Gestalten, verstehen, erinnern: Lehre, die wirkt

Gestalten, verstehen, erinnern: Lehre, die wirkt

Gestalten, verstehen, erinnern: Lehre, die wirkt

Zwei am Institut für Data Analysis, Artificial Intelligence, Visualization und Simulation betreute Masterarbeiten verbinden User Experience Design mit gesellschaftlicher Verantwortung. Ob die Barrierefreiheit medizinischer Webseiten oder die visuelle Gestaltung zur besseren Erinnerung an Informationen im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung im Fokus sind – in beiden Arbeiten stehen nachhaltiges Wissen und fairer Zugang zu verlässlicher Gesundheitsinformation im Mittelpunkt. 

Text: Helena Jambor, Annett Mundani / Abbildungen: FH Graubünden

Digitale Technologien ermöglichen effizientere Prozesse, präziseres Monitoring und gezielteres Ressourcenmanagement. Gleichzeitig steigt mit datenintensiven Anwendungen wie generativer Künstlicher Intelligenz der Energie- und Ressourcenverbrauch. Das führt nicht nur zu höheren Emissionen, sondern auch zu einer zunehmenden Menge an Elektroschrott. Nachhaltigkeit wird in diesem Zusammenhang häufig negativ konnotiert und als Kostenfaktor oder ökologisches Schlagwort wahrgenommen. Tatsächlich beschreibt sie jedoch einen integrativen Ansatz, der ökologische, soziale und ökonomische Dimensionen zusammenführt, um die Bedürfnisse der Gegenwart zu befriedigen, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen einzuschränken. Im Bachelorstudium Computational and Data Science bedeutet das beispielsweise, Studierende nicht nur für die Auswirkungen digitaler Technologien zu sensibilisieren, sondern ihnen auch Kompetenzen zu vermitteln, um Digitalisierung verantwortungsvoll und zukunftsorientiert zu gestalten. Ziel ist, sie zu befähigen, den Mehrwert der Verbindung dieser beiden Trends zu erkennen und selbst wirkungsvolle Impulse in Gesellschaft und Wirtschaft zu setzen. 

Abschlussarbeiten mit Relevanz

In ihren Abschlussarbeiten zu Datenvisualisierung und User Experience arbeiten die Studierenden mit realen Datensätzen, analysieren Interaktionen und entwickeln evidenzbasierte Gestaltungslösungen für digitale Gesundheitsangebote. Computational Methoden machen komplexe Zusammenhänge zwischen Informationsdesign, Nutzerverhalten und Verständlichkeit sichtbar. So lernen Studierende, digitale Systeme nicht nur funktional, sondern auch ethisch reflektiert, inklusiv und nachhaltig zu gestalten. Interdisziplinäre Zusammenarbeit und sorgfältige Dokumentation sorgen dafür, dass Erkenntnisse über einzelne Projekte hinaus in Lehre, Forschung und Praxis zurückfliessen. Zwei Masterarbeiten der Studienrichtung User Experience Design verdeutlichen diese Verbindung von wissenschaftlicher Tiefe und gesellschaftlicher Relevanz: Einerseits wird auf den Zugang zu Gesundheitsinformationen fokussiert, andererseits auf deren Verständnis. Beide Arbeiten zeigen, wie nachhaltige Kommunikation, digitale Zugänglichkeit und patientenzentrierte Information zu fairen, verständlichen und beständigen Gesundheitsinformationen führen können.

Barrierefreiheit als Teil nachhaltiger Gesundheitskommunikation

In ihrer Masterarbeit «Zugang für alle? Eine Analyse der Barrierefreiheit von Gesundheitsinformationen zu Lungenkrebs auf deutschsprachigen Schweizer Webpages» untersuchte Studentin Sophie Furter, inwiefern digitale Gesundheitsinformationen tatsächlich allgemein zugänglich sind. Ihre systematische Analyse von 67 Schweizer Webseiten offenbart deutliche Defizite: Keine der untersuchten Seiten erfüllt die Anforderungen der Web Content Accessibility Guidelines vollständig. So schränken fehlende Alternativtexte, komplexe Satzstrukturen und der weitgehende Verzicht auf Leichte Sprache die Nutzbarkeit gerade für Menschen mit Behinderungen oder geringer Gesundheitskompetenz ein.

