Datenschutz ist mehr als ein Gesetz
Jeden Tag hinterlassen Menschen digitale Spuren – oft ohne es zu merken und deutlicher, als ihnen lieb ist. Diese Spuren beeinflussen, wie sie wahrgenommen und sogar bewertet und behan-delt werden. Deshalb reicht die Bedeutung von Datenschutz weit über rechtliche Aspekte hinaus: Datenschutz steht für Verantwortung, Respekt und Vertrauen. Wenn wir Daten schützen, schützen wir Menschen in ihrer Identität, Würde und Freiheit.
Text: Martin Berger / Bild: FH Graubünden
Die Verantwortung im Umgang mit Daten endet nicht an der Bildschirmkante. Wer Informationen sam-melt, speichert oder weitergibt, greift – oft unbewusst – in das Leben anderer Menschen ein. Darum braucht es einen bewussten, sorgfältigen und wirksamen Schutz solcher Daten. In einem ersten Schritt bedeutet das, sich dieser Wirkung überhaupt erst bewusst zu werden und respektvoll mit Daten umzuge-hen. Datenschutz schützt die Menschenwürde, die hinter jeder Zahl und jedem Datensatz steht, und stellt sicher, dass sie nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird. Im Grunde gewährleistet Datenschutz, dass die Kontrolle über persönliche Informationen dort bleibt, wo sie sein soll – bei jedem Menschen selbst.
Häufig wird Datenschutz als Informationssicherheit verstanden. Das ist ein Missverständnis. Diese bei-den Disziplinen verfolgen unterschiedliche wichtige Ziele: Datenschutz schützt personenbezogene Daten, während Informationssicherheit gewährleistet, dass alle Daten geschützt, verlässlich und nachvollziehbar bleiben. Datenschutz und Informationssicherheit sind demnach die Basis einer digitalen Gesell-schaft, in der Fairness, Transparenz und Vertrauen wichtiger sein sollen als reine Effizienz. An der FH Graubünden wird diese Überzeugung gelebt – in Forschung, Lehre und Verwaltung. Datenschutz und Informationssicherheit sind an der FH Graubünden mehr als formale Pflichten: Sie sind Ausdruck einer Haltung und eines bewussten Beitrags zum respektvollen Umgang mit Wissen und mit den Menschen dahinter.
Digitale Genügsamkeit: Weniger ist oft mehr
Nicht alles, was sich in der heutigen Informationsflut erfassen lässt, muss auch gespeichert werden. Wer bewusst auswählt, welche Informationen wirklich notwendig sind, schützt nicht nur die Privatsphäre, sondern reduziert auch die Risiken für die betroffenen Menschen und die eigene Organisation. An dieses Prinzip lehnt sich die Idee der «digitalen Genügsamkeit» an.
Digitale Genügsamkeit ist keine technische Frage, sondern eine Haltung: das Bewusstsein, dass jedes gespeicherte Datum Energie verbraucht, Aufmerksamkeit bindet und potenziell missbraucht werden kann. In einer «genügsamen» digitalen Umgebung werden Systeme und Abläufe so gestaltet, dass Schutz und Verhältnismässigkeit von Anfang an berücksichtigt werden. So wird Datenschutz prophylaktisch aufgebaut. Die Konzepte dazu sind bereits etabliert: «Privacy by Design» und «Security by Design». Diese beiden Konzepte sind eine Frage der Sorgfalt und erinnern daran, dass Datensparsamkeit keine Ein-schränkung ist, sondern eine Tugend: der Mut, nur das zu behalten, was wirklich gebraucht wird.
Glossar
Datenschutz: Schützt die Persönlichkeit und die Privatsphäre von Menschen, deren Personendaten bearbeitet werden. Ziel ist nicht die Geheimhaltung, sondern die faire und transparente Nutzung von Daten im Sinne der betroffenen Personen.
Informationssicherheit: Schützt Daten und Systeme vor Verlust, Missbrauch und unbefugtem Zugriff. Zentrale Ziele sind Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit und Nachvollziehbarkeit.
Privacy und Security by Design: Sie verankern Datenschutz und Sicherheit von Beginn an in der Technik und Organisation, damit Risiken gar nicht erst entstehen.
Datenschutzerklärung der FH Graubünden
Datenschutz für mehr Effizienz
Datenschutz ermöglicht, bewusst und verantwortungsvoll mit Informationen umzugehen und so Qualität und Vertrauen zu sichern. Wer versteht, warum Daten geschützt werden müssen, trifft kluge Entscheidungen – im Beruf, im Studium und im Alltag. Diese Einsicht entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Wissen.
Die FH Graubünden engagiert sich dafür, Wissen zu Datenschutz zu vermitteln und Menschen zu befähigen, Verantwortung im Umgang mit Daten zu übernehmen. Leitfäden, Vorlagen, Schulungen und der offene Austausch helfen dabei. Fehler lassen sich nicht komplett ausschliessen. Entscheidend ist, dass diese Fehler als Chance verstanden werden, um Prozesse zu hinterfragen und den Schutz von Daten laufend zu verbessern.
Der unternehmensweite Austausch über das Thema ist eine zentrale Aufgabe. Gerade beim Einsatz von neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz zeigt sich, wie wichtig Transparenz ist: Wenn Maschinen über die Nutzung von Daten mitentscheiden, muss alles nachvollziehbar sein, damit die Menschen verstehen, wie und warum mit den Daten gearbeitet wird. Vertrauen entsteht dort, wo Technik erklärbar und Entscheidungen überprüfbar sind.
Sechs Methoden, den Datenschutz zu erhöhen
Wer Verantwortung übernehmen will, kann das schon mit scheinbar unbedeutenden Massnahmen bei der täglichen Arbeit tun.
- Bewusst teilen: Sich vor jedem Klick überlegen, welche Informationen wirklich nötig sind und wen sie betreffen.
- Sichere Passwörter nutzen:Mindestens zwölf Zeichen lange, einmalige Passwörter schützen und können mit einem Passwortmanager verwaltet werden.
- Apps prüfen:Die regelmässige Kontrolle der Berechtigungen der eigenen Apps und Geräte vermindert das Missbrauchsrisiko. Eine App sollte nur dann Zugriff bekommen, wenn dies wirklich erforderlich ist.
- Aufräumen:Alte Konten, Daten und Dateien, die nicht mehr benötigt werden, sollten gelöscht werden. Auch das Entfernen weitergegebener Daten schützt andere.
- Privatsphäre-Einstellungen:Sichtbarkeit und Tracking in den sozialen Medien und in anderen Online-Diensten sollten angepasst werden.
- Achtsam bleiben: Eigene und anvertraute Daten müssen sorgsam behandelt werden. Die wichtige Frage vor jedem Austausch lautet: Ist diese Weitergabe nötig, angemessen und respektvoll?
Ein kultiviertes Bewusstsein für Datenschutz und Informationssicherheit ist für die digitale Zukunft der Gesellschaft von entscheidender Bedeutung. Der verantwortungsvolle Umgang mit Daten ist und bleibt ein Prozess der Wachsamkeit, Offenheit und Lernbereitschaft. Technologien, Erwartungen und Risiken verändern sich laufend. Wichtig ist, die richtige Richtung einzuschlagen und sie konsequent beizubehalten. Im Zentrum muss die Menschenwürde stehen – nicht der Gewinn oder die Technik.
Beitrag von
Martin Berger, Datenschutzbeauftragter und Datenschutzberater
