Zukunft im Aufbau
Mit dem Fachhochschulzentrum Graubünden entsteht in Chur ein neuer Mittelpunkt für Studium, Forschung und Begegnung. Doch der neue Campus ist weit mehr als ein Grossprojekt: Für die Vorsteherin des Departements für Infrastruktur, Energie und Mobilität, Regierungsrätin Carmelia Maissen, ist er ein Motor für die Wissenschaft und die Wirtschaft Graubündens – und ein Ort, zu dem sie selbst eine besondere Verbindung hat.
Interview: Seraina Zinsli / Bild und Visualisierung: Kanton Graubünden
Frau Maissen, das Fachhochschulzentrum Graubünden ist das grösste Hochbauprojekt des Kantons. Wie ist es für Sie, ein Projekt dieser Dimension so nah zu begleiten?
Es ist etwas sehr Schönes, Einmaliges und Spannendes. Denn es ist nicht irgendein Bauprojekt, sondern eines, das für die Zukunft – unsere nachfolgenden Generationen – gebaut wird. Daher ist es ein Privileg, ein solches Projekt begleiten zu dürfen. Für mich gibt es zudem einen persönlichen Bezug: Vor vielen Jahren war ich in einem Teilzeitpensum Dozentin an der damaligen Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur. Ich unterrichtete Architekturgeschichte und -theorie. Deshalb schliesst sich für mich auch ein kleiner Kreis.
Hat man da auch Respekt?
Ja, natürlich. Ein solches Grossprojekt bringt automatisch Herausforderungen mit sich. Die Planung ist komplex – für alle Beteiligte. Besonders für das Hochbauamt, das den Prozess steuert. Wir verfolgen bei der Umsetzung drei klare Ziele: Die Qualität muss stimmen, die Bauzeit muss eingehalten werden und die Kosten müssen im vereinbarten Rahmen bleiben. All das in einem so grossen Projekt jederzeit im Griff zu behalten, ist anspruchsvoll. Da hat man Respekt – und spürt die grosse Verantwortung.
Inwiefern ist das zukünftige Fachhochschulzentrum ein Symbol für die Entwicklung des Kantons Graubünden?
Der neue Campus ist ein bauliches Statement, das für die Zukunft des Kantons steht. Wir investieren in diese Zukunft, stärken Graubünden als Ausbildungsstandort und schaffen attraktive Studienmöglichkeiten auf Fachhochschulniveau – natürlich mit dem Ziel, dass gut ausgebildete Leute hierbleiben und nicht abwandern. Das stärkt folglich auch unsere Wirtschaft, die auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen ist. Zudem wollen wir die Bündner Wirtschaft diversifizieren – beispielsweise in Regionen, in denen der Tourismus bisher der einzige starke Pfeiler war. Aus Sicht des Infrastruktur-, Energie- und Mobilitätsdepartements zeigt das Projekt auch, dass Bauen und Nachhaltigkeit eins sind.
Wie zeigt sich das konkret?
Nachhaltiges Bauen setzt bereits bei der Planung und dem Raumprogramm an. Was braucht es wirklich? Wo lassen sich Abläufe optimieren? Vielleicht kann man durch clevere Planung sogar Räume einsparen. Das sind frühe, aber wichtige Überlegungen. Beim Bauen selbst geht es unter anderem um die Wahl der Materialien, die aus natürlichen Ressourcen stammen und möglichst umweltschonend hergestellt werden sollen. So hat die Holz-Beton-Hybridbauweise deutlich tiefere CO₂-Emissionen als eine konventionelle Massivbauweise. Das Holz für das Deckentragwerk stammt aus Bündner Wäldern. Damit dies möglich wurde, musste das Holz rechtzeitig und in der richtigen Menge und Grösse geschlagen und getrocknet werden. Dafür brauchte es eine sorgfältige Planung. Der Prozess war aufwändig, hat sich jedoch gelohnt, da er die Bündner Holzkette und die lokale Wirtschaft gestärkt hat. Das Gebäude an sich soll ausserdem wenig Energie verbrauchen und gleichzeitig Energie produzieren, etwa über Solaranlagen.
Denken Sie bei all diesen Überlegungen auch explizit an die Bedürfnisse junger Menschen?
Die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer stehen im Zentrum. Bei einer Fachhochschule sind das vor allem Studierende. Dafür braucht es geeignete Räume, die von inspirierender Qualität sind, und einen physischen Ort, an dem man sich gerne trifft. Die FH Graubünden ist derzeit auf viele Standorte in der Stadt Chur verteilt. Mit einem Campus entsteht ein zentraler Ort, der das studentische Leben stärkt und attraktiv macht, aber auch ideale Arbeitsbedingungen für Mitarbeitende, Forschende und Dozierende schafft.
Was ist Ihr Wunsch, wenn das Gebäude – voraussichtlich im Frühling 2028 – mit Leben gefüllt wird?
Dass das Potenzial und die Strahlkraft des neuen Campus als Entwicklungsmotor mit einem inspirierenden Campusleben sowie hochstehenden Forschungsarbeiten und Projekten, die Resonanz im Kanton finden und die Vernetzung über die Grenzen hinaus fördern, voll ausgeschöpft werden.
Was bedeutet Ihnen das Projekt persönlich – als Regierungsrätin, aber vor allem als Bündnerin?
Der entstehende Campus zeigt die erfreuliche Entwicklung der letzten Jahre in Graubünden auf. Vor 30 Jahren fehlte das Selbstverständnis, dass Graubünden ein Bildungs- und Forschungsstandort auf Hochschulstufe ist. Damals mussten die jungen Menschen für viele Aus- und Weiterbildungen den Kanton verlassen. Heute haben wir uns zu einer spannenden Bildungs- und Forschungslandschaft entwickelt – in Davos, aber auch in Chur. Das Fachhochschulzentrum zeugt von diesem neuen Selbstbewusstsein: dass wir hier wichtige, tragende Säulen haben und Teil der schweizerischen Bildungs- und Forschungslandschaft sind.
Beitrag von
Seraina Zinsli, Projektleiterin Hochschulkommunikation, Redaktionsleiterin
