Null Toleranz. Volle Wertschätzung.
Die Null-Toleranz-Kampagne setzt ein klares Zeichen: Respekt, Vielfalt und ein wertschätzendes Miteinander. Umgesetzt hat sie keine klassische Marketingagentur, sondern eine Gruppe von fünf Studierenden in Zusammenarbeit mit einer internen Projektgruppe unter der Leitung der Fachstelle Diversity. Im Interview sprechen die beteiligten Studierenden über Haltung, Prozesse und Herausforderungen.
Interview: Jesica Castro / Bilder: FH Graubünden
Für die Null-Toleranz-Kampagne habt ihr mehr als blosse Ideen geliefert. Ihr habt als «Kreativ-Agentur» agiert – von der Strategie bis zur Umsetzung über sämtliche Kanäle.Was war euer erster Gedanke, als ihr das Briefing für die Kampagne erhalten habt?
Alessio: Mich freut es sehr, dass die Hochschule dem Thema Toleranz eine Plattform bietet. Ich setze mich auch privat für solche Themen ein und finde es wichtig, dass möglichst viele öffentliche Institutionen Haltung zeigen.
Andri: Diversity begegnet uns jeden Tag – und trotzdem wird sie noch viel zu wenig thematisiert. Ich habe mich sehr darüber gefreut, bei einer solchen Kampagne mitzuwirken und viele Menschen damit erreichen zu können.
Laila: Ich finde es grossartig, dass die Hochschule diesem Thema solch eine Plattform bieten möchte. Gleichzeitig habe ich mich schon im Vorfeld auf die neue Herausforderung gefreut, weil ich erstmals in einem Agentur-Setting arbeiten konnte.
Was bedeutet «Nulltoleranz» für euch persönlich?
Alessio: Nulltoleranz eliminiert das Politische. Nulltoleranz gegenüber jeglicher Form von Diskriminierung funktioniert für alle gleich, egal, wo man sich politisch einordnet. Das macht es einfacher, mit skeptischen Menschen ins Gespräch zu kommen. Genau das macht den Ansatz so stark.
Andri: Für mich sind wir Menschen, aus der Distanz betrachtet, ein Team auf der Erde. Da hat Diskriminierung keinen Platz. Wir müssen zusammenarbeiten, denn jeder Mensch bringt etwas Wertvolles mit, unabhängig davon, mit welchen Problemen, Herausforderungen oder Unterschieden er lebt. Einen Menschen deswegen auszugrenzen oder abzuwerten ist inakzeptabel.
Laila: Es bedeutet für mich ganz einfach «kein Platz für Ausgrenzung oder Diskriminierung». Wir begegnen allen Menschen mit Respekt und Toleranz. Genauso, wie wir es uns selbst wünschen.
Fachstelle Diversity
Die Fachstelle Diversity setzt sich für Chancengleichheit, Vielfalt und den Schutz der persönlichen Integrität an der FH Graubünden ein. Sie entwickelt Sensibilisierungs- und Präventionsmassnahmen und begleitet die Hochschule auf dem Weg zu einer inklusiven und respektvollen Hochschulkultur.
Hat es während des Projekts einen Moment gegeben, in dem euch die Bedeutung des Themas besonders bewusst geworden ist?
Alessio: Ja, und zwar als wir gehört haben, dass selbst Beiträge zu Diversity an Hochschulen Hate-Kommentare auslösen. Da wurde mir bewusst, dass wir als Gesellschaft wirklich noch nicht weit gekommen sind.
Andri: Während des Projekts fiel mir noch stärker auf, wie oft diskriminierende Aussagen im Alltag fallen und wie oft bestimmte Gruppen – oft unbewusst – diskriminiert werden.
Laila: Besonders bei der Entwicklung der Plakataussagen gab es solche Momente. Alle dort aufgeführten Kommentare hatten wir teilweise selbst schon verwendet, und zwar völlig unbewusst. Und da fängt Diskriminierung schon an – im vermeintlich «Unschuldigen».
Was ist euer kreativer Kern, der sich durch alle Massnahmen hindurchgezogen hat?
Alessio: Stolz, versal und laut. Wir wollen gehört und gesehen werden.
Andri: Auffallen und zum Nachdenken anregen.
Laila: «In your face!» Alle werden angesprochen, ob sie es wollen oder nicht.
Wie schafft man es, eine klare Haltung zu kommunizieren, ohne belehrend zu wirken?
Andri: Nicht mit erhobenem Zeigefinger agieren, sondern die Dinge erklären und zum Überdenken anregen.
Laila: Es war für uns nicht ganz einfach, diesen extrem schmalen Grat zu gehen. Und trotzdem könnten unsere Formulierungen für gewisse Personen immer noch «belehrend» wirken. Es ging aber nie um «ihr», sondern um «wir»: Wir alle müssen auf unsere Worte achten.
Gab es auch Ideen, die ihr bewusst verworfen habt?
Alessio: Am Anfang wollten wir vor allem gutes Verhalten hervorheben und mit einer «Danke-Haltung» untermauern. Wir haben aber schnell gemerkt, dass dies viel zu brav gewesen wäre.
Laila: Wir haben bewusst Ideen verworfen, die zu «schwach» wirkten. Die Kampagne muss provozieren, damit sie die nötige Aufmerksamkeit bekommt.
Was war die grösste Herausforderung während des Projekts?
Alessio: Die Koordination mit anderen Aufgaben und Verpflichtungen. Das Projekt lief über lange Zeit und Fixpunkte konnten wir nur rollend planen.
Andri: Für mich war es ebenfalls die Koordination mit anderen Tasks. Aber auch der Zeitdruck während der Ideenfindung.
Welche Massnahme aus der Kampagne war für euch die stärkste?
Alessio: Ganz klar die grossen Plakate. Es ist spannend zu sehen, wie oft bis heute darüber gesprochen wird oder Studierende Fotos davon machen.
Andri: Die Rückmeldungen von anderen Studierenden sind besonders schön gewesen, und die tatsächlich entstandenen Diskussionen haben uns gezeigt: Ziel erreicht!
Laila: Hier kann ich mich nur anschliessen. Wir haben Rückmeldungen erhalten, und das heisst: Die Plakate werden gesehen – genau das, was wir wollten.
Details zur Null-Toleranz-Kampagne
Was habt ihr durch dieses Projekt gelernt, das ihr im «klassischen» Unterricht nicht hättet lernen können?
Alessio: Schulaufgaben sind oft vage formuliert, sodass man am Ende etwas erstellt und einreicht, das genügt und niemandem weh tut. Hier war es anders: Uns war klar, dass das Ergebnis tatsächlich öffentlich sichtbar sein wird. Das hat uns sehr motiviert. Wir haben deshalb mehrfach überprüft, ob die Motive funktionieren und wie sie verstanden werden können.
Andri: Da dieses Thema uns allen am Herzen liegt, wollten wir etwas Cooles auf die Beine stellen, das wirklich Wirkung zeigt. So haben wir unsere Ideen immer weiter verfeinert. Die grösste Erkenntnis für mich war: Wenn man sich stark für eine Aufgabe interessiert und engagiert, ist man eher bereit, die Extrameile zu gehen. So entsteht am Ende ein Ergebnis, auf das man stolz sein kann.
Laila: Dieses Projekt war definitiv mit mehr Ehrgeiz verbunden als manche Schulprojekte. Es war nicht etwas, das wir einfach für uns selbst oder für eine Note gemacht haben – es war für die FH Graubünden. Das hat zwar den Druck erhöht, aber auch die Motivation gesteigert, etwas wirklich Cooles auf die Beine zu stellen.
Was war euer persönliches Highlight während der Umsetzung?
Alessio: Nach dem Pitch zu merken, dass unsere Ideen wirklich überzeugen konnten.
Andri: Das erste Mal die Sujets auf der grossen LED-Wand zu sehen.
Laila: Der Pitch selbst war bereits ein Highlight, weil ich so etwas noch nie gemacht hatte. Auch die Begeisterung des Rektors war besonders schön – und als wir zum ersten Mal die grosse LED-Wand gesehen haben. Das war enorm cool und hat uns auch stolz gemacht.
Wenn ihr das Projekt nochmals starten würdet, was würdet ihr anders machen?
Alessio: Die Ausspielung hätte aus unserer Sicht etwas klarer definiert werden können. Wir hatten das Gefühl, dass die Sichtbarkeit durchaus höher hätte sein dürfen. Zudem war die Umsetzung der zweiten Welle etwas anders geplant, was uns kurzfristig etwas frustriert hat.
Wenn ihr an die Kampagne zurückdenkt, mit welchem Satz würdet ihr diese Zeit beschreiben?
Alessio: Das Projekt war sehr erfüllend – ich durfte meine Freude an der Gestaltung im Rahmen eines sinnvollen Themas ausleben.
Andri: Ich konnte gemeinsam mit meinen Freunden etwas Sinnvolles schaffen, das auffällt.
Laila: Das Projekt stellte für mich eine ganz neue Herausforderung dar, die extrem lehrreich war – und das alles mit meinen Freunden umsetzen zu dürfen hat einfach Spass gemacht!
Beitrag von
Jesica Castro Rodriguez, Projektleiterin, Marketing und Kommunikation
