Eine Frage der Perspektive
Unterschiedliche Rollen und Erfahrungen prägen Menschen und formen ihre individuelle Sicht auf die Welt. Diese Vielfalt an unterschiedlichen Perspektiven kann für eine Hochschule wie die FH Graubünden bereichernd sein. Hochschulangehörige erzählen, was sie geprägt hat und wann andere Blickwinkel sie zum Umdenken anregen.
Interview: Seraina Zinsli / Bilder: Seraina Zinsli, zVg
Was ist deine Rolle an der FH Graubünden?
Als Organisationsassistentin bin ich eine Ansprechperson für Studierende und Mitarbeitende. Ich unterstütze sie bei organisatorischen und administrativen Anliegen und sorge dafür, dass der tägliche Ablauf reibungslos funktioniert. Dabei stehe ich stets in engem Kontakt mit verschiedenen internen und externen Stellen. Besonders die Kombination aus organisatorischen Aufgaben und persönlichem Austausch macht die Arbeit für mich abwechslungsreich und interessant.
Was hat deinen Blick auf deine Arbeit besonders geprägt?
Ganz klar der direkte Kontakt mit den Studierenden. Ich betreue zehn Weiterbildungsangebote aus unterschiedlichen Bereichen. Dabei finde ich es spannend, mit vielen verschiedenen Menschen zusammenzuarbeiten und sie während ihrer Weiterbildung zu begleiten. Besonders freut es mich, wenn ich merke, dass meine Arbeit einen Beitrag zu einem positiven Studienalltag leistet.
Was kommt dir als Erstes in den Sinn, wenn du an den Begriff «Perspektiven» denkst?
Dass jeder Mensch Dinge unterschiedlich wahrnimmt und betrachtet. Jede Person bringt eigene Erfahrungen und Sichtweisen mit, wodurch sich auch der Blick auf die eigene Situation verändern kann.
Gibt es eine Perspektive, die dich besonders überrascht hat?
Mich überrascht immer wieder, wie unterschiedlich die Perspektiven und Aufgabenbereiche an der Fachhochschule sind. Jede Funktion hat ihren eigenen Blick auf die Dinge und man merkt oft erst im Austausch mit anderen, wie vielfältig die Arbeit ist, die hinter den verschiedenen Bereichen steckt. Besonders spannend finde ich die Einblicke in die Forschung, weil man dort häufig gar nicht mitbekommt, an welchen Projekten gearbeitet wird. So erkennt man, wie breit die Fachhochschule aufgestellt ist und wie viele verschiedene Menschen und Fachbereiche zusammenarbeiten.
Sind unterschiedliche Perspektiven aus deiner Sicht eher bereichernd oder behindernd?
Beides. Es kommt darauf an, in welchem Bereich oder in welcher Funktion man arbeitet. Natürlich können unterschiedliche Sichtweisen manchmal Herausforderungen mit sich bringen. Doch persönlich finde ich verschiedene Perspektiven eher bereichernd, weil man dadurch viele unterschiedliche Einblicke erhält und ständig Neues dazulernt.
Wann ist es besonders herausfordernd, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen – gerade in deiner Rolle als «Schnittstelle» zwischen verschiedenen Personen und Aufgabenbereichen?
Schwierig wird es oft dann, wenn die Zuständigkeiten nicht klar definiert sind. Es ist wichtig, dass festgelegt ist, wer für welche Themen zuständig ist. Besonders bei Überschneidungen zwischen Organisationsassistenz, Studienleitung oder weiteren Assistenzfunktionen kann es sonst schnell zu Unklarheiten kommen. Wenn alle wissen, wer welche Verantwortung trägt, erleichtert das die Zusammenarbeit – und unterschiedliche Perspektiven lassen sich besser
Was hat dich dazu bewogen, Multimedia Production (MMP) zu studieren?
Nach meiner Lehre als Grafiker durfte ich in einer Werbeagentur wertvolle Berufserfahrung sammeln. In diesen zwei Jahren wurde ich immer wieder auf Filmsets mitgenommen und habe so ein Interesse dafür entwickelt. Genau dieses multimediale Interesse hat mich zum MMP-Studium hier in Chur geführt.
Was hat deinen Blick auf dein Fach besonders geprägt?
Ich finde es spannend, wie sich die Branche aktuell entwickelt, und nehme sowohl die positiven als auch die negativen Seiten der neuen Möglichkeiten wahr, die Künstliche Intelligenz (KI) bietet.