Dadurch rückt die Arbeit ein zentrales Problem ins Rampenlicht: Wenn medizinische Informationen online vorhanden sind, aber grosse Teile der Bevölkerung sie nicht verstehen oder technisch nicht aufrufen können, entstehen neue Ungleichheiten. Furter verbindet methodische Strenge mit gesellschaftlicher Relevanz und zeigt in ihrer Arbeit Wege zu einem nachhaltigeren Informationsdesign auf – etwa durch klare Sprache, barrierefreie Gestaltung und verbindliche Qualitätsstandards. Es geht um Inklusion: Wissen wird erst dann nachhaltig, wenn es allen zugutekommt und für alle zugänglich gestaltet ist.

Nachhaltige Kommunikation mit Krebspatientinnen und -patienten

Laura Lackner, Masterstudentin User Experience Design, untersuchte in ihrer Arbeit «Krebsinformationen verständlich kommunizieren» den Einfluss visueller und interaktiver Gestaltung auf das Verständnis von Behandlungsverläufen bei akuter myeloischer Leukämie. Ausgangspunkt war ein piktogrammbasierter, digitaler Zeitplan, der in ihrer Studie überarbeitet und in einer Online-Umfrage getestet wurde.

Beispiel eines visuellen Zeitplans, der das Verständnis von Patientinnen und Patienten für ihren Behandlungsplan vereinfachen soll.

Das Ergebnis: Visuelle Vereinfachung erhöht die Verständlichkeit signifikant, während zusätzliche Interaktivität das Verständnis zwar nicht weiter steigert, aber auch nicht verschlechtert. Entscheidend: Klare Visualisierung scheint das Erinnerungsvermögen zu stärken. So konnten Patientinnen und Patienten nach der visuellen Vereinfachung Behandlungsphasen präziser wiedergeben.

Damit zeigt Lackners Arbeit, die auch für den SwissVis Award – eine Auszeichnung, die herausragende Leistungen in der Datenvisualisierung in der Schweiz würdigt – vorgeschlagen wurde, dass nachhaltige Kommunikation nicht nur Umwelt und Technik betrifft, sondern auch kognitive Prozesse. Informationen sind dann nachhaltig, wenn sie im Gedächtnis bleiben, wenn sie Erinnerung und Handeln unterstützen. Das Forschungsdesign verbindet User-Experience-Prinzipien, Barrierefreiheit sowie Gesundheitskommunikation und zeigt dadurch exemplarisch, wie Gestaltung dazu beitragen kann, Wissen nachhaltig zu verankern.

Die Arbeit von FHGR-Studentin Laura Lackner (links) wurde bei den SwissVis Awards in Zürich eingereicht. Sie besuchte die Verleihung am 21. November 2025 zusammen mit der Betreuerin ihrer Masterarbeit, Helena Jambor (mitte), sowie einem Studienkollegen (rechts).

Die beiden Beispiele zeigen, dass Studierende Lösungen mit gesellschaftlicher Wirkung entwickeln – sei es durch den Abbau digitaler Barrieren oder durch verständliche, erinnerbare Gesundheitsinformationen. So wird Forschung zum Motor nachhaltiger Veränderung: Sie befähigt Menschen, Informationen zu verstehen, sich daran zu erinnern und sie in Handlungen umzusetzen – die vielleicht wichtigste Ressource für eine gerechte, zukunftsfähige Gesellschaft.

Beitrag von

Dr. Helena Jambor, Dozentin, Institut für Data Analysis, Artificial Intelligence, Visualization, and Simulation