«Datenberge wachsen schneller, als Gletscher schmelzen»

«Datenberge wachsen schneller, als Gletscher schmelzen»

«Datenberge wachsen schneller, als Gletscher schmelzen»

Hochschulen sollen Studierende zu verantwortungsbewusstem Handeln befähigen und gleichzeitig ihre eigenen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Fussabdrücke verringern. Mit der Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsdeklaration, der Einbindung der Nachhaltigen Entwicklung in Curricula und Forschung sowie der Förderung umweltfreundlicher Praktiken im Betrieb nimmt die FH Graubünden ihre Rolle als Mitgestalterin der Zukunft wahr.

Text: Ulrike Zika / Bild: FH Graubünden / Video: Stockholm Resilience Centre

Nachhaltige Entwicklung bedeutet, die Bedürfnisse der Gegenwart zu befriedigen, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen einzuschränken. Dabei werden ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte gleichberechtigt berücksichtigt. Dieses Leitprinzip zielt darauf ab, die natürlichen Ressourcen langfristig zu erhalten und gleichzeitig soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. Zu den Kernprinzipien der Nachhaltigen Entwicklung gehören: 

  • Die ökologische Dimension: Im Zentrum stehen die Ressourcenschonung und die Emissionsvermeidung. Beispiele hierfür sind die Nutzung erneuerbarer Energien und die Förderung des öffentlichen Verkehrs.
  • Die soziale Dimension: Hierbei geht es um die gerechte Verteilung der Ressourcen und der Chancen, die ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Dazu gehören beispielsweise der Kampf gegen die Armut, die Förderung einer gleichberechtigten Bildung und die Geschlechtergleichstellung.
  • Die wirtschaftliche Dimension: Eine Wettbewerbsfähigkeit, die nicht auf Kosten der Umwelt und der sozialen Gerechtigkeit geht.

Die 17 globalen Ziele für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, die sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs), sind ein konkreter Rahmen für die Umsetzung dieser Zielvorgaben bis 2030. Im SDG-Hochzeitstortenmodell sind die Ziele in der ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Dimension in Schichten dargestellt. Die planetaren Grenzen bilden die Basis des Modells und beinhalten kritische Umweltfaktoren wie sauberes Wasser, Klima und Biodiversität. Als zweite Schicht folgt die Gesellschaftsebene, die soziale Ziele wie Bildung, Gesundheit, Gleichstellung und Menschenwürde beinhaltet. Die oberste Schicht repräsentiert wirtschaftliche Aktivitäten und ist in die darunterliegenden gesellschaftlichen und planetaren Grenzen eingebettet. Das Modell verdeutlicht, dass die Biosphäre die Grundlage für alles bildet und eine nachhaltige Gesellschaft und Wirtschaft sich nur innerhalb dieser Grenzen entwickeln können. Werden die planetaren Grenzen überschritten, sind die sozialen und wirtschaftlichen Ziele gefährdet.

Nachhaltigkeit prägt dementsprechend auch die Bildung und Forschung und ist daher für Hochschulen eine zentrale Aufgabe. An der FH Graubünden sind die Grundsätze der Nachhaltigen Entwicklung nicht nur in der Erfüllung der Leistungsaufträge «Forschung und Dienstleistung» sowie «Lehre und Weiterbildung» verankert, sondern auch in den Management- und Supportaufgaben. Dabei orientiert sich die FH Graubünden an den SDGs.

Ideen mit Wirkung

Ideen mit Wirkung

Die Nachhaltigkeitskommission begleitet und stärkt die nachhaltige Entwicklung der FH Graubünden. Sie sorgt dafür, dass Mitarbeitende und Studierende aktiv in den Prozess eingebunden sind. 

Christian Hauser, Sie engagieren sich seit Jahren als Kommissionsvorsitzender. Warum ist diese Mitwirkung so entscheidend?
Nachhaltigkeit beginnt im Alltag. Über die Kommission haben die Hochschulangehörigen die Möglichkeit, ihre Ideen und Anliegen aktiv einzubringen. Zu diesem Zweck wurde ein Vorschlagswesen eingerichtet. Die Kommission berät die eingegangenen Anregungen und leitet sie an die zuständigen Stellen weiter. Wiederkehrende Themen sind die Nachhaltigkeit beim Bau des neuen Campus, bei Give-aways, die Angebote in der Mensa und an den Automaten sowie die Mobilität der Hochschulangehörigen.

Gibt es einen Vorschlag, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist? 
Die Ideen im Bereich Mobilität zielen zum einen darauf ab, die Nachhaltigkeit dienstlicher In- und Auslandsreisen zu verbessern. Zum anderen betreffen sie das Pendeln zum Arbeits- oder Studienort. So wurde beispielsweise angeregt, dass sich die Hochschule einem Veloverleihsystem anschliesst.

Wie wurde diese Idee in die Tat umgesetzt?
Die Hochschule hat sich mit anderen Akteuren zusammengeschlossen und an den Standorten der FH Graubünden wurden Ausleihstationen eingerichtet. Der Churer Veloverleih verzeichnete im letzten Jahr europaweit das stärkste Wachstum: Seit dem Start hat sich die Nutzung vervierzehnfacht – ein deutliches Zeichen für den Erfolg des Angebots. Dank des Engagements der Hochschule kommen Hochschulangehörige in den Genuss von kostenfreien Fahrminuten.

Mitarbeitende und Studierende können ihre Ideen für eine nachhaltige Weiterentwicklung der FH Graubünden hier einbringen.

Christian Hauser, Vorsitzender Nachhaltigkeitskommission

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Im September 2023 haben sich Mitarbeitende, Lehrbeauftragte und Studierende der FH Graubünden mit den wichtigsten externen Anspruchsgruppen der Fachhochschule getroffen und gemeinsam die wesentlichsten Aspekte der Nachhaltigen Entwicklung an der FH Graubünden ausgearbeitet. Diese Initiative hatte zum Ziel, dass sich die Hochschulgemeinschaft mit dem Thema auseinandersetzt und die Verpflichtung zur Nachhaltigen Entwicklung mitträgt. Da unausweichliche Zielkonflikte bestehen und die FH Graubünden zudem nicht allen Anforderungen gerecht werden kann, wurden die Anforderungen in einem partizipativen Prozess von den Hochschulangehörigen priorisiert. Die als wesentlich definierten Anforderungen wurden in die «Deklaration zur Nachhaltigen Entwicklung» der FH Graubünden aufgenommen. Sie ist in allen Kantonssprachen sowie auf Englisch in sämtlichen Gebäuden sichtbar publiziert und bildet die Grundlage der Nachhaltigen Entwicklung der FH Graubünden für die nächsten Jahre. In der Deklaration bekennen sich die Mitarbeitenden dazu, die Nachhaltige Entwicklung voranzubringen, indem sie:

  • den Studierenden Nachhaltigkeitskompetenzen vermitteln und sie befähigen, einen Beitrag für die Nachhaltige Entwicklung zu leisten;
  • studiengangübergreifende transdisziplinäre Angebote zur Nachhaltigen Entwicklung ermöglichen;
  • das studentische Engagement zur Nachhaltigen Entwicklung unterstützen;
  • transdisziplinäre und transformative Projekte in Zusammenarbeit mit Praxisakteuren zur Förderung der regionalen Nachhaltigen Entwicklung stärken;
  • eine Nachhaltigkeitsbeurteilung für alle Forschungsprojekte schaffen;
  • die Fachhochschule in ihrer Vorbildfunktion konsequent nachhaltig ausrichten und regelmässig faktenbasierte Daten erheben und Verbesserungen anstreben.

Verankerung im Studium und darüber hinaus

In den bestehenden Studiengängen ist das Prinzip der Nachhaltigkeit integriert und wird durch spezifische Module und Studienangebote ergänzt, die sich gezielt mit dem Thema beschäftigen. Zudem ist die FH Graubünden seit 2009 Mitglied der Initiative «Principles for Responsible Management Education (PRME)» der Vereinten Nationen. Diese Initiative umfasst sieben Prinzipien, die eine gesellschaftlich und ökologisch verantwortungsvolle Ausbildung von zukünftigen Fach- und Führungskräften sicherstellen sollen. Die FH Graubünden engagiert sich weiterhin bei PRME und ist auch Mitglied der PRME Champions Group.
 

Die Studierenden unterstützt die FH Graubünden mit finanziellen Mitteln und Ressourcen, damit sie sich über die curricularen Verpflichtungen hinaus engagieren können. So ermöglicht die FH Graubünden in der Nachhaltigkeitswoche in Chur, dass Freiwillige des Student HUBs und der FH Graubünden verschiedene Events zu nachhaltigen Themen organisieren und durchführen können. Diese Events reichen von Bildungsveranstaltun-gen über handwerkliche Workshops bis hin zu sportlichen Anlässen, die den Studieren-den, den Mitarbeitenden und teilweise auch der Churer Bevölkerung offenstehen.

In der Forschung arbeitet die FH Graubünden eng mit den Regionen, den Reallaboren, verschiedenen NGOs und der Zivilgesellschaft zusammen. Über die Projekte trägt die Hochschule die Nachhaltige Entwicklung an die Partner heran und zeigt die Notwendigkeit und die Vorteile einer Transformation auf. 

Um den internen Diskurs der Nachhaltigen Entwicklung an der FH Graubünden weiter zu fördern, wurde eine Kommunikationskampagne in Form einer Postkartenaktion lanciert. Die Aussagen auf den Karten sollen zum Nachdenken über die Nachhaltige Entwicklung in unseren Fachrichtungen anregen. Ein Beispiel hierfür ist die Aussage «Datenberge wachsen schneller, als Gletscher schmelzen.» Wir müssen uns zukünftig unter anderem mit schmelzenden Gletschern und wachsenden Datenbergen sowie deren Auswirkungen auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft auseinandersetzen – als Gesellschaft und als FH Graubünden.

Beitrag von

Prof. Dr. Ulrike Zika, Departementsleiterin, Mitglied der Hochschulleitung