Projekt auf einen Blick
Der Zugang zu kulturellen und touristischen Erlebnissen ist zentral für Inklusion – doch für blinde und sehbehinderte Menschen ist es häufiger erschwert. Am schweizerischen Institut für Informationswissenschaft (SII) untersuchen wir aktuelle Barrieren bei kulturellen und touristischen Angeboten in der Schweiz und insbesondere in Graubünden.
Projekt
Inklusive Erlebnisse für Blinde und Sehbehinderte MenschenLead
Schweizerisches Institut für Informationswissenschaft (SII) Mehr über Schweizerisches Institut für Informationswissenschaft (SII)Projektleitung
Mathis Florian Mehr über Mathis FlorianBeteiligte
Stadt Chur, Schweizerischer Zentralverein für das Blindenwesen (SZBLIND), Schweizerischer Blinden- und Sehbehindertenverband (SBV), Rätisches Museum, Chur TourismusTeam
Klinkhammer Daniel Mehr über Klinkhammer Daniel Wiencirz Eva Mehr über Wiencirz EvaForschungsfelder
Digital Business and Usability Engineering, Tourismus- und Freizeitinfrastrukturen Mehr über Digital Business and Usability Engineering, Tourismus- und FreizeitinfrastrukturenDauer
April 2025 – Dezember 2025
Ausgangslage
Der Zugang zu kulturellen und touristischen Erlebnissen ist ein essenzieller Bestandteil gesellschaftlicher Inklusion. Für blinde und sehbehinderte Menschen ist er jedoch oft durch erhebliche Barrieren erschwert. Ob in Museen und Theatern oder bei Stadtführungen – die Teilhabe wird häufig durch stark visuell geprägte Inhalte und fehlende Orientierungshilfen eingeschränkt. Zwar existieren bereits Ansätze zur Unterstützung im Alltag (z. B. Mathis und Schöning, 2025), doch fehlen fundierte Erkenntnisse darüber, wo die spezifischen Hürden liegen, die ein gleichberechtigtes kulturelles Erlebnis verhindern. Ziel des Projekts ist es, diese Defizite zu analysieren und – darauf aufbauend – Lösungsansätze für eine bessere Zugänglichkeit zu entwickeln.
Vor diesem Hintergrund initiierte die FH Graubünden das Forschungsprojekt «Inklusive kulturelle und touristische Erlebnisse für blinde und sehbehinderte Menschen» in Graubünden und der gesamten Schweiz. In Zusammenarbeit mit der Stadt Chur, dem Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband (SBV) und dem Schweizerischen Zentralverein für das Blindenwesen (SZBLIND) wurden zwei Fallstudien in Chur untersucht. Die Fallstudien umfassten eine Stadtführung in Chur (organisiert durch Chur Tourismus) sowie den Besuch des Rätischen Museums (organisiert durch das Museumsteam Rätisches Museum).
Diese Massnahme zielt darauf ab, mögliche Barrieren bei der Nutzung regionaler Kulturgüter und Freizeitangebote zu identifizieren und solche Angebote für alle zugänglich zu machen, mit besonderem Fokus auf die Herausforderungen blinder und sehbehinderter Menschen bei der Teilhabe.*
* Referenz: Mathis, F., und Schöning, J. (2025, April). Life Insight: Design and Evaluation of an AI-Powered Assistive Wearable for Blind and Low Vision People Across Multiple Everyday Life Scenarios. In Proceedings of the 2025 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems (pp. 1–25).
Projektziel
Das übergeordnete Ziel des Forschungsprojekts ist eine umfassende Ist- und Soll-Analyse der kulturellen Teilhabe von Menschen mit Sehbeeinträchtigungen in der Schweiz. Im Zentrum steht die Beantwortung einer zentralen Forschungsfrage: Welche Barrieren bestehen für blinde und sehbehinderte Menschen bei der Teilhabe an kulturellen und touristischen Angeboten in der Schweiz insgesamt und insbesondere in Graubünden?
Umsetzung
Von Juni bis Dezember 2025 haben wir untersucht, wie blinde und sehbehinderte Menschen kulturelle Angebote erleben. Zunächst haben wir ihre Wünsche, Herausforderungen und Anliegen über eine Online-Umfrage erfasst. Anschliessend konnten sie an einer Altstadtführung in Chur und an der Ausstellung «Die Wunderkammer» im Rätischen Museum teilnehmen. Dabei haben wir untersucht, wie gut die Veranstaltungen für sie zugänglich waren und welche Erfahrungen sie gemacht haben.

Resultate
Die Ergebnisse zeigen die hohe Bedeutung von Freizeitund Kulturangeboten für blinde und sehbehinderte Menschen auf. Viele Betroffene fühlen sich diesbezüglich jedoch stark bis mässig eingeschränkt. Zentrale Hürden sind eine erschwerte Anreise, fehlende Audiodeskriptionen und taktile Führungen sowie unzureichende barrierefreie Informationen. Neben dem Angebot spielen auch die Atmosphäre und die Barrierefreiheit eine entscheidende Rolle. Häufig verhindern fehlende Begleitpersonen die Teilnahme der Betroffenen an einer Veranstaltung. Die Fallstudien verdeutlichen die praxisnahen Herausforderungen: Bei der Churer Altstadtführung wurden die engagierte Vermittlung und die Achtsamkeit der Führungsperson positiv bewertet, jedoch fehlten teilweise inklusive Elemente, wie die Nutzung vorhandener Tastmodelle (z. B. Tastmodell Churer Altstadt). Im Rätischen Museum wurden das Engagement des Personals sowie die haptische Erfahrung (Abb. 1–5) und Vermittlung von Objekten geschätzt, während der Einsatz eines nicht barrierefreien Tablets kritisch beurteilt wurde.
Insgesamt zeigt das Forschungsprojekt der FH Graubünden, dass die Kultur- und Freizeitangebote noch nicht ausreichend zugänglich für blinde und sehbehinderte Menschen sind. Durch gezielte Schulungen von Mitarbeitenden, multisensorische Vermittlungsansätze und unterstützende Assistenzsysteme besteht jedoch ein grosses Potenzial für nachhaltige Inklusion.
Unser Forschungsprojekt hat bereits zahlreiche Partner erfolgreich zusammengebracht. In Zukunft werden wir gemeinsam mit unseren Projektpartnern innovative Lösungsansätze im Rahmen verschiedener Projekte umsetzen. Unser bestehendes Expertennetzwerk wächst kontinuierlich und ist offen für neue Partnerinnen und Partner aus Kultur, Tourismus, Forschung und mehr.
Team
Weiterführende Information
Forschungsfeld
Beteiligte
Das Projekt wurde vom Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft (SII) in Zusammenarbeit mit der Stadt Chur, dem Schweizerischen Zentralverein für das Blindenwesen (SZBLIND), dem Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband (SBV), dem Rätischen Museum und Chur Tourismus umgesetzt.


