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Vom Abfallstoff zum robusten Baumaterial

Neuer Baustoff aus Kiesresten

09. Februar 2026

Jährlich fallen in der Schweiz über 3 Millionen Tonnen Kieswaschschlamm an. Dieses Nebenprodukt der Kiesproduktion wird grösstenteils entsorgt. Doch nun eröffnen sich neue Möglichkeiten: Die Fachhochschule Graubünden hat daraus einen besonderen Baustoff entwickelt, der sich als Füll- oder Dämpfungsmaterial einsetzen lässt.

Als Abfallprodukt der Kiesproduktion fällt feinkörniger Waschschlamm an, sogenannter Kieswaschschlamm. Für diesen gibt es kaum Verwertungsmöglichkeiten – bis jetzt: Ein Projektteam der FH Graubünden hat daraus ein leichtes, widerstandsfähiges und wasserbeständiges Material hergestellt. Dieses lässt sich in der Bauwirtschaft als Füll- und Dämpfstoff nutzen und ist durch die Wiederverwendbarkeit von Überschussmengen auch abfallfrei in der Herstellung.

Entwicklung stabiler Mischungen für die Baupraxis

In Zusammenarbeit mit dem Verband Baustoff Kreislauf Schweiz entwickelte das Projektteam verschiedene Mischungen aus Kieswaschschlamm und anderen mineralischen Zusatzstoffen. Anschliessend wurden im FHGR-Baulabor zahlreiche Versuche durchgeführt, um die Rezeptur des Gemisches zu optimieren. «Die Herausforderung bestand darin, zwei Bedingungen zu erfüllen: Zum einen sollte die Mischung nach etwa vier Stunden ausreichend fest sein, um die Form ausschalen zu können. Zum anderen musste sich ihr Volumen nach dem Eingiessen in die Form vergrössern», sagt Projektleiter Yasin Akkus. Anschliessend wurde die Eigenschaft systematisch getestet und schliesslich für gut befunden. Besonders erfreulich: Das Material bleibt auch nach längerer Wasserlagerung formstabil und eignet sich damit ideal für Anwendungen im Bauwesen. 

Grosses Sparpotenzial weckt Interesse in der Wirtschaft

Die Gemeinde Vaduz ist Betreiberin der Deponie im Rain und muss den anfallenden Kieswaschschlamm entsorgen. Konkret fallen dort jährlich rund 20’000 m³ Kieswaschschlamm an. Die Deponierung und Bewirtschaftung dieses Materials erzeugen in der Gemeinde jährlich hohe Kosten und es geht wichtiger Deponieraum verloren. Mit dem neuen FHGR- Baustoffprodukt lassen sich nicht nur Deponiekosten deutlich reduzieren, sondern auch Umsätze durch den Verkauf erzielen. Die Entwicklung eines neuen Produkts, das aus Abfallstoff entsteht und in der heimischen Bauwirtschaft produziert und eingesetzt werden kann, findet deshalb grossen Anklang. Die Gemeinde Vaduz fördert die Weiterentwicklung des Produkts daher finanziell und logistisch. «Die Zusammenarbeit mit der FH Graubünden ist für uns ein Glücksfall, da wir selbst nicht in der Lage sind, die notwendigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten durchzuführen», sagt der stellvertretende Leiter Tiefbau der Gemeinde Vaduz, Gerold Harder. Die Ergebnisse der Vorstudie werden nun noch detaillierter erforscht und die genauen Anwendungsmöglichkeiten geprüft. Mit den ersten Ergebnissen wird bereits Ende Jahr gerechnet.

Forschung für den alpinen Lebensraum

Das Institut für Bauen im alpinen Raum an der FH Graubünden fokussiert seine Forschungsaktivitäten in den Bereichen Raumplanung, Siedlungsplanung und Ortsbildentwicklung, Angewandte Glaziologie sowie Alpine Infrastrukturbauten. Im letzteren Forschungsfeld bezwecken die Aktivitäten im Bereich Infrastrukturbauten die Sicherung des Lebensstandards im alpinen Raum sowie der Schutz vor Naturgefahren. Im hauseigenen Baulabor können Prüfungen nach SIA- und EN-Normen durchgeführt werden.

Weitere Details

Formstabiles Material, das sich ideal für Anwendungen im Bauwesen eignet.
Versuche im FHGR-Baulabor zur Optimierung der Rezeptur des Gemisches.
Kieswaschschlamm: leicht, widerstandsfähig und wasserbeständig.

Weitere Auskünfte

Wissenschaftlicher Projektmitarbeiter
Yasin Akkus
Timelapse Kieswaschschlamm: Versuche im FHGR-Baulabor

Fachhochschule Graubünden

Als Hochschule setzt die FH Graubünden auf dynamisches Denken und proaktives Handeln. Mit diesem Mindset prägt sie die Zukunft. Die Studienangebote orientieren sich an praktischen Herausforderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Ihre über 2400 Studierenden in Aus- und Weiterbildung entwickelt sie zu verantwortungsvollen Persönlichkeiten. Die Hochschule bietet Angebote in den Bereichen «Architektur und Bauingenieurwesen», «Medien, Technik und IT» sowie «Wirtschaft, Dienstleistung und Informationswissenschaft» an. In ihrer inter- und transdisziplinären Forschung fokussiert sie auf die Themen angewandte Zukunftstechnologien, Entwicklung im alpinen Raum und unternehmerisches Handeln. Mit ihren Tätigkeiten trägt die FH Graubünden zum Erfolg und zur Wettbewerbsfähigkeit von Individuen, Institutionen und Regionen bei. Hierfür ist sie in der Region verankert, in der Schweiz von Bedeutung und strahlt international aus. fhgr.ch