Hochschulen als Treiber einer nachhaltigen Transformation
Entwicklung hat nur dann Bestand, wenn der Schutz sensibler Lebensräume, ökonomische Fortschritte und gesellschaftliche Bedürfnisse gemeinsam gedacht werden. Hochschulen tragen dabei eine grosse Verantwortung: Sie befähigen Menschen, ökologische, ökonomische und soziale Zusammenhänge ganzheitlich zu erfassen und verantwortungsvoll in ihr Handeln zu integrieren– und sie erforschen Lösungen, die nachhaltigen Wandel erst ermöglichen. So wirken Hochschulen weit über den Campus hinaus und tragen aktiv zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft bei.
Text: Gian-Paolo Curcio / Bild: FH Graubünden
Wie gestalten wir Fortschritt, ohne die Lebensgrundlagen kommender Generationen zu gefährden? Ein Spannungsfeld, in dem Hochschulen eine wichtige Rolle übernehmen. Sie bilden Menschen aus, die kritisch denken, Verantwortung übernehmen und kreative Lösungen entwickeln. Zugleich leisten sie mit ihrem Engagement für SDG 4 – hochwertige Bildung für alle – einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung, indem sie Talente fördern, chancengerechte sowie bezahlbare Bildung anbieten und Lernumgebungen schaffen, die eigenständiges, kritisches und verantwortungsvolles Denken ermöglichen. Damit stärken sie die Fähigkeit der Gesellschaft, den nachhaltigen Wandel aktiv mitzugestalten. Darüber hinaus forschen Hochschulen an Innovationen, die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit verbinden – und sie lassen dieses Wissen zirkulieren. Denn nachhaltige Transformation entsteht dort, wo Wissen geteilt, angewendet und gemeinsam weiterentwickelt wird. Als Teil der vielfältigen Schweizer Hochschul- und Forschungslandschaft versteht sich die FH Graubünden als aktive Gestalterin dieser Transformation. Sie betrachtet Nachhaltigkeit nicht als isoliertes Themenfeld, sondern als ganzheitlichen Ansatz, der die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit stärkt und ihre Resilienz gegenüber künftigen Herausforderungen erhöht.
SDGs – Ziele für eine nachhaltige Zukunft
Die Agenda 2030 ist der globale Rahmen für nachhaltige Entwicklung. Sie wurde 2015 von allen UNO-Mitgliedstaaten verabschiedet und zielt darauf ab, bis 2030 eine nachhaltige Zukunft für alle zu sichern. Im Zentrum stehen die 17 Sustainable Development Goals (SDGs), die zentrale Handlungsfelder von Armutsbekämpfung über Klimaschutz bis zu verantwortungsvollem Wirtschaften definieren.
Den übergeordneten Rahmen bildet das Positionspapier von swissuniversities, das die Verantwortung der Hochschulen im Übergang zu einer nachhaltigen Gesellschaft betont. Es fordert, dass ökologische Verantwortung, soziale Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Wohlstand integrativ gefördert werden – immer unter der Prämisse, dass die Erhaltung der Biosphäre Grundvoraussetzung aller Entwicklung ist. Gleichzeitig verweist es auf die Bedeutung hochwertiger Bildung: Hochschulen sollen nicht nur Wissen produzieren, sondern transformative Kompetenzen stärken, Nachhaltigkeit institutionell verankern und in enger Zusammenarbeit mit Zivilgesellschaft, Verwaltung und Wirtschaft als Treiber des Wandels wirken. Damit leisten sie auch einen Beitrag zur Stärkung demokratischer Prozesse und gesellschaftlicher Teilhabe – wichtige Voraussetzungen für eine resiliente und handlungsfähige Gesellschaft. Eine Verantwortung, die gleichzeitig regulatorisch gestärkt wird: Gemäss dem Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz (HFKG) müssen alle Hochschulen in ihrer Akkreditierungs- und Qualitätsmanagementstrategie darlegen, wie sie ihre Massnahmen zur nachhaltigen Entwicklung umsetzen – ein Rahmen, der die Relevanz des Themas zusätzlich unterstreicht. Er macht deutlich, dass nachhaltige Entwicklung, Bildungsqualität und politische Zielsetzungen wie Wohlstand, Innovationskraft und Resilienz untrennbar miteinander verbunden sind.
Herausforderungen und Chancen
Doch der Weg dorthin ist insbesondere im alpinen Raum mit komplexen Herausforderungen verbunden. Aus ökologischer Perspektive stehen Regionen wie Graubünden unter starkem Druck: Der Klimawandel verändert sensible Ökosysteme, gefährdet die Biodiversität und erhöht das Risiko von Naturgefahren wie Murgängen oder Steinschlägen. Gleichzeitig konkurrieren Siedlungsentwicklung, Energieinfrastruktur, Landwirtschaft und Tourismus um die begrenzten Flächen. Nachhaltige Lösungen erfordern daher ein ausgewogenes Zusammenspiel von Landschaftsschutz, klimaresilienter Raumplanung und ressourcenschonender Nutzung. Hier setzt die FH Graubünden mit ihrem Themenschwerpunkt Entwicklung im alpinen Raum an.
Auf ökonomischer Ebene wird Nachhaltigkeit zur strategischen Gestaltungsaufgabe. Unternehmen müssen ökologische Anforderungen mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit verbinden. Investitionen in nachhaltige Geschäftsmodelle – etwa in erneuerbare Energien oder regionale Wertschöpfung – bergen Risiken, eröffnen aber gleichzeitig neue Wettbewerbschancen. Der Themenschwerpunkt Unternehmerisches Handeln versteht sich dabei als zentraler Hebel, um langfristig tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Die soziale Dimension rückt im Themenfeld Angewandte Zukunftstechnologien in den Fokus. Digitale und datenbasierte Lösungen können Lebensqualität und Versorgung unter anderem im alpinen Raum verbessern, setzen jedoch soziale Akzeptanz, digitale Kompetenzen und Teilhabe voraus. So wird schliesslich gerade im alpinen Raum sichtbar, wie eng ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftlicher Zusammenhalt miteinander verknüpft sind und welches Potenzial in ihrem Zusammenspiel liegt.
Kooperationen als Schlüssel für nachhaltige Transformation
Kein Akteur kann diese Transformation alleine bewältigen. Zusammenarbeit ist der Schlüssel – zwischen Hochschulen, Behörden, Unternehmen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und der Bevölkerung. Die FH Graubünden arbeitet deshalb bewusst mit Netzwerken, Reallaboren und Partnerschaften, um das Wissen aus Forschung und Lehre mit der praktischen Erfahrung regionaler Akteure zu verbinden. Dieser kooperative Ansatz ermöglicht es, nachhaltige Lösungen nicht im akademischen Raum zu belassen, sondern sie in der Realität zu testen, zu reflektieren und zu verankern.
So versteht die FH Graubünden Nachhaltigkeit nicht als abgeschlossenes Ziel, sondern als fortlaufenden Prozess – eine Haltung, die sich im Denken und Handeln widerspiegelt. Hochschulen tragen eine besondere Verantwortung, diesen Wandel aktiv mitzugestalten, und müssen diese Verantwortung ernst nehmen. Sie sind mehr als Orte des Wissens: Sie sind Motoren der Veränderung und Labore der Zukunft.
Beitrag von
Prof. Dr. Gian-Paolo Curcio, Rektor FH Graubünden
