Frauen stärken, Zukunft gestalten

Frauen stärken, Zukunft gestalten

Frauen stärken, Zukunft gestalten

Wie widerstandsfähig unsere Demokratie ist, zeigt sich nicht nur in Gesetzen und Institutionen, sondern darin, wer mitentscheidet. Soziale Nachhaltigkeit bedeutet, Beteiligung breiter zu denken und politische Verantwortung auf mehr Schultern zu verteilen. Mit Datenanalysen, über 120 erprobten Massnahmen und einer mehrsprachigen Plattform unterstützt das Projekt «PROMO Femina» Gemeinden dabei, mehr Frauen für politische Ämter zu gewinnen – und damit ihre Führungsstrukturen vielfältiger, gerechter und zukunftsfähiger zu machen.

Text: Ruth Nieffer / Bild: Jürg Kühni, juergcartoon.ch

Nachhaltigkeit hat viele Gesichter. Neben Klima- und Umweltschutz gehört dazu auch die Frage, wie unsere demokratischen Strukturen zukunftsfähig bleiben – sozial, fair und inklusiv. Die Schweizer Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030 versteht soziale Nachhaltigkeit als Förderung von Chancengleichheit und Zusammenhalt – als Garantie, dass alle an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen teilhaben können. Genau hier setzt das Projekt «PROMO Femina» des Zentrums für Verwaltungsmanagement an: Es erforscht, wie sich das politische Engagement von Frauen auf Gemeindeebene stärken lässt – und wie Gemeinden von mehr Vielfalt in ihren Behörden profitieren.

Daten schaffen Sichtbarkeit

In über 1200 Gemeinden aus zehn Kantonen zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht: Während Frauen in Schulbehörden bereits mehr als die Hälfte der Sitze innehaben, stellen sie in Exekutiven und kommunalen Parlamenten lediglich rund ein Viertel der Mitglieder. Besonders in kleinen Gemeinden bleibt die Rekrutierung von Kandidatinnen schwierig. Die Gründe sind vielschichtig: Die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Abendterminen, fehlende Netzwerke und stereotype Rollenmuster schrecken viele Frauen ab.

«Was gemessen wird, kann verändert werden»: Dieses Prinzip prägt «PROMO Femina». Das Projekt macht Geschlechterunterschiede sichtbar, liefert aktuelle Daten und schafft so eine Grundlage, um gezielt Veränderungen anzustossen.

Tool für Gemeinden

Die Ergebnisse stehen öffentlich zur Verfügung – als Werkzeug für Gemeinden, Parteien und Gleichstellungsbeauftragte unter promofemina.fhgr.ch.

Zertifikatslehrgang «Frauen gestalten Politik und Verwaltung»

Der Zertifikatslehrgang «Frauen gestalten Politik und Verwaltung» richtet sich an interessierte Frauen, die ihre Leitungs- und Gestaltungskompetenzen im politischen oder administrativen Umfeld erweitern möchten.

Praxisnahe Massnahmen für jede Gemeinde

Basierend auf den erhobenen Daten hat das Projektteam 17 zentrale Herausforderungen identifiziert und über 120 praxisorientierte Massnahmen entwickelt. Diese reichen von Informationsveranstaltungen und Mentoringprogrammen über flexible Sitzungsmodelle bis hin zu zielgerichteten Kommunikationskampagnen. Ziel ist, Barrieren abzubauen und Frauen den Zugang zur Gemeindepolitik zu erleichtern.

Ein Beispiel: Frauen, die bereits politische Verantwortung tragen, wirken als Vorbilder und motivieren andere Frauen, den Schritt in ein öffentliches Amt zu wagen. Das erhöht die Sichtbarkeit und senkt Hürden, gerade in kleineren Gemeinden. Gleichzeitig stärkt die FH Graubünden die Kompetenzen politisch interessierter Frauen mit Fachkursen und Weiterbildungsangeboten und fördert regionale Netzwerke, in denen Erfahrungen ausgetauscht und gegenseitige Unterstützung gelebt wird.

Seit Sommer 2025 ist zusätzlich eine französischsprachige Version der Online-Plattform verfügbar. Möglich wurde dies durch die Unterstützung der Konferenz der Westschweizer Gleichstellungsbüros «egalite.ch» – ein wichtiger Schritt, um das Projekt sprachlich wie geografisch breiter zu verankern.

Forschung, die wirkt

«PROMO Femina» ist ein Beispiel für angewandte Forschung, die direkt auf gesellschaftliche Herausforderungen reagiert. Die gewonnenen Daten und Erkenntnisse sind nicht nur statistische Momentaufnahmen, sondern liefern Impulse für konkrete Veränderungen. Zahlreiche Kantone – unter anderem das Wallis, Graubünden und Bern – sowie der Schweizerische Gemeindeverband verweisen in ihren Informationsangeboten auf das Projekt und nutzen dessen Ergebnisse, um den Frauenanteil in der Gemeindepolitik gezielt zu fördern.

Die Forschung zeigt: Gemeindebehörden mit gemischter Zusammensetzung erzielen ausgewogenere Entscheidungen, beziehen mehr Lebensrealitäten ein und erhöhen die Legitimation demokratischer Prozesse. Dies stärkt das Milizsystem und fördert langfristig das Vertrauen in die lokale Politik – ein zentraler Faktor sozialer Nachhaltigkeit.

Seit 2026 trägt ein wachsendes Netzwerk die Ergebnisse von «PROMO Femina» in die Regionen. Unter dem Motto «PROMO Femina on Tour» werden Good Practices ausgetauscht und Gemeinden beraten, die Vielfalt und Gleichstellung aktiv fördern wollen. Die Initiative zeigt beispielhaft, wie Hochschulforschung gesellschaftlich wirksam werden kann: durch Daten, Dialog und konkrete Werkzeuge für mehr Teilhabe.

Vielfalt macht Demokratie zukunftsfähig

Neu ergänzt wird diese Massnahme durch den berufsbegleitenden Zertifikatslehrgang Frauen in Politik und Verwaltung. Er richtet sich an Frauen, die Verantwortung übernehmen wollen – sei es im Gemeinderat, in Kommissionen oder in öffentlichen Verwaltungen. Der Lehrgang vermittelt fundierte Kenntnisse zu politischer Entscheidungsfindung, Medienarbeit, Verhandlungsführung, rechtlichen Rahmenbedingungen sowie persönlichen Leadership-Skills. Die Teilnehmerinnen erhalten zudem Zugang zu Expertinnen und Experten, Coaching-Formaten und einem Netzwerk, das über die Ausbildung hinaus tragfähig ist. So baut der Lehrgang Brücken zwischen Motivation und Mandat – ein entscheidender Schritt, um den Weg in Ämter nicht nur zu öffnen, sondern tatsächlich gangbar zu machen.

Soziale Nachhaltigkeit entsteht nicht von selbst – sie braucht Strukturen, in denen alle Stimmen Gehör finden. Wenn mehr Frauen Verantwortung in kommunalen Behörden übernehmen, widerspiegelt die lokale Demokratie besser die Vielfalt der Bevölkerung. «PROMO Femina» trägt dazu bei, dass Gemeinden gerechter, repräsentativer und zukunftsfähiger werden – im Sinne einer nachhaltigen Demokratie, die alle einschliesst. 
 

Beitrag von

Prof. Ruth Nieffer, Dozentin, Zentrum für Verwaltungsmanagement