Gab es einen Moment, in dem dich eine andere Sichtweise zum Umdenken gebracht hat? Was ist dabei passiert?
Ja, absolut. Zu Beginn des aktuellen KI-Booms war ich, wie viele in der Kreativbranche, etwas skeptisch und fragte mich, ob diese Tools vielleicht schon bald die eigentliche Designarbeit oder Contenterstellung übernehmen könnten. Ich habe jedoch gemerkt, dass ich diese Technologie nicht mehr als Konkurrenz zur menschlichen Kreativität betrachte, sondern als extrem effiziente Assistenz. Sie nimmt mir repetitive oder administrative Aufgaben ab und hält mir den Rücken frei, damit ich mich voll auf das visuelle Konzept und die eigentliche Gestaltung fokussieren kann. Das hat meine anfängliche Skepsis gegenüber KI in die positive Sichtweise verwandelt, die ich heute habe.
Was kommt dir als Erstes in den Sinn, wenn du an den Begriff «Perspektiven» denkst?
Ich denke hier vor allem an die visuelle Perspektive. Wenn man durch einen Kamerasucher schaut, können schon kleine Änderungen des Standpunkts eine völlig neue Geschichte erzählen.
Wie gehst du damit um, wenn jemand anders denkt als du?
Ich schätze mich als sehr geduldig ein und höre gerne zu. Irgendwie lässt sich so immer ein Kompromiss finden.
Wann wird es schwierig, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen?
In grossen Gruppen gibt es natürlich immer ganz viele verschiedene Meinungen und Sichtweisen. Da kann es zwischendurch schon schwierig werden, einen gemeinsamen Konsens zu finden.
Wo möchtest du mit deinem Studium hin?
In der Kreativbranche fühle ich mich definitiv sehr wohl und so probiere ich neben dem Studium, den Weg in die Selbstständigkeit zu schaffen. Das Studium bietet mir viele Freiheiten und man hat ein grosses Netzwerk aus Gleichgesinnten um sich herum.
Was ist deine Funktion an der FH Graubünden?
Ich bin an der FH Graubünden in verschiedenen Rollen tätig: als Studienleiter, Dozent und INOS Coach sowie als Hochschulleitungsdelegierter für den schweizweiten Studiengang Master of Science in Engineering, kurz MSE.
Inhaltlich bewege ich mich vor allem an der Schnittstelle von Innovation, Digitalisierung und nachhaltiger Geschäftsmodelltransformation und unterrichte in unterschiedlichen Formaten und Studienprogrammen. Besonders spannend ist für mich, dass ich Lehre, Forschung und Beratung miteinander verbinden kann. Dadurch orientiert sich meine Arbeit sehr nah an der Praxis und ist gleichzeitig wissenschaftlich fundiert.
Was motiviert dich, an der FH Graubünden zu arbeiten?
Mich motiviert vor allem die Vielseitigkeit der Aufgaben. Kein Tag ist wie der andere. Ich kann mit Studierenden arbeiten, Projekte mit Unternehmen entwickeln, Forschungsfragen bearbeiten und gleichzeitig an strategischen Themen der Hochschule mitwirken. Wertvoll finde ich auch den starken Praxisbezug. Wir arbeiten nicht im luftleeren Raum, sondern an Fragestellungen, die für Unternehmen, Organisationen und die Gesellschaft relevant sind. Hinzu kommt die Kultur an der Hochschule. Ich erlebe den Umgang miteinander als sehr kollegial, offen und wertschätzend. Besonders motivierend ist für mich, dass es ausdrücklich gewünscht ist, sich einzubringen und Dinge mitzugestalten. Diese Gestaltungsmöglichkeiten sind aus meiner Sicht aussergewöhnlich gross.
Was hat deinen Blick auf dein Fach oder deine Arbeit besonders geprägt?
Sehr stark geprägt hat mich meine Zeit als Geschäftsführer und Verwaltungsrat im internationalen Umfeld. Ich war mehrere Jahre in den USA und China tätig und habe Märkte sowie Innovationen in den USA, in Argentinien, Brasilien und Mexiko, aber auch in China, Indien und Thailand aufgebaut und weiterentwickelt. In dieser Zeit habe ich Unternehmen durch Innovationen in Europa zu Markt- und Technologieführern werden lassen. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass erfolgreiche Innovation nicht nur eine Frage der Technologie ist. Es geht um Märkte, Geschäftsmodelle, Menschen, Kulturen, Führung und Umsetzungsstärke.
Diese Erfahrungen bringe ich heute sehr gerne in die Lehre ein. Mir ist wichtig, den Studierenden nicht nur Modelle und Theorien zu vermitteln, sondern ihnen auch aufzuzeigen, welche Ansätze in der Praxis tatsächlich Wirkung entfalten und wo Theorie allein nicht ausreicht.
Was kommt dir als Erstes in den Sinn, wenn du an den Begriff «Perspektiven» denkst?
Ich denke sofort an meine frühere Rolle als CEO und Verwaltungsrat. In solchen Funktionen ist man permanent mit unterschiedlichen Perspektiven konfrontiert: Eigentümer, Mitarbeitende, Kundinnen, Lieferanten, Marktpartner, die Gesellschaft und manchmal auch die Politik oder die Regulierungsbehörden – jede dieser Gruppen sieht die Organisation aus einem anderen Blickwinkel. Daraus entstehen oft Spannungsfelder. Führung bedeutet dann nicht, eine Perspektive einfach durchzusetzen, sondern die verschiedenen Sichtweisen ernst zu nehmen, sie einzuordnen und tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Gab es einen Moment, in dem dich eine andere Sichtweise zum Umdenken gebracht hat? Was ist dabei passiert?
Meine grösste eigene «Transformation» begann mit der wiederholten Erfahrung, dass Projekte und Strategien oft nicht daran scheitern, dass die Technik nicht funktioniert. Sie scheitern viel häufiger daran, dass Menschen nicht erreicht, eingebunden oder begeistert werden. Als Ingenieur der Informatik lag mein ursprünglicher Fokus stark auf Technologien, Prozessen und Lösungen. Mit der Zeit wurde mir aber klar: Entscheidend ist, ob Menschen einen Sinn erkennen, Vertrauen entwickeln und bereit sind, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Dieser Perspektivenwechsel – von der Technik hin zum Menschen – hat meine Arbeit grundlegend verändert. Heute bin ich überzeugt: Wenn Menschen begeistert sind und sich als wirksam erleben, können sie enorme Kräfte freisetzen. Dann lassen sich sprichwörtlich Berge versetzen.
Wann wird es schwierig, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen?
Aus meiner Sicht ist es nicht per se schwierig, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen. Entscheidend ist die Kultur, in deren Rahmen diese Sichtweisen aufeinandertreffen. Wenn eine Organisation offen, reflektiert und kollaborativ arbeitet, können unterschiedliche Perspektiven sehr produktiv sein. Schwierig wird es, wenn Menschen oder Gruppen auf sehr unterschiedlichen Entwicklungsstufen stehen und dadurch völlig verschiedene Logiken, Werte oder Prioritäten haben. Modelle wie Spiral Dynamics können hier hilfreiche Hinweise liefern. Sie zeigen auf, dass Menschen und Organisationen aus unterschiedlichen inneren Logiken heraus handeln. Wenn man diese Logiken besser versteht, kann man Spannungen anders einordnen und konstruktiver damit umgehen.
Warum sind unterschiedliche Perspektiven deiner Meinung nach eine Bereicherung – oder manchmal auch ein Hindernis?
Verschiedene Perspektiven sind dann eine Bereicherung, wenn die Kultur einer Organisation auf Vertrauen, Kollaboration und gemeinsamer Entwicklung basiert. Dann führen unterschiedliche Sichtweisen zu besseren Entscheidungen, mehr Kreativität und tragfähigeren Lösungen.
Zum Hindernis werden Perspektiven vor allem dann, wenn eine Kultur stark von Wettbewerb, Abgrenzung oder Machtlogiken geprägt ist. Dann werden andere Sichtweisen schnell als Störung oder Angriff wahrgenommen – statt als Chance zur Weiterentwicklung.
Gerade Hochschulen bewegen sich in einem interessanten Spannungsfeld: Einerseits gibt es regulierte Leistungsaufträge, Strukturen und klare Anforderungen. Andererseits braucht es Kreativität, unternehmerisches Denken und Offenheit für Neues. Deshalb kann man an Hochschulen beides sehr gut beobachten: Perspektiven als grosse Bereicherung – und manchmal auch als Herausforderung, mit der bewusst umgegangen werden muss.
Was ist deine Funktion an der FH Graubünden?
Ich bin Dozentin und unterrichte unter anderem zu den Themen «Einführung in den Tourismus» sowie «interkulturelle Kompetenzen». Ich begleite Studierende dabei, mit Vielfalt nicht nur umzugehen, sondern sie als Ressource für Innovation und Zusammenarbeit zu nutzen.
Was hat deinen Blick auf dein Fach oder deine Arbeit besonders geprägt?
Das altgriechische «Panta rhei» – alles fliesst und ist im Wandel. Die Studierenden von heute sind anders als frühere Generationen es waren, und auch der Unterricht verändert sich stetig. Was wir heute vermitteln, wird morgen bereits wieder anders aussehen. Ich denke, das muss einem bewusst sein.
Was kommt dir als Erstes in den Sinn, wenn du an den Begriff «Perspektiven» denkst?
Ein Kaleidoskop: Die einzelnen Teile bleiben dieselben, aber mit jeder kleinen Bewegung entsteht ein neues Bild.
Gab es einen Moment, in dem dich eine andere Sichtweise zum Umdenken gebracht hat? Was ist dabei passiert?
Bei internationalen Projekten, wenn Kolleginnen und Kollegen aus aller Herren Länder anwesend sind, wird einem bewusst, dass allgemeingültiges Verständnis – beispielsweise in Bezug auf Effizienz und Qualität – kulturell sehr unterschiedlich verstanden werden kann. Und dass man dann versuchen muss, auch die Perspektive des anderen einzunehmen.
Wann wird es schwierig, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen?
Wenn Menschen ihre Perspektive als «Wahrheit» betrachten und nicht als mögliche Sicht auf die Welt. Dann wird Zuhören durch Verteidigen ersetzt.
Warum sind unterschiedliche Perspektiven deiner Meinung nach eine Bereicherung – oder manchmal auch ein Hindernis?
Verschiedene Perspektiven sind eine Bereicherung, weil sie blinde Flecken sichtbar machen und bessere Lösungen ermöglichen. Sie werden zum Hindernis, wenn die Unterschiede wichtiger werden als das gemeinsame Ziel.
Was hat dich dazu bewogen, Tourismus zu studieren?
Die Entscheidung für das Tourismusstudium ist vor allem aus meiner grossen Begeisterung für den Umgang mit Menschen entstanden. Ich habe in der Vergangenheit bereits in ganz unterschiedlichen Bereichen im Verkauf und im Dienstleistungssektor gearbeitet und dabei gemerkt, wie viel Energie mir der direkte Kundenkontakt gibt. Es fasziniert mich, täglich auf die unterschiedlichsten Persönlichkeiten einzugehen, flexibel auf ihre Bedürfnisse zu reagieren und ihnen eine Freude zu machen. Gleichzeitig bringt die Tourismusbranche eine wunderbare Internationalität mit sich. Da ich ein von Grund auf sehr offener Mensch bin, reizt mich diese Offenheit für verschiedene Kulturen, Lebensweisen und den interkulturellen Austausch enorm. Das Studium bietet mir die perfekte Kombination: Ich kann meine fundierten Erfahrungen im Kundenkontakt einbringen und gleichzeitig lernen, wie man Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft baut, um gemeinsam grossartige Erlebnisse zu schaffen.
Was hat deinen Blick auf dein Fach besonders geprägt?
Das war definitiv die Erkenntnis, wie unfassbar vielschichtig und vernetzt die Tourismusbranche ist. Wenn man als Gast verreist, sieht man oft nur das schöne Endprodukt. Aber durch Module wie «Marketing», «Konsumentenverhalten» und «Betriebswirtschaft» habe ich gelernt, wie viele Rädchen im Hintergrund ineinandergreifen müssen. Ein absolutes Highlight war unsere Studienexkursion nach Como Anfang Juni. Vor Ort zu analysieren, wie eine Destination mit Herausforderungen umgeht, wie strategische Planung funktioniert und wie wichtig eine gute Koordination aller Akteure ist, hat meinen Blick auf das Fach massgeblich geschärft. Es ist eben nicht nur «Ferien machen», sondern ein komplexes Management, das aber immer den Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Gab es einen Moment, in dem dich eine andere Sichtweise zum Umdenken gebracht hat? Was ist dabei passiert?
Das passiert mir im Studium regelmässig, vor allem in den intensiven Gruppenarbeiten. Ich erinnere mich gut an ein Projekt, bei dem ich anfangs völlig davon überzeugt war, dass mein konzeptioneller Ansatz der einzig logische sei. Ich hatte mir quasi schon einen Tunnelblick angeeignet. Dann brachte eine Mitstudentin aus meinem Team eine Perspektive ein, die das Thema von einer ganz anderen, kreativeren Seite beleuchtete. Mein erster Gedanke war: «Das wirft jetzt unseren ganzen Plan über den Haufen.» Aber als ich mich darauf einliess, merkte ich, dass ihre Idee das Konzept erst richtig rund machte. Das war ein echter Aha-Moment für mich. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass das Festhalten an der eigenen Kontrolle oft einschränkt und das beste Ergebnis meistens dann entsteht, wenn man sich wirklich auf die Gedankenwelt der anderen einlässt.
Was kommt dir als Erstes in den Sinn, wenn du an den Begriff «Perspektiven» denkst?
Da poppt bei mir sofort das Wort «Mindset» auf. Ich beschäftige mich privat stark mit Themen wie persönlichem Wachstum und einer positiven Lebenseinstellung. Für mich ist eine Perspektive nicht einfach nur ein starrer Blickwinkel, sondern eine bewusste Entscheidung: Durch welche Linse möchte ich heute auf die Welt und auf neue Herausforderungen schauen? Im Tourismus erweitern wir unsere Perspektiven natürlich im wahrsten Sinne des Wortes durch das Reisen und das Eintauchen in fremde Kulturen. Aber auch im Studienalltag können wir steuern, ob wir ein Problem als Hindernis oder als Wachstumschance sehen. Ein Perspektivenwechsel reicht oft schon aus, um eine ausweglos erscheinende Situation plötzlich positiv aufzulösen.
Wie gehst du damit um, wenn jemand ganz anders denkt als du?
Grundsätzlich halte ich mich für einen sehr offenen und kommunikativen Menschen. Deshalb empfinde ich grundverschiedene Meinungen meistens eher als spannend statt als bedrohlich. Wenn ich merke, dass jemand eine komplett andere Haltung hat als ich, versuche ich bewusst, einen Schritt zurückzutreten und nicht sofort in den Verteidigungsmodus zu gehen. Ich frage dann gezielt nach und höre wirklich zu, um zu verstehen, welche Erfahrungen oder Überzeugungen diese Person zu ihrer Ansicht gebracht haben. Oft entdecke ich dabei wertvolle Denkanstösse. Auch wenn wir am Ende nicht gleicher Meinung sind, hilft mir diese Herangehensweise enorm, tolerant zu bleiben und meinen eigenen Horizont stetig zu erweitern.
Wann wird es schwierig, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen?
Wenn die Basis für einen offenen Austausch fehlt. Also wenn jemand absolut nicht bereit ist, Kompromisse einzugehen oder sich überhaupt auf die Argumente anderer einzulassen. Gerade in stressigen Phasen, etwa kurz vor Prüfungen oder Abgaben, kann es extrem anstrengend werden, wenn der Fokus in einer Gruppe nur noch darauf liegt, das eigene Ego durchzusetzen, anstatt gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Ebenso stösst man schnell an Grenzen, wenn das Engagement in einem Team sehr ungleich verteilt ist und diesbezügliche Gespräche abgeblockt werden. Wenn die Bereitschaft fehlt, am selben Strang zu ziehen, kostet das viel Energie – und es bremst den gemeinsamen Fortschritt aus.
Wo möchtest du mit deinem Studium hin?
Kurz- bis mittelfristig ist es mein absoluter Traum, ein Austauschsemester zu absolvieren. Spanien steht dabei ganz oben auf meiner Liste. Ich möchte dort nicht nur mein Spanisch verbessern, sondern den Alltag und die Kultur fernab vom klassischen Tourismus kennenlernen und erleben. Langfristig wünsche ich mir eine Tätigkeit, bei der ich meine Begeisterung für Menschen, mein Organisationstalent und mein positives Mindset einbringen kann. Ich möchte Orte und touristische Erlebnisse mitgestalten, die mehr sind als nur eine schöne Kulisse. Ich stelle mir Angebote vor, die es Menschen ermöglichen, richtig Kraft zu tanken, sich inspirieren zu lassen und schlussendlich mit einem rundum guten, gestärkten Gefühl wieder nach Hause zurückzukehren.
Beitrag von
Seraina Zinsli, Redaktionsleiterin, Projektleiterin Strategische Kommunikation




