarbeit
  • Didier Brischoux, studentische Mitarbeit
  • Manuel Stoll, studentische Mitarbeit
  • Daniel Stokic, studentische Mitarbeit
Weiterführende Informationen

Weiterführende Informationen