Ein persönlicher Blick auf die Medienvielfalt
Medien begleiten uns durch den Tag – von der ersten Push-Nachricht, die am Morgen auf dem Smartphone aufblinkt, über die Nachrichten-Bulletins im Radio während einer Autofahrt bis hin zu abendlichen News-Sendungen im Fernsehen. Doch wie vielfältig ist eigentlich das, was wir täglich lesen, hören und sehen? Diese Frage geht mir immer wieder durch den Kopf – vielleicht auch deshalb, weil Medien mich schon lange begleiten. Zuerst im Studium, später ganz praktisch als Journalistin und heute sowohl bei meiner Arbeit für die Medienstelle der FH Graubünden als auch als Privatperson, die täglich Medien konsumiert. Immer wieder ertappe ich mich dabei, die Medienvielfalt zu hinterfragen: bei grossen politischen Debatten genauso wie in kleinen Alltagssituationen.
Da wäre zum Beispiel die zunehmende Marktkonzentration. Wie diese sich auf die Medienlandschaft auswirkt, habe ich selbst miterlebt. Überregionale Inhalte werden teilweise zentral produziert und von verschiedenen Medien übernommen, während sich lokale Redaktionen auf die Berichterstattung vor Ort konzentrieren. Das ist wirtschaftlich nachvollziehbar. Gleichzeitig frage ich mich, was es für die Vielfalt bedeutet, wenn immer weniger Redaktionen darüber entscheiden, welche Themen Eingang in die Berichterstattung finden. Denn die Gatekeeper-Funktion der Medienschaffenden ist aus meiner Sicht nicht zu unterschätzen. Besonders bewusst wird mir das manchmal abends, wenn die «Tagesschau» läuft und ich eine Meldung vermisse, die ich zuvor online gelesen oder im Radio gehört habe.
Doch nicht nur «fehlende» Meldungen bringen mein Gedankenkarussell in Gang, sondern auch die Schlagzeilen, die es in die grossen Medien schaffen. Etwa dann, wenn ich von möglichen Social-Media-Verboten für Jugendliche lese. Dann kommen mir die Gefahren von Filterblasen in den Sinn und ich hinterfrage meine persönlichen Gewohnheiten in Bezug auf den Medienkonsum. Man sollte sich stets bewusst sein, dass Algorithmen uns bevorzugt Inhalte zeigen, die zu unseren bisherigen Interessen und Ansichten passen. Umso wichtiger erscheint es mir, unterschiedliche und unabhängige Medien zu nutzen, die dazu beitragen können, solche «Echokammern» aufzubrechen.
Damit lande ich wieder bei den Menschen, die Medieninhalte auswählen und produzieren. Es sind die Menschen auf der Redaktion, die Gatekeeper, die entscheiden, welche Themen es in eine Sendung oder einen Artikel schaffen – und welche nicht. Entsprechend bereichernd können viele unterschiedliche journalistische Stimmen sein. Nur wenn in den Newsrooms diskutiert, kritisiert und hinterfragt wird, können unterschiedliche Sichtweisen in die Berichterstattung einfliessen, Fehler erkannt und unbewusste Denkmuster aufgebrochen werden. Umso wichtiger ist es, dass die Medienschaffenden über ein möglichst breites und fundiertes Fachwissen und über Allgemeinbildung verfügen. Nur dann sind sie in der Lage, auch unter Zeitdruck komplexe Themen in verständliche, faktenbasierte Berichte zu übersetzen – eine Leistung, die für die öffentliche Meinungsbildung wesentlich ist, insbesondere in einer Zeit, in der Desinformation, Krieg und populistische, autoritäre Machthaber unsere Gegenwart prägen. Für mich sind deshalb Medienvielfalt und eine funktionierende Demokratie eng miteinander verbunden. Doch das hat seinen Preis: Wie in allen Branchen kosten Qualität und entsprechendes Fachpersonal auch in der Medienbranche.
Spätestens dann, wenn die Serafe-Rechnung ins Haus flattert, wird für mich die Frage nach dem Wert von Medienvielfalt ganz konkret. Auch ein öffentlich-rechtlicher Service kann einen Beitrag dazu leisten. Aber wird er diesem Anspruch auch gerecht? Eine Frage, die dieses Jahr politisch breit diskutiert wurde. Solche Auseinandersetzungen gehören für mich ebenfalls zu einer funktionierenden Demokratie. Man darf und sollte das System – bzw. das Mediensystem – hinterfragen, darüber sprechen und unterschiedliche Sichtweisen anhören, Argumente abwägen und bewerten. Dabei können andere Meinungen und Argumentationen uns manchmal herausfordern und dazu bringen, die eigene Einstellung zu hinterfragen. Doch genau darin liegt für mich die Stärke von Vielfalt. Sie kann bereichern, neue Verbindungen schaffen und dazu anregen, Dinge anders zu betrachten.
Was sich am Beispiel der Medien zeigt, gilt für mich auch in vielen anderen Bereichen: Vielfalt lebt davon, dass unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. So widmet sich auch diese «Wissensplatz»-Ausgabe den unterschiedlichen Facetten von Vielfalt. Sie zeigt auf, warum Vielfalt für die FH Graubünden wichtig ist, welche Chancen daraus entstehen und weshalb es sich lohnt, unterschiedlichen Perspektiven Raum zu geben.
Beitrag von
Seraina Zinsli, Redaktionsleiterin, Projektleiterin Strategische Kommunikation