Viele Wege führen ins Engineering

Viele Wege führen ins Engineering

Viele Wege führen ins Engineering

Viele Wege führen ins Engineering

April 2026: Laufend treffen neue Anmeldungen für das Bachelorstudium Engineering ein. Als Studienleiter bin ich täglich gespannt, wie viele heute hinzukommen. Haben sich die vielen Infoveranstaltungen gelohnt? Wann war der Erstkontakt mit den Neustudierenden, und was sind deren berufliche Hintergründe? Und will die Generation Z im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz überhaupt noch ein Ingenieurstudium absolvieren?

Text: Tobias Leutenegger / Bilder: FH Graubünden, zVg

Aus meiner Sicht gibt es keinen besseren Beruf als «Ingenieurin» und «Ingenieur». Man setzt sich mit spannenden Technologien auseinander, testet Prototypen und entwickelt Lösungen für Anwendungsaufgaben aus unterschiedlichsten Bereichen. Man ist eine «Problemlöserin» bzw. ein «Problemlöser».

«Der Ingenieur löst ein Problem, damit er danach zwei neue hat.» An diese humorvolle Abwandlung von «Murphys Law» musste ich kürzlich denken. Denn wir durften für unser Bachelorstudium Engineering zusätzlich zu den bestehenden Vertiefungsrichtungen Mobile Robotics und Optoelectronics/Photonics (lichtbasierte Technologien) eine dritte Studienrichtung – im Bereich der Medizintechnik, kurz MedTech – entwickeln (siehe Kasten). Dieses «Problem» haben wir erfolgreich gelöst, denn wir hatten noch nie so viele Neuanmeldungen für unser Bachelorstudium wie für das Herbstsemester 2026. Das neue «Problem»: Haben wir ausreichend grosse Unterrichtszimmer sowie genügend Laborplätze? Zwei schöne Herausforderungen, die ich gerne annehme!

Die bei den Anmeldungen zu verzeichnende Zunahme kommt nicht von ungefähr: Mit MedTech haben wir unser Zielpublikum bewusst erweitert: von Neustudierenden aus dem Bereich der technischen Berufslehren auf Personen mit einem medizinischen Hintergrund. Nebst gewohnten Berufslehren wie «Automatikerin/Automatiker», «Elektronikerin/Elekroniker», «Konstrukteurin/Konstrukteur» und vielen mehr starten diesen Herbst auch Neustudierende mit Abschlüssen wie «Fachperson Betreuung», «Laborantin/Laborant» oder einem Bachelor in Pflege und Veterinärmedizin. Die Begeisterung für Naturwissenschaften und die Motivation der Bewerberinnen und Bewerber für einen Branchenwechsel in das Ingenieurwesen waren in den Aufnahmegesprächen, die wir jeweils vor Studienbeginn führen, direkt spürbar.

Die untenstehende Abbildung zeigt Engineering-Studierende und -Dozierende der FH Graubünden. Die verschiedenen beruflichen Hintergründe sind in der Legende aufgeführt.

Die unterschiedlichen Berufshintergründe führen zu verschiedenen Eingangskompetenzen. Die Voraussetzung für unser Bachelorstudium Engineering ist Mathematik- und Physikwissen auf Stufe der technischen Berufsmaturität. Um den erfolgreichen Start aller Neustudierenden zu unterstützen, bieten wir deshalb vor dem Studienstart Einführungskurse in Mathematik, Elektronik und Python-Programmierung an. Durchgeführt werden die Kurse durch Studierende der oberen Semester, was zugleich eine wichtige Vernetzung innerhalb der Klassen fördert.

Nebst den vielfältigen Berufsfeldern, aus denen unsere Neustudierenden kommen, beginnen auch zunehmend Personen mit gymnasialer Maturität das Studium. Dank des sogenannten Praxisintegrierten Studiums (PiBS) sammeln sie die notwendige Berufserfahrung parallel zu ihrem Teilzeitstudium.

Da die Praxisorientierung ein Kernelement unseres Bachelorstudiums ist, werden die theoretischen Grundlagen von Anfang an mit konkreten Anwendungen aus der Praxis verknüpft. Dadurch lernen die Studierenden, sich mit realen Aufgabenstellungen und echten Projekten auseinanderzusetzen. Das Konzept hat sich bewährt. Das Feedback von Absolvierenden zeigt, dass wir ihnen das nötige Wissen und die passenden Werkzeuge für ihren weiteren Berufsweg mitgeben. 

«Dank des praxisorientierten Studiums und der realitätsnahen Laborversuche bin ich in der Lage, an der Spitze der Optiktechnologie meinen Beitrag zu leisten und an den kompliziertesten Maschinen der Welt mitzuwirken.»
Maurice Otto, Optoelectronics-/Photonics-Absolvent, Prozessingenieur, SwissOptic AG

Viele Firmen und Unternehmen aus unserem Partnernetzwerk haben zudem schon mehrere unserer Absolventinnen und Absolventen eingestellt – ein weiterer Beweis für die ausgezeichnete Qualität unserer Ausbildung.

Und wie sieht die Zukunft aus? Wird Künstliche Intelligenz (KI) in der Lage sein, die heutigen Aufgaben der Ingenieurinnen und Ingenieure zu lösen? Nach meiner Einschätzung wird das nicht der Fall sein. Die Probleme müssen weiterhin durch eine sorgfältige menschliche Aufgabenanalyse klar formuliert werden. Basierend auf KI wird der Weg zur Lösungsfindung künftig schneller und einfacher sein – und Arbeitsprozesse werden optimiert. Eine Ingenieurin oder ein Ingenieur wird die von KI-Modellen erzeugten Antworten beurteilen, über deren Einsatz und Tauglichkeit für die konkrete Problemstellung entscheiden und letztendlich die Verantwortung für die entwickelten Prozesse tragen. KI-Werkzeuge werden den Ingenieuralltag verändern, jedoch nicht weniger spannend machen.

Ich freue mich, auch weiterhin noch viele Ingenieurinnen und Ingenieure im Kanton Graubünden auszubilden. 

Bachelorstudium MedTech für die Praxis

«Unser Unternehmen lebt von Innovation – und Innovation beginnt mit Menschen. Wir sind auf Absolventinnen und Absolventen angewiesen, die über eine solide ingenieurwissenschaftliche Ausbildung verfügen und dieses Wissen im Bereich Medizintechnik praxisnah einsetzen können. Die FH Graubünden spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung dieser Talente», meint Jim Giger, Forschungs- und Entwicklungsleiter bei Hamilton Medical AG, und zeigt sich erfreut über das neue Angebot in der Region.

Seit diesem Herbst ergänzt die Studienrichtung MedTech das neu strukturierte praxisorientierte Bachelorstudium Engineering der FH Graubünden. Nebst den bereits bestehenden Angeboten Optoelectronics und Mobile Robotics stärkt die Fachhochschule damit erneut den Technikstandort Graubünden. Das praxisorientierte Studium vermittelt Kenntnisse in Elektronik, Mechanik, Konstruktion und Materialwissenschaften sowie Embedded Software, Bildverarbeitung, Künstlicher Intelligenz und Systemmodellierung. Ergänzt wird dies durch medizinische Grundlagen in Anatomie, Physiologie und Biochemie. Laborübungen und Praxisprojekte mit regionalen und nationalen Partnerunternehmen ermöglichen eine direkte Anwendung des erworbenen Wissens.

Den Absolventinnen und Absolventen eröffnen sich mit dem Abschluss vielfältige Berufsbilder: Sie arbeiten in der Entwicklung von medizintechnischen Geräten, in der Forschung an innovativen Diagnostikverfahren, in der Medizininformatik oder in Start-ups, die digitale Lösungen für das Gesundheitswesen schaffen. Auch Tätigkeiten in Spitälern, Laboren oder internationalen Hightech-Unternehmen stehen ihnen offen. 

Jim Giger, Forschungs- und Entwicklungsleiter, Hamilton Medical AG

Beitrag von

Prof. Dr. Tobias Leutenegger, Studienleiter, Departement Angewandte Zukunftstechnologien