Projekt auf einen Blick
Seit 2023 führen Digital Supply Chain Studierende im Rahmen eines studentischen Anwendungsprojekts im Auftrag von ZEROvia GmbH (vormals Impact Procurement) eine Umfrage bei Schweizer Unternehmen zum Stand von Beschaffungs- und Supply-Chain-Management-Funktionen durch. Die Befragung richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus Einkauf, Supply Chain Management, Finanzen und Personen in Geschäftsleitungen. Die Studie liefert Informationen über die Bedeutung und den Umgang mit Digitalisierung, Nachhaltigkeit und ESG-Anforderungen sowie Resilienz in diesen wichtigen Unternehmensfunktionen und bietet praxisnahe Erkenntnisse für Unternehmen.
Projekt
State of Procurement & Supply Chain Management – Trends, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und ResilienzLead
Zentrum für Betriebswirtschaftslehre (ZBW) Mehr über Zentrum für Betriebswirtschaftslehre (ZBW) Bachelorstudienrichtung Digital Supply Chain Management Mehr über Bachelorstudienrichtung Digital Supply Chain ManagementProjektleitung
Schiller David Mehr über Schiller DavidBeteiligte
Auftraggeber:
Christian Schmalz (ZEROvia GmbH)
Studierendenteam 2026:
Vincent Bürge, Fabian Kohler, Thomas Bänziger, Joel Bonanomi, Gabynthy Peruthivirajan, Jan Weiss
Studierendenteam 2025:
Annika Ganz, Patrick Loher, Hanna Baumann, Nando Cathomas, Michael Kaufmann, Jann Krasa, Ralf Kunz, Alejandro Rüegg Martinez, Jason Stalder
Studierendenteam 2024:
Ivo Knuchel, Joel Scherrer, Gregory Kuentz, Abiren Gunarajah, Benjamin Misteli, Nizar Elhaska
Studierendenteam 2023:
Livio Benz, Iker Galdos, Alexandra Isenring, Nerron Maquiadi, Rony Schädler, Cedric StähliForschungsfelder
Internationalisierung und Supply Chain Mehr über Internationalisierung und Supply ChainAuftrag/Finanzierung
Studentisches Anwendungsprojekt in der Lehre; Auftraggeber: ZEROvia GmbHDauer
2023 – 2026
Ausgangslage
Europäische Unternehmen stehen unter wachsendem Druck, ESG-Nachweise zu liefern – getrieben durch Grosskunden (CSRD-Lieferkettentransparenz), Banken (ESG-Risikobewertung), Versicherer und Regulierungsbehörden. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung digitaler Werkzeuge in Einkauf und Supply Chain Management rapide zu: KI-gestützte Analysetools, automatisierte Lieferantenbewertungen und CO₂-Tracking verändern diese Funktionen grundlegend.
Die Studie «State of Procurement» wurde 2023 erstmals an der FH Graubünden durchgeführt, um ein tieferes Verständnis für die Entwicklung nachhaltiger Beschaffungspraktiken in der Schweiz zu gewinnen. Seitdem wird die Erhebung jährlich fortgeführt, um anhand eines stabilen Fragenkerns Trends über mehrere Jahre hinweg vergleichbar zu machen. In der Erhebung 2024 wurden erstmals Aspekte zu Nachhaltigkeit und Künstlicher Intelligenz ergänzt.
2026 wird die Studie erstmals um Supply-Chain-relevante Fragestellungen erweitert, insbesondere zu Transparenz, Resilienz, Digitalisierung und Nachhaltigkeitsanforderungen entlang der Wertschöpfungskette.
Projektziel
Ziel der Studienreihe ist es:
- Den Reifegrad von Procurement- und Supply-Chain-Funktionen in der Schweiz zu erheben und über mehrere Jahre hinweg vergleichbar zu machen
- Den Stand von Digitalisierung, Nachhaltigkeit, ESG-Anforderungen und Resilienz in diesen Funktionen zu analysieren
- Praxisnahe Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen für Unternehmen abzuleiten
In der Erhebung 2026 stehen zusätzlich folgende Forschungsfragen im Fokus:
- Wie entwickelt sich der Reifegrad von Procurement- und Supply-Chain-Funktionen im Vergleich zu den Studien 2023 bis 2025?
- Welche digitalen Werkzeuge und Systeme werden eingesetzt (z.B. S2P, SRM, SCM, Analytics, AI)?
- Welche Bedeutung haben Nachhaltigkeit und ESG-Anforderungen für Entscheidungen in Einkauf und Supply Chain?
- In welchem Umfang werden Supply-Chain-Themen wie Transparenz, Resilienz, Risikomanagement und Lieferanteneinbindung systematisch adressiert?
Umsetzung
Die Studie wird als quantitative Online-Befragung durchgeführt. Der Fragebogen basiert auf den Vorjahresstudien und wird gezielt um Supply-Chain-Aspekte ergänzt. Die Zielgruppe umfasst Fach- und Führungskräfte aus Einkauf, Supply Chain Management, Finanzen und Personen in Geschäftsleitungen in der Schweiz – branchenübergreifend.
Die Studierenden der Bachelorstudienrichtung Digital Supply Chain Management konzipieren, erheben und analysieren die Daten eigenständig im Rahmen eines studentischen Anwendungsprojekts. Der Fragebogen und das Befragungskonzept werden mit dem Auftraggeber abgestimmt.
Resultate
Die folgende Übersicht zeigt die Entwicklung zentraler Kennzahlen über die drei bisherigen Erhebungen. Sechs Dimensionen werden durchgängig verglichen, um Trends sichtbar zu machen.
Studie 2023: State of Supply Chains – Nachhaltigkeit im Einkauf (n=48)
Die erste Erhebung befragte 48 Unternehmen in der Schweiz zum Stand der nachhaltigen Beschaffung. Zentrale Ergebnisse:
- Nachhaltigkeit als Priorität: 35% nannten Nachhaltigkeit als eine der drei wichtigsten Prioritäten
- Regulierung als Hindernis: 47% sahen fehlende gesetzliche Vorgaben als Hindernis für Nachhaltigkeit
- Kosten als Hindernis: 48% sahen hohe Kosten als Hindernis für nachhaltige Beschaffung
- Transparenz in der Lieferkette: 50% beklagten fehlende Transparenz
- CO₂-Strategie: 54% hatten eine Strategie oder Pläne zur CO₂-Reduktion
- Digitale Tools: 57% nutzten digitale Werkzeuge für das Lieferantenmanagement
Studie 2024: State of Procurement – Nachhaltigkeit und KI (n=52)
Die zweite Erhebung erweiterte den Fokus auf Künstliche Intelligenz und regulatorische Anforderungen. 52 Unternehmen nahmen teil. Zentrale Ergebnisse:
- Nachhaltigkeit als Priorität: 52% nannten Nachhaltigkeit als Top-3-Priorität (2023: 35%)
- Regulierung als Hindernis: 34% sahen fehlende Gesetze als Hindernis (2023: 47%)
- Kosten als Hindernis: 44% sahen hohe Kosten als Hindernis (2023: 48%)
- Transparenz in der Lieferkette: 46% beklagten fehlende Transparenz (2023: 50%)
- CO₂-Strategie: 67% hatten eine Strategie zur CO₂-Reduktion (2023: 54%)
- Digitale Tools: 71% nutzten digitale Werkzeuge für das Lieferantenmanagement (2023: 57%)
Studie 2025: State & Trends of Procurement (n=45)
Die dritte Erhebung vertiefte die Analyse und verglich die Trends mit den Vorjahren. 45 vollständige Antworten von 100 gestarteten Befragungen wurden ausgewertet. Zentrale Ergebnisse:
- ESG in der Strategie: 64% verankerten ESG-Kriterien in der Unternehmensstrategie (2024: 52%)
- Regulierung als Hindernis: kaum noch relevant – tiefster Wert aller Barrieren (2024: 34%)
- Kosten als Hindernis: 60% nannten Kosten als grösstes Hindernis (2024: 44%)
- Transparenz in der Lieferkette: 46% beklagten fehlende Transparenz (2024: 46%)
- Net-Zero-Ziel: 18% kommunizierten ein Net-Zero-Ziel (2024: 67% mit CO₂-Strategie)*
- Digitale Tools: 40% nutzten digitale Werkzeuge für das Lieferantenmanagement (2024: 71%)
* Die Frage zu CO₂-Strategien wurde 2025 enger gefasst (kommuniziertes Net-Zero-Ziel statt allgemeine CO₂-Reduktionspläne), was den Rückgang teilweise erklärt.
Entwicklung im Überblick
Der Vergleich der drei Erhebungen zeigt klare Trends: Nachhaltigkeit und Digitalisierung gewinnen strategisch an Bedeutung. Während regulatorische Anforderungen zunehmend als Orientierungsrahmen statt als Hindernis wahrgenommen werden, bleiben Kosten, Know-how-Mangel und Transparenzprobleme in den Lieferketten die grössten Herausforderungen. Auffällig ist der Rückgang bei der Nutzung digitaler Lieferantenmanagement-Tools und bei Net-Zero-Strategien in der Erhebung 2025, was auf veränderte Stichproben und engere Fragedefinitionen zurückgeführt werden kann.
Die Ergebnisse fliessen als Marktintelligenz in die Produktentwicklung der ZEROvia-Plattform (zerovia.app) ein – einer B2B-SaaS-Lösung für KMU-Nachhaltigkeit in Einkauf und Lieferkette.
Weiterführende Informationen
Publikationen
- Fachartikel: «Wie nachhaltig beschaffen Schweizer Unternehmen?» – procure.ch Swiss Magazin, April/Mai 2025, S. 44–45. Autor: Christian Schmalz.
- Fachartikel: «Nachhaltigkeit im Einkauf: Innovations- statt Kostenfokus» – procure.ch Swiss Magazin, 2024. Autor: Christian Schmalz.
Beteiligte
Das Projekt wurde vom Zentrum für Betriebswirtschaftslehre (ZBW) in Zusammenarbeit mit Studierenden der Bachelorstudienrichtung Digital Supply Chain Management im Auftrag der ZEROvia GmbH umgesetzt.