Von Graubünden hinaus in die Sportwelt
Manchmal zeigt erst der Blick zurück, wie weit man gekommen ist: Vor zehn Jahren startete an der FH Graubünden eine damals neue Spezialisierung im betriebswirtschaftlichen Studium – Sport Management. Ziel war es, fundiertes betriebswirtschaftliches Wissen gezielt auf die besonderen Anforderungen der Sportbranche anzuwenden. Was als innovative Studienrichtung begann, hat sich seither zu einem etablierten und gefragten Programm entwickelt.
Text: Flurina Marti / Bilder: zVg
Von Beginn an stand die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis im Zentrum der Studienrichtung Sport Management. Durch Dozierende mit Branchenerfahrung, praxisorientierte Projekte und die Integration aktueller Entwicklungen im Sportwesen wurde ein Ausbildungsprofil geschaffen, das auf dem Arbeitsmarkt überzeugt. Die hohe Beschäftigungsquote der Absolventinnen und Absolventen und ihre vielfältigen Tätigkeitsfelder zeugen von der Relevanz und Qualität des Programms.
Zehn Jahre nach dem Start ist es deshalb an der Zeit, innezuhalten und Bilanz zu ziehen: Wo stehen die Alumnae und Alumni heute? Welche Wege haben sie eingeschlagen? Eine strukturierte Auswertung von 250 öffentlich zugänglichen LinkedIn-Profilen von ehemaligen Studierenden mit Abschluss zwischen 2019 und 2024 liefert Antworten auf diese Fragen. Erfasst wurden Informationen zu Funktion, Tätigkeit und Branchenzugehörigkeit sowie zum Bezug der Tätigkeit zum Sport. Ziel war es, fundierte Einblicke in die berufliche Entwicklung der Alumnae und Alumni zu gewinnen und aufzuzeigen, in welchen Organisationen und Rollen sie ihre erworbenen Kompetenzen einsetzen. Mit dieser Auswertung liegt erstmals eine systematische Übersicht über die beruflichen Wege der Absolventinnen und Absolventen der Studienrichtung Sport Management vor.
Drei Alumni, drei Wege: Cristiana Fiacco
Co-Geschäftsführerin bei Special Olympics Switzerland; Abschluss 2020
An ihrer Arbeit schätzt Cristiana Fiacco besonders die Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Organisationen. Gemeinsam mit ihnen setzt sie sich dafür ein, Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung einen gleichberechtigten Zugang zu Sport zu ermöglichen. Der Weg zu dieser Aufgabe war geprägt von Herausforderungen und bereichernden Begegnungen, wie sie selbst sagt. Eine entscheidende Rolle habe dabei ihr Studium gespielt: Ein Gastreferat von Special Olympics habe sie tief berührt und den Wunsch geweckt, für diese Organisation zu arbeiten. Während des Studiums erwarb sie dann die nötigen Kompetenzen, um diesen Wunsch zu verwirklichen.
Die eingeschlagenen Wege nach dem Studium
Bei der Auswertung der Alumni-Profile lag ein besonderes Augenmerk auf dem Bezug zum Sport: 169 Absolventinnen und Absolventen (67,6 %) sind aktuell im Sportbereich tätig, während 70 Personen (28 %) in Berufen ohne direkten Sportbezug arbeiten. Bei 11 Alumnae und Alumni (4,4%) konnte die aktuelle Berufssituation nicht ermittelt werden. Diese Verteilung verdeutlicht, dass das Studium sowohl gezielt auf Karrieren im Sportbereich vorbereitet als auch vielseitige Perspektiven ausserhalb des Sports eröffnet.
Drei Alumni, drei Wege: Boris Flury
Projektleiter Sportprojekte bei Swiss-Ski; Abschluss 2019
Boris Flury ist seit knapp neun Jahren bei Swiss-Ski tätig. Angefangen hat er als Sachbearbeiter im Team-Management im Bereich Ski Freestyle. Nach drei Jahren übernahm er die Leitung des Team-Managements für Ski Freestyle, Snowboard und Telemark. Heute ist er Projektleiter Sportprojekte und agiert als Brückenbauer zwischen verschiedenen Stakeholdern. Dadurch kann er mit vielen unterschiedlichen Personen und Abteilungen zusammenarbeiten und erhält immer wieder Einblicke in neue Themenbereiche. Die grosse Vielfalt im Projektmanagement – von der Planung über die Umsetzung bis hin zum Controlling – macht die Aufgaben für ihn besonders spannend.
Das Studium im Bereich Sport Management habe ihm geholfen, in der Sportbranche Fuss zu fassen, und ihm ein vertieftes Verständnis für das Sportsystem und dessen Prozesse vermittelt – Kompetenzen, die ihn in seiner Entwicklung bei Swiss-Ski bis heute unterstützen. Als Highlight seiner Studienzeit nennt er den stark praxisorientierten Unterricht sowie die vielen wertvollen Kontakte, die er während des Studiums knüpfen konnte.
