Projekt auf einen Blick
Unter der Leitung von Prof. Dr. Jörg Osterrieder, zusammen mit Lennart Baals und Illia Kosterin, startete am 1. Januar 2026 das internationale Forschungsprojekt «AI for Digital Finance — Swiss-MENA Research Network» (Grant CCG-2025-05) an der Fachhochschule Graubünden. Das Projekt vereint die FH Graubünden und AUS in einem vom SERI-Programm «Leading House MENA» (administriert durch HES-SO) finanzierten 19-monatigen Forschungsverbund (Januar 2026 – Juli 2027).
Künstliche Intelligenz verändert die Finanzbranche grundlegend, von der Art und Weise, wie wir Risiken bewerten und Kapital allokieren, bis hin dazu, wie wir Transparenz und regulatorische Compliance sicherstellen. Doch das Tempo des Wandels übersteigt oft unser Verständnis seiner Auswirkungen. Dieser Forschungsprojekt soll diese Lücke schliessen, indem er führende Forschende und Praktiker zusammenbringt, um Erkenntnisse auszutauschen, Annahmen zu hinterfragen und neue Kooperationen zu fördern. Das Forschungsnetzwerk «AI for Digital Finance» vereint die Forschenden , um Anwendungen der Künstlichen Intelligenz in den Finanzmärkten weiterzuentwickeln.
Der Schweizer Finanzsektor, der rund 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet, befindet sich im tiefgreifenden Wandel: Die Hälfte der Schweizer Finanzinstitute setzt bereits Künstliche Intelligenz ein, 91 Prozent davon nutzen generative KI-Anwendungen. Weltweit haben 85 Prozent aller Finanzunternehmen KI in ihre Kernprozesse integriert; Institute wie die UBS betreiben über 300 aktive KI-Projekte. Die FINMA erliess im Dezember 2024 erstmals formelle KI-Governance-Leitlinien, ein klares Signal, dass regulatorische Rahmenbedingungen und wissenschaftliche Grundlagen Hand in Hand entwickelt werden müssen.
Vor diesem Hintergrund bietet das Swiss-MENA Research Network, getragen von einer zehnjährigen Forschungskooperation mit sechs gemeinsamen Publikationen und über 4600 kombinierten Zitierungen, Schweizer Finanzinstituten einzigartige Möglichkeiten, KI-basierte Lösungen frühzeitig mitzugestalten und die regulatorischen Standards der Zukunft aktiv zu prägen. Die Verbindung zu den dynamisch wachsenden Finanzmärkten des MENA-Raums schafft dabei zusätzliche Perspektiven für internationalen Wissenstransfer und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit.
Projekt
AI for Digital Finance — Swiss-MENA ForschungsnetzwerkLead
Schweizerisches Institut für Informationswissenschaft (SII) Mehr über Schweizerisches Institut für Informationswissenschaft (SII)Projektleitung
Osterrieder Jörg Mehr über Osterrieder JörgBeteiligte
American University of Sharjah (UAE)Team
Baals Lennart John Mehr über Baals Lennart JohnForschungsfelder
Data Analytics Mehr über Data Analytics AI for structured and unstructured data Mehr über AI for structured and unstructured data Digitale Strategien und KI für Unternehmen Mehr über Digitale Strategien und KI für Unternehmen Evaluation der Datennutzung Mehr über Evaluation der DatennutzungAuftrag/Finanzierung
SERI (Swiss State Secretariat for Education, Research and Innovation); Leading House MENA-Programm (HES-SO); Grant CCG-2025-05Dauer
Januar 2026 – Juli 2027
Ausgangslage
Die Digitalisierung des Finanzsektors und der rasant zunehmende Einsatz Künstlicher Intelligenz prägen die globale Finanzbranche nachhaltig. Seit 2010 stieg die Zahl wissenschaftlicher Publikationen zu KI im Finanzwesen von nahezu null auf über 130 Veröffentlichungen pro Jahr bis 2024, ein Wachstum, das die gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz dieses Forschungsfeldes eindrücklich belegt. KI wird heute bereits in der Echtzeit-Betrugserkennung, bei automatisierten Kreditentscheidungen, im algorithmischen Portfoliomanagement und in der regulatorischen Compliance eingesetzt; Robo-Advisory-Plattformen verwalten inzwischen weltweit über 2,76 Billionen US-Dollar.
Insbesondere der MENA-Raum (Naher Osten und Nordafrika) entwickelt sich zu einem dynamischen Finanzzentrum mit wachsender Nachfrage nach KI-gestützten Lösungen. Die Golfstaaten investieren massiv in die Diversifizierung ihrer Volkswirtschaften und positionieren sich als globale Fintech-Hubs. Die American University of Sharjah (VAE) fungiert dabei als zentraler Forschungsknoten, der akademische Exzellenz und praxisnahe Finanzforschung vereint, und als strategischer Partner der FH Graubünden für diese Wachstumsregion.
Trotz des rasanten Wachstums der KI-Adoption im Finanzwesen bestehen erhebliche Forschungslücken: Wie können KI-Systeme transparent, robust und regulatorisch konform gestaltet werden? Wie lassen sich 1,4 Milliarden Menschen weltweit ohne traditionellen Bankzugang durch KI-basierte Kreditscoring-Methoden einbeziehen? Und wie können Finanzsysteme gegen neuartige Bedrohungen durch Blockchain-Kriminalität und extreme Marktereignisse gesichert werden? Die FINMA reagierte im Dezember 2024 mit formellen KI-Governance-Leitlinien auf den wachsenden Regulierungsbedarf, doch eine solide wissenschaftliche Grundlage für evidenzbasierte Regulierung muss parallel aufgebaut werden.
Das Projekt baut auf einer gefestigten wissenschaftlichen Basis auf: Die beteiligten Forschenden der FH Graubünden und der American University of Sharjah verbindet eine rund zehnjährige Kooperationsgeschichte mit sechs gemeinsamen Publikationen und über 4.600 kombinierten Zitierungen. Prof. Dr. Jörg Osterrieder leitete zudem die COST Action CA19130 — ein paneuropäisches Netzwerk mit 303 Forschenden aus 51 Ländern (2020–2024) —, das die institutionelle und thematische Grundlage für das vorliegende Projekt gelegt hat. Das Projekt wird durch das SERI-Programm «Leading House MENA» (administriert durch HES-SO, Grant CCG-2025-05) finanziert.
Projektziel
Übergeordnetes Ziel des Projekts ist die Stärkung der Forschungskooperation zwischen Schweizer und MENA-Institutionen im Bereich KI-basierter Finanzanwendungen, mit dem Anspruch, wissenschaftlich exzellente Ergebnisse zu produzieren, Nachwuchsforschende auszubilden und praxisrelevante Erkenntnisse für die Schweizer und internationale Finanzbranche bereitzustellen. Die Forschungsarbeit gliedert sich in sechs thematische Schwerpunkte:
- KI-gestützte Betrugserkennung und Blockchain-Sicherheit: Entwicklung fortgeschrittener KI-Methoden zur Echtzeiterkennung verdächtiger Transaktionen in Blockchain-Netzwerken und im traditionellen Bankensystem, aufbauend auf den Vorarbeiten des Teams zur Anomalie-Erkennung in Kryptowährungsnetzwerken (Chan, Zhang und Osterrieder, 2023/2024).
- Risikomanagement und Extremereignismodellierung: Verbesserung mathematischer Modelle für die Analyse von Tail-Risks und systemischen Schocks, mit direkter Anwendbarkeit für die Risikokontrolle Schweizer und internationaler Finanzinstitute sowie für die Anforderungen der FINMA-Aufsichtspraxis.
- Finanzielle Inklusion durch alternatives Kreditscoring: Entwicklung KI-basierter Kreditwürdigkeitsprüfungen anhand alternativer Datensätze, um den weltweit 1,4 Milliarden Menschen ohne traditionellen Bankzugang Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen. Studien zeigen, dass solche KI-Modelle bis zu 25 Prozent mehr Kredite bei vergleichbarem Risiko genehmigen können.
- Large Language Models (LLMs) für die Finanzanalyse: Untersuchung des Einsatzes generativer KI-Sprachmodelle (z.B. BloombergGPT) für die automatisierte Analyse von Finanzberichten, regulatorischen Dokumenten und Marktdaten, mit besonderem Fokus auf Interpretierbarkeit und regulatorische Konformität gemäss FINMA-Leitlinien.
- Kryptowährungs- und DeFi-Analytik: Empirische Analyse der Ökonomie dezentraler Finanzsysteme (DeFi), Non-Fungible Tokens (NFTs) und Kryptowährungsmärkte mittels statistischer Modelle und maschineller Lernmethoden, Weiterführung der gemeinsamen Forschungslinie, die 2017 mit den ersten Kryptowährungs-Studien begann.
- Erklärbare KI (XAI) für regulatorische Compliance: Entwicklung interpretierbarer KI-Systeme, die den Anforderungen von FINMA, EBA und internationalen Regulatoren an Transparenz und Nachvollziehbarkeit genügen, mit direkter Relevanz für die praktische Umsetzung der FINMA-KI-Governance-Leitlinien (Dezember 2024).
Als wissenschaftlicher Höhepunkt findet Anfang Februar 2027 die internationale Konferenz «AI for Digital Finance 2027» an der American University of Sharjah (VAE) mit 80–100 Teilnehmenden aus Wissenschaft, Finanzindustrie und Regulierungsbehörden statt. Das Projekt strebt die Produktion von mindestens sechs weiteren gemeinsamen Publikationen in begutachteten Fachzeitschriften an und zielt auf die Schaffung eines nachhaltigen internationalen Forschungsnetzwerks als Basis für Folgeprojekte.
Zwischenstand
Das Projekt befindet sich aktuell in Phase 1 (Grundlagen, Januar – Juni 2026). Seit dem offiziellen Projektstart am 1. Januar 2026 wurden die zentralen Grundlagen für die internationale Zusammenarbeit gelegt: Das Forschungsnetzwerk wurde konstituiert und die gemeinsame Forschungsagenda abgestimmt. Erste Koordinationstreffen zwischen den FH Graubünden - und AUS-Teams haben stattgefunden; die Forschenden arbeiten aktiv an gemeinsamen Manuskripten, die auf den sechs bestehenden Co-Publikationen (2017–2024) aufbauen.
Phase 2 – Kernaktivität (Juli 2026 – Februar 2027): Geplant sind thematische Forschungsseminare und Arbeitsgruppensitzungen sowie die internationale Konferenz «AI for Digital Finance 2027» Anfang Februar 2027 an der American University of Sharjah (VAE) mit 80–100 erwarteten Teilnehmenden.
Phase 3 – Synthese (März – Juli 2027): Veröffentlichung der Forschungsergebnisse in begutachteten Fachzeitschriften, Abschlussbericht an SERI/HES-SO sowie Planung der Netzwerkkontinuität für Folgeanträge; Projektende: 31. Juli 2027.
Umsetzung
Die Projektumsetzung folgt einem dