Studierende entwickeln Quartierplanung in Thusis

Studierende entwickeln Quartierplanung in Thusis

Studierende entwickeln Quartierplanung in Thusis

Studierende entwickeln Quartierplanung in Thusis

Östlich des Bahnhofs Thusis liegt das Gebiet Compogna – ein Gebiet, das ein grosses Entwicklungspotenzial bietet. Im Rahmen eines interdisziplinären Entwurfsstudios haben Architekturstudierende eine Testplanung erarbeitet, die aufzeigt, wie hier ein zukunftsfähiges und identitätsstiftendes Quartier entstehen könnte.

Text: Daniel A. Walser / Abbildungen: FH Graubünden

Unter dem Titel «Compogna Thusis – Urbane Dichte mit Identität» widmete sich ein interdisziplinäres Entwurfsstudio im Bachelorstudium Architektur der Planung eines zukunftsgerichteten Quartiers im Herzen von Thusis. Studierende der Module «Raum- und Regionalplanung», «Strategische Planung» sowie «Städtebau» erarbeiteten und realisierten in enger Zusammenarbeit eine Testplanung, die exemplarisch für integrative Planungsansätze im alpinen Raum steht. Sie vereint eine historische und kulturelle Analyse mit einer prozessoffenen, ressourcenschonenden Entwurfshaltung und greift damit aktuelle Herausforderungen der raumplanerischen und gesellschaftlichen Entwicklung auf.

Die Arealentwicklung Compogna in Thusis bildete den realen Ausgangspunkt. Anhand dieses konkreten Beispiels wurden soziale, architektonische und städtebauliche Fragestellungen zusammengeführt. Ziel war die Entwicklung eines zukunftsfähigen, nachhaltigen und identitätsstiftenden Quartiers. Dabei sollten die Möglichkeiten einer siedlungsverträglichen Verdichtung, einer ressourcenschonenden Mobilitätsstrategie und einer Durchmischung von Wohn-, Arbeits- und Gemeinschaftsnutzungen ausgelotet werden. Ein besonderes Augenmerk galt der Integration des Alterszentrums als halböffentlicher Schnittstelle zwischen den Lebenswelten. Gefragt waren disziplinübergreifendes Denken, partizipative Szenarien und eine Auseinandersetzung mit innerörtlichen Potenzialen. Die Entwürfe sollten sich an den planerischen, baurechtlichen und kulturellen Rahmenbedingungen der Gemeinde orientieren.

Strategische Bedeutung des Gebiets Compogna

Das Gebiet Compogna ist einer der wichtigsten Entwicklungsschwerpunkte der Gemeinde Thusis. Seine Lage östlich des Bahnhofs eröffnet grosse Potenziale für die Innenentwicklung und eine bessere Vernetzung innerhalb des Gebiets. Gleichzeitig stellen die siedlungsverträgliche Verkehrsentwicklung und die angestrebte Mischung aus Wohn-, Arbeits- und Freizeitnutzungen hohe Anforderungen an die Planung, welche durch flexible Nutzungskonzepte und schrittweise umsetzbare Etappierungen den zukünftigen Anforderungen gerecht werden soll. Auch die bestehende Identität des Gebiets sowie seine kulturellen und landschaftlichen Werte sind integrale Bestandteile. Besondere Sensibilität erfordert die Nähe des Gebiets zum Bahnhof Thusis, dem Ausgangspunkt der UNESCO-Welterbestrecke Albula/Bernina. Diese Lage bietet nicht nur Potenziale für die Integration historischer und touristischer Aspekte, sondern stärkt auch die überregionale Vernetzung. Die beschriebenen Rahmenbedingungen bildeten die Grundlage für die Entwürfe der Studierenden.

Studierendenkonzepte für eine Quartierplanung in Thusis

Die Konzepte wurden im Frühlingssemester 2025 von Architekturstudierenden des 2. und 6. Semesters erstellt. Die beteiligten Dreier- und Vierergruppen wurden von den Dozierenden Prof. Robert Albertin und Michael Ruffner betreut. 