Ein Blick auf die Branchenverteilung zeigt: An der Spitze stehen die Sportverbände mit 31 beschäftigten Alumnae und Alumni, dicht gefolgt von Sportmarketing und Sponsoring (29), Clubs und Vereinen (19) sowie der Medien- und Kommunikationsbranche (15). Weitere wichtige Bereiche sind Sportorganisationen und der Sportfachhandel (je 14), die Eventbranche (13) sowie die Verwaltung und Sportpolitik (11). Diese breite Streuung verdeutlicht die hohe Anschlussfähigkeit des Studiengangs.
Auch bei den Arbeitgebern zeigt sich ein klares Profil: Zahlreiche Absolventinnen und Absolventen sind bei renommierten Sportorganisationen tätig. Beispielsweise beschäftigt Swiss-Ski derzeit 7 Ehemalige, gefolgt von der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG (5), Ringier Sports (4), der Stiftung Schweizer Sporthilfe (4) und Weltklasse Zürich (3).
Drei Alumni, drei Wege: Manuel Toscan
Projektleiter Events & Sponsoring bei Groupe Mutuel; Abschluss 2022
Vormittags entwickelt er Strategien und verhandelt Engagements, nachmittags kümmert er sich um Kundenanliegen und verfasst Mitarbeiterbriefings, abends legt er beim Eventaufbau selbst Hand an. Genau diese Spannbreite an Aufgaben macht für Manuel Toscan den Reiz seiner heutigen Funktion aus – abwechslungsreich, fordernd und alles andere als langweilig. Während des Studiums entdeckte er seine Begeisterung für das Sportsponsoring und setzte mit seiner Bachelorarbeit einen entsprechenden fachlichen Schwerpunkt. Das Studium erwies sich für ihn als Eintrittsticket in die Sponsoring-Branche und habe ihm gerade zu Beginn der Laufbahn die nötige Glaubwürdigkeit verschafft, betont er. Rückblickend sehe er ausserdem, wie wertvoll die vielen Studienprojekte waren. Dabei ging es unter anderem um die Entwicklung von Aktivierungskonzepten für unterschiedliche Auftraggeber – eine kreative Arbeit, auf die er auch im Arbeitsalltag häufig zurückgreife.
Besonders dominant bei den Tätigkeitsfeldern ist die Sportförderung mit 40 Nennungen, gefolgt von der Planung, Durchführung und Promotion von Events (24), dem Produktmanagement (21) sowie dem Sponsoring-Management auf der Nehmer- und Geberseite (21). Auch die digitale Kommunikation wurde acht Mal als zentrales Aufgabenfeld genannt, was den zunehmenden Einfluss digitaler Medien im Sportsektor reflektiert.
Auch bei der hierarchischen Einordnung der beruflichen Positionen zeigt sich ein erfreuliches Bild: Ein signifikanter Anteil der Alumnae und Alumni ist auf Projektleitungs- oder mittlerer Managementebene tätig, einige sogar in Geschäftsleitungsfunktionen. Dies spricht für eine erfolgreiche Etablierung auf dem Arbeitsmarkt und den beruflichen Aufstieg vieler Alumnae und Alumni innerhalb weniger Jahre nach Studienabschluss.
Ein Blick zurück, viele Wege nach vorn
Diese Auswertung liefert der Studienleitung wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des Curriculums, den Dialog mit Praxispartnern und den Ausbau des Alumni-Netzwerks. Sie dient aber auch als Orientierung für aktuelle und künftige Studierende, die sich ein Bild von den möglichen Karrierewegen machen wollen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Absolventinnen und Absolventen der Studienrichtung Sport Management in einer Vielzahl von Branchen tätig sind – mit einem starken Schwerpunkt im organisierten Sport. Sie bekleiden verantwortungsvolle Positionen und tragen aktiv zur Entwicklung des Sports und angrenzender Sektoren bei.
Podcast «Campus Tät-a-Tät»
Leistung, Leidenschaft und ein Weltmeistertitel: Flurina Marti kennt Leistung auf und neben dem Spielfeld – als ehemalige FHGR-Studentin, langjährige Unihockey-Nationalspielerin und mehrjährige Captain der Schweizer Nationalmannschaft. Zehn Jahre trug sie das Trikot der Schweiz und hat den Leistungssport aus nächster Nähe erlebt. Heute prägt sie den Sport aus einer neuen Perspektive: als FHGR-Mitarbeiterin, wo sie sich mit dem Studium Sport Management beschäftigt und als Leiterin des Schweizer Frauen-Nationalteams, das im Dezember 2025 einen historischen Weltmeistertitel gewann. Im Gespräch spricht Flurina Marti offen über die Anforderungen des Leistungssports, das Zusammenspiel von Studium, Spitzensport und Berufsalltag sowie den Umgang mit Druck und Verantwortung
Im Podcast «Campus Tät-a-Tät» nehmen wir euch auf eine Reise hinter die Kulissen der FH Graubünden. In jeder Episode werden unterschiedliche Bereiche der Hochschule beleuchtet, spannende Geschichten erzählt und Hintergründe aufgezeigt. Lernt die Menschen kennen, die die FH Graubünden so einzigartig machen und lasst euch für eine neue Seite der Bündner Hochschule begeistern!
Beitrag von
Flurina Marti, Wissenschaftliche Projektmitarbeiterin, Zentrum für Betriebswirtschaftslehre



