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Demokratischen Risiken von «Pink Slime»-Medien

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Demokratischen Risiken von «Pink Slime»-Medien

Studie warnt vor demokratischen Risiken von «Pink Slime»-Medien

31. August 2026

Sie wirken wie seriöse Lokalmedien, aber hinter der journalistischen Fassade stehen oft automatisierte Inhalte oder politische und wirtschaftliche Interessen – sogenannte «Pink Slime»-Medien. Eine Studie der Fachhochschule Graubünden hat dieses Phänomen untersucht, mit Fokus auf die Schweiz und Deutschland. Die heute publizierten Ergebnisse zeigen auf, welche Risiken durch solche Angebote für die demokratische Meinungsbildung und die lokale Öffentlichkeit entstehen.

Ein Forschungsteam des Instituts für Multimedia Production der FH Graubünden hat lokale Medienangebote untersucht, die journalistische Formen und Erscheinungsbilder nachahmen, ohne journalistischen Qualitätsstandards, Transparenzpflichten oder redaktioneller Unabhängigkeit verpflichtet zu sein. Ziel des Projekts war es, die Strukturen und Funktionsweisen solcher Angebote zu identifizieren, ihr Gefährdungspotenzial für demokratische Gesellschaften zu bewerten und Handlungsempfehlungen für Politik, Medien und Gesellschaft zu entwickeln. 

Studie widerlegt verbreitete Annahme zu Pink-Slime-Medien

«Pink Slime entsteht nicht nur dort, wo lokaler Journalismus verschwunden ist», betont Prof. Dr. Ulla Autenrieth, Forschungsleiterin am Institut für Multimedia Production und Projektleiterin, ein zentrales Ergebnis der Studie. Die Forschenden konnten entsprechende Angebote auch in urbanen und wirtschaftlich attraktiven Regionen nachweisen. Die Untersuchung zeigt, dass Pink Slime zunehmend als eigenständiges Geschäftsmodell, als Instrument politischer Einflussnahme und als strategisches Kommunikationsinstrument genutzt wird. Die Verbreitung erfolgt über Printprodukte, Online-Portale, soziale Medien und zunehmend auch durch KI-generierte Inhalte.

Hohes Täuschungspotenzial

Die Forschenden definieren Pink Slime als hybride Kommunikationsform zwischen Journalismus, Public Relations, Content-Marketing und politischer Kommunikation. Charakteristisch sind lokal wirkende Titel, intransparente Eigentums- und Finanzierungsstrukturen, fehlende journalistische Qualitätskontrollen sowie die gezielte Simulation journalistischer Glaubwürdigkeit. Für die Studie wurden Medienangebote aus der Schweiz und Deutschland analysiert. Dabei zeigten sich unterschiedliche Ausprägungen des Phänomens – von kommerziell motivierten Lokalpublikationen bis hin zu politisch gefärbten Informationsangeboten, die lokale Themen mit bestimmten Narrativen verknüpfen.

Risiken für demokratische Öffentlichkeit

Nach Einschätzung der Forschenden liegt die grösste Gefahr nicht in einzelnen problematischen Beiträgen, sondern in den langfristigen Auswirkungen auf die demokratische Informationsordnung. «Pink Slime kann die Grenzen zwischen Journalismus, Werbung, Public Relations und politischer Kommunikation verwischen, Vertrauen in etablierte Medien untergraben und die gemeinsame Orientierung an verlässlichen Fakten erschweren», sagt Johanna Burger, Forscherin am Institut für Multimedia Production und Projektmitarbeiterin. Besonders kritisch sei, dass die Einflussnahme häufig subtil erfolge. Anstelle offener Desinformation stehe oftmals die langfristige Verschiebung von Themenprioritäten, Wahrnehmungen und Vertrauensstrukturen im Vordergrund.

Jetzt handeln, solange noch Handlungsspielräume bestehen

Auf Basis der Ergebnisse empfiehlt die Studie unter anderem, den Lokaljournalismus als demokratische Infrastruktur zu stärken, Transparenzpflichten auszubauen, irreführende Nachahmungen journalistischer Angebote regulatorisch zu adressieren sowie Medienkompetenz und Forschung zur Medienlandschaft gezielt weiterzuentwickeln. Zudem schlagen die Forschenden Monitoring- und Frühwarnsysteme vor, um die Entwicklung von Pink Slime künftig besser beobachten zu können. 

Die heute publizierte Studie kommt zum Schluss, dass die Schweiz noch immer die Möglichkeit hat, frühzeitig auf die zunehmende Verbreitung solcher pseudo-journalistischen Angebote zu reagieren. Obwohl das Problembewusstsein bislang gering sei, seien Pink-Slime-Entwicklungen bereits sichtbar. Deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt, um Forschung, Regulierung, Medienförderung und Medienbildung gemeinsam weiterzuentwickeln. 

Medienkonvergenz und Multimedialität im Fokus

Das Institut für Multimedia Production der FH Graubünden beschäftigt sich mit Medienkonvergenz und Multimedialität – insbesondere mit innovativen Storytelling-Formaten und Arbeitsprozessen, mit der Mediennutzung in der konvergenten Medienlandschaft und mit multimedialen Systemen sowie Augmented, Virtual und Mixed Reality. 

Weitere Details

  • Projektseite «Pink Slime: Pseudojournalismus in der Schweiz und Deutschland», Studie verlinkt: pinkslime.fhgr.ch 
  • Studie «Nachrichtenwüsten und dann? Typologie pseudo-journalistischer Medienerzeugnisse im Lokalen (Pink Slime), Analyse ihres Gefahrenpotenzials für resiliente Demokratien und Identifikation des weiteren Forschungsbedarfs»: Download-Link

Weitere Auskünfte

Dozentin, Forschungsleiterin
Wissenschaftliche Projektleiterin

Fachhochschule Graubünden

Als Hochschule setzt die FH Graubünden auf dynamisches Denken und proaktives Handeln. Mit diesem Mindset prägt sie die Zukunft. Die Studienangebote orientieren sich an praktischen Herausforderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Ihre über 2500 Studierenden in Aus- und Weiterbildung entwickelt sie zu verantwortungsvollen Persönlichkeiten. Die Hochschule bietet Angebote in den Bereichen «Architektur, Bauingenieurwesen und Tourismus», «Medien, Technik und IT», «Wirtschaft, Dienstleistung und Informationswissenschaft» sowie «Gesundheit». In ihrer inter- und transdisziplinären Forschung konzentriert sie sich auf die Themen Angewandte Zukunftstechnologien, Entwicklung im alpinen Raum und Unternehmerisches Handeln. Mit ihren Tätigkeiten trägt die FH Graubünden zum Erfolg und zur Wettbewerbsfähigkeit von Individuen, Institutionen und Regionen bei. Dafür ist sie in der Region verankert, in der Schweiz von Bedeutung und strahlt international aus. fhgr.ch