Wohnen in einer begrünten Parklandschaft

Die Studierenden Dario Künzler, Lukas Sgier und Orlando Beer entwickelten ein Ensemble von Punkthäusern, welche die bestehende Grünlandschaft intakt lassen und ein Wohnen im Park ermöglichen. Die Studierenden denken den Grünraum weiter: vom Rhein bis an die Hangkante auf der gegenüberliegenden Seite der Gleise. Zwischenräume sollen aktiv von den Bewohnerinnen und Bewohnern genutzt werden können. Die verdichteten Gebäudevolumen konzentrieren das. Dieses Konzept ist wohl das vom Bestand unabhängigste – es strickt das vorhandene Muster auf der anderen Seite der Kantonsstrasse weiter. Die gewählte Konfiguration schafft gerade auch in Bezug auf die erhöhten Temperaturen infolge der Klimaerwärmung ein angenehmes, lokales Klima innerhalb einer Gartenlandschaft.

Durchwohnen

Die Studierenden Flavia Fäh, Luca Derungs und Leonita Dinaj entwarfen einen mehrteiligen Riegel, der bewusst die beiden unterschiedlichen Seiten der Parzellen als Qualität nutzt. Die Ostseite öffnet sich zum Tal und bietet Weitsicht mit Blick in die Natur. Demgegenüber nutzt die westliche Seite der Volumina die urbane Ausrichtung auf das Dorfzentrum und den wuchtigen Beverin, das Gleisfeld und den Bahnhof. Die einzelnen Teile der Gebäude sind wie Bahnwaggons aneinandergehängt. Die Siedlung bildet entlang der Gleise einen Abschluss des verdichteten Dorfes, welches nach dem Dorfbrand 1845 nach rationalen Kriterien errichtet wurde. Das Konzept entwickelt seine Kraft aus der spezifischen Situation von Thusis und schafft Wohnraum für alle Altersgruppen. 

Schmale Wege, grosse Plätze

Die Studierenden Lorin Kälin, Diana Kashiya und Hannah Wismer projektierten eine verdichtete Siedlung, deren Bauvolumina entlang einer inneren Erschliessung wie an einer Perlenkette aufgereiht sind. Schmale Wege zwischen den Gebäuden erschliessen die einzelnen Baukörper. Hinzu kommen grosszügige Plätze, die durch verschiedene Funktionen belebt werden sollen. Die Gartenanlage verwendet einheimische Pflanzen, was zur Förderung der lokalen und einheimischen Biodiversität beiträgt. Das Konzept sucht einen Ausgleich zwischen der etwas offenen Baustruktur östlich der Bahngleise und der verdichteten Struktur westlich davon. Die Studierenden beschäftigten sich stark mit der Frage, wie viel Verdichtung denkbar ist und welche Kriterien es für ein stimmiges Zusammenleben braucht.

Verschiedene Ansätze, unterschiedliche Vorteile

Die im Entwurfsstudio erarbeiteten Konzepte verfolgen unterschiedliche Schwerpunkte und zeigen verschiedene Möglichkeiten auf, wie sich das Gebiet Compogna weiterentwickeln könnte. Jeder Ansatz zeigt spezifische Vor-, aber auch Nachteile auf und bildet eine Grundlage, um die Entwicklungen weiter zu diskutieren. So können die nächsten Planungsschritte zielorientierter gestaltet werden. Schliesslich ist die Entwicklung eines Quartiers ein gesellschaftlicher Aushandlungsprozess: Erst wenn verschiedene Perspektiven berücksichtigt werden, entstehen Lösungen, die langfristig funktionieren und von der Bevölkerung mitgetragen werden. 

Beitrag von

Prof. Daniel A. Walser, Dozent, Institut für Bauen im alpinen Raum