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Tourismus als Teil eines Lebensraumsystems

Zukunft des Tourismus entscheidet sich im Lebensraum der Bevölkerung

25. März 2026

Die Herausforderungen für den Tourismus in Graubünden sind gross: Fachkräftemangel, knapper Wohnraum und steigende Belastungen der Infrastruktur setzen die Branche zunehmend unter Druck. Eine neue Grundlagenstudie der Fachhochschule Graubünden im Auftrag des Amts für Wirtschaft und Tourismus Graubünden zeigt, dass ein Umdenken erforderlich ist. Tourismus darf nicht länger isoliert als Branche betrachtet werden, sondern als Teil eines umfassenden Lebensraumsystems.

Tourismusentwicklung kann nur erfolgreich sein, wenn sie stärker mit Fragen der Regionalentwicklung verknüpft wird. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des Instituts für Tourismus und Freizeit der FH Graubünden. Sie analysiert erstmals systematisch, wie Tourismus, Gesellschaft, Wirtschaft, Umwelt und Infrastruktur im Kanton Graubünden miteinander verflochten sind. Im Zentrum steht der sogenannte «360°-Tourismus». Dieser beschreibt einen ganzheitlichen Ansatz, der Tourismus als dynamisches, vernetztes System aller Beteiligten versteht und Gästeerlebnis, Lebensqualität sowie nachhaltige Regionalentwicklung miteinander verbindet. «Tourismus betrifft weit mehr als Gäste und Betriebe. Er beeinflusst Wohnraum, Arbeitsmarkt, Infrastruktur und die Lebensqualität der Bevölkerung. Diese Zusammenhänge müssen künftig stärker gemeinsam gedacht werden», sagt Co-Projektleiterin Bianca Schenk. Zwar existierten in Graubünden bereits zahlreiche innovative Initiativen, diese seien jedoch häufig fragmentiert und zu wenig miteinander vernetzt.

Die Forschenden empfehlen deshalb einen Perspektivenwechsel: Weg vom Branchenfokus hin zu einem systemischen Verständnis des Tourismus. «Graubünden verfügt über eine sehr gute Ausgangslage, um Tourismus künftig als integriertes Tourismussystem zu steuern, also als Zusammenspiel von Wirtschaft, Gesellschaft, Natur und Infrastruktur», sagt Co-Projektleiter Dominik Knaus. Konkret wurden fünf zentrale Handlungsfelder identifiziert:

  • Gesellschaft
  • Wirtschaft und Arbeit
  • Raum & Infrastruktur
  • Umwelt & Erlebnisraum
  • Governance

Diese Handlungsfelder zeigen, dass Tourismus zunehmend als Teil eines komplexen regionalen Systems verstanden werden muss.

Vorreiterrolle für den Kanton Graubünden
Die Ergebnisse der Studie liefern eine wichtige Grundlage für die weitere Umsetzung der Tourismusstrategie Graubündens. Mit den Ergebnissen der Studie soll darauf abgezielt werden, dass wirtschaftliche Wertschöpfung, Lebensqualität der Bevölkerung und der Schutz von Natur- und Lebensräumen noch stärker miteinander in Verbindung gebracht werden. Damit soll der Kanton Graubünden eine Vorreiterrolle in der Weiterentwicklung eines ganzheitlichen und nachhaltigen Tourismusmodells einnehmen.

Praxisorientierte Forschung
Durch angewandte Forschung und praxisnahe Entwicklungsprojekte leistet das Institut für Tourismus und Freizeit der FH Graubünden einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Tourismus. Insbesondere werden die Transformationsprozesse des Schweizer und Bündner Tourismus in den fünf Themenfeldern Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeit, Raum & Infrastruktur, Umwelt & Erlebnisraum sowie Governance in den drei Forschungsfeldern «Digitale Transformation im Tourismus», «Tourismus- und Freizeitinfrastrukturen» sowie «Touristische Lebensräume» aktiv bearbeitet, um Veränderungen zu verstehen, zu begleiten und zu gestalten.

Weitere Details

Weiterführende Veranstaltungen

Die Ergebnisse der Studie werden im Rahmen zweier Veranstaltungen vertieft und gemeinsam mit Fachpersonen diskutiert. Ein Webinar bietet einen kompakten Einblick in die zentralen Erkenntnisse und Implikationen, während das 2. ITF-Barcamp Raum für offenen Austausch, Diskussion und die gemeinsame Weiterentwicklung von Ideen schafft.

Weitere Auskünfte

Institutsleiter
Prof. Dominik Knaus
Wissenschaftliche Projektleiterin
Bianca Schenk

Fachhochschule Graubünden

Als Hochschule setzt die FH Graubünden auf dynamisches Denken und proaktives Handeln. Mit diesem Mindset prägt sie die Zukunft. Die Studienangebote orientieren sich an praktischen Herausforderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Ihre über 2400 Studierenden in Aus- und Weiterbildung entwickelt sie zu verantwortungsvollen Persönlichkeiten. Die Hochschule bietet Angebote in den Bereichen «Architektur und Bauingenieurwesen», «Medien, Technik und IT» sowie «Wirtschaft, Dienstleistung und Informationswissenschaft» an. In ihrer inter- und transdisziplinären Forschung fokussiert sie auf die Themen angewandte Zukunftstechnologien, Entwicklung im alpinen Raum und unternehmerisches Handeln. Mit ihren Tätigkeiten trägt die FH Graubünden zum Erfolg und zur Wettbewerbsfähigkeit von Individuen, Institutionen und Regionen bei. Hierfür ist sie in der Region verankert, in der Schweiz von Bedeutung und strahlt international aus. fhgr.ch