Projekt auf einen Blick
Das Projekt hat zum Ziel, spitalergänzende und spitalersetzende Pflege- und Behandlungsangebote in Bündner Pflegeheimen zu konzipieren und umzusetzen. Im Unterschied zu andernorts entstehenden Spitalalternativen sollen dabei Lösungen entwickelt werden, die auch in der Peripherie und in grösserer Entfernung zum Spital funktionieren. Das Projektdesign sieht ein zweistufiges Vorgehen mit Vor- und Hauptprojekt vor: Im Vorprojekt sollen Spitalalternativen für einfachere Konstellationen (Spitalnähe, wenige Diagnosen, kleine Fallzahl) entwickelt und getestet werden. Bei positiven Erfahrungen werden im Hauptprojekt die Spitalalternativen auf komplexere und neue Konstellationen (grössere Distanzen zum Spital, anspruchsvollere Diagnosen, mehr Fälle) ausgeweitet und ausserregionale Pflegeheime als weitere Projektpartner einbezogen.
Das Projekt adressiert mehrere Problemstellungen des Gesundheitswesens in Graubünden und leistet u.a. einen Beitrag zur Reduktion von Spital-Überliegern und Entlastung der Spital(notfall)strukturen, zur effizienteren Nutzung der Pflegeheimkapazitäten sowie zur Aufrechterhaltung eines dezentralen Versorgungssystems.
Projekt
Spital vor Ort / Spitalalternativen im PflegeheimLead
Zentrum für wirtschaftspolitische Forschung (ZWF) Mehr über Zentrum für wirtschaftspolitische Forschung (ZWF)Projektleitung
Engler Busa Monika Mehr über Engler Busa MonikaTeam
Beier Michael Mehr über Beier Michael Dinner Kathrin Mehr über Dinner KathrinForschungsfelder
Digitale Strategien und KI für Unternehmen Mehr über Digitale Strategien und KI für Unternehmen Regionalentwicklung Mehr über Regionalentwicklung Arbeitsmarkt und Sozialpolitik Mehr über Arbeitsmarkt und SozialpolitikAuftrag/Finanzierung
Gesundheitsamt Graubünden, Innosuisse (Innocheck)Dauer
Januar 2025 - Dezember 2026
Ausgangslage
Akutspitalaufenthalte sind mit Kosten von durchschnittlich rund CHF 2'740 pro Tag (BFS, 2025) die ressourcenintensivste Form der Gesundheitsversorgung mit den höchsten Anforderungen an Fachkräfte und Infrastruktur. Zugleich sind sie für die PatientInnen mit den grössten Einschränkungen der gewohnten und selbstbestimmten Lebensführung verbunden. Vor diesem Hintergrund sowie aufgrund der Fortschritte in der Medizin und bei den eHealth-Technologien hat sich in den letzten Jahren die Entwicklung alternativer Spitalversorgungsformen in der Schweiz beschleunigt. So sind einerseits diverse Hospital-at-Home-Angebote entstanden, die Spitalaufenthalte ersetzen und eine spitaläquivalente Behandlung zu Hause bei den PatientInnen ermöglichen. Dazu gehört auch das vom Kantonsspital Graubünden am 1. März 2026 lancierte Hospital-at-Home-Angebot für Chur und Umgebung.
Andererseits bauen Pflegeheime vermehrt spezialisierte Spitalnachsorgelösungen auf, die Spitalaufenthalte verkürzen und sich an – vorab ältere – Personen richten, die nach einer Behandlung im Akutspital mehr Zeit (1-3 Monate) für die Erholung, Wiedererlangung der Selbständigkeit und Heimkehr benötigen. Die Heime kombinieren hierfür ihre Pflegeexpertise mit externen ärztlichen und therapeutischen Leistungen. Im Prinzip greifen sie das mit der Neuordnung der Pflegefinanzierung im Jahr 2011 eingeführte Konzept der Akut- und Übergangspflege (AÜP) auf, verlängern und ergänzen dieses jedoch in geeigneter Weise.
Den bisher existierenden Spitalalternativen ist gemein, dass sie in zentralen Lagen, in der Nähe der (Herkunfts-)Spitäler und innerhalb eines engmaschigen ambulanten Versorgungsnetzes operieren. Mit Blick auf Graubünden stellt sich derweil die Frage, wie Spitalalternativen auszugestalten sind, die in Distanz zu Spitälern und in Regionen mit wenigen niedergelassenen medizinischen Leistungserbringern funktionieren.
Projektziel
Um diese Frage zu beantworten, hat die FH Graubünden 2025 das Projekt «Spital vor Ort» lanciert. Ziel des Projekts ist es, Spitalalternativen in Bündner Pflegeheimen zu entwickeln und umzusetzen, mit denen Spitalaufenthalte verkürzt und gegebenenfalls ersetzt werden können. Vorgesehen ist ein zweistufiges Vorgehen:
- Zunächst wird in einem Pflegeheim in Chur ein Spitalnachsorgeangebot für einfachere und bereits bekannte Konstellationen (Spitalnähe, wenige Diagnosen, geringe Fallzahlen) konzipiert und getestet.
- Bei positiven Erfahrungen werden die Ansätze in einer zweiten Phase auf komplexere und neue Konstellationen (grössere Distanzen zum Spital, mehr und anspruchsvollere Diagnosen, zusätzlich spitalersetzende Ansätze bzw. Hospital-at-Nursing-Home-Angebote) ausgeweitet und ausserregionale Pflegeheime als weitere Projektpartner einbezogen.
Zwischenstand
Zum aktuellen Zeitpunkt liegt das Umsetzungskonzept für ein Spitalnachsorgenangebot in einem Churer Pflegeheim vor. Darin werden die Zielgruppe und die zu erbringenden Leistungen, der Patientenpfad sowie die notwendigen organisatorischen, personellen und infrastrukturellen Voraussetzungen festgelegt. Des Weiteren werden die Kosten des Spitalnachsorgeangebots und mögliche Finanzierungswege aufgezeigt.
Von den beteiligten Projektpartnern wird das Spitalnachsorgeangebot als wichtige Ergänzung der heutigen Leistungen erachtet, da einerseits der Patientenabfluss aus dem Spital verbessert und teure Spitalaufenthalte verkürzt werden können und andererseits bei PatientInnen mit längerer Rekonvaleszenz die Rückkehr nach Hause erleichtert sowie ein verfrühter definitiver Pflegeheimeintritt vermieden werden kann.
Herausfordernd ist hingegen die Finanzierung des Angebots. Mit den aktuell verfügbaren Finanzierungssystemen der Pflegefinanzierung und der ambulanten Leistungsfinanzierung können die voraussichtlichen Kosten des Spitalnachsorgeangebots nicht gedeckt werden. Darüber hinaus sind die heutigen Finanzierungssysteme mit negativen Anreizen insbesondere für die PatientInnen aber auch für die öffentliche Hand verbunden, da der Übertritt vom stationären Spitalaufenthalt in das Spitalnachsorgeangebot eines Pflegeheims kurzfristig mit (erheblichen) Mehrausgaben verbunden ist und finanzielle Vorteile erst längerfristig resultieren.
Vor diesem Hintergrund wird ein Finanzierungskonzept vorgeschlagen, in dem sich der Kanton zugunsten der PatientInnen stärker an den Spitalnachsorgekosten beteiligt, als dies im Rahmen der heutigen Pflegefinanzierung vorgesehen ist. Dies ermöglicht, die kurzfristigen Anreize für die PatientInnen zu verbessern und längerfristig Kosteneinsparungen durch die Vermeidung verfrühter Heimeintritte zu erzielen.
Aus heutiger Sicht ist ein Versuchsbetrieb für den Zeitraum 2027 - 2028 vorgesehen.
Team
Weiterführende Informationen
Beteiligte
Das Projekt wird vom Zentrum für wirtschaftspolitische Forschung (ZWF) im Auftrag des Gesundheitsamts Graubünden umgesetzt und von Innosuisse finanziert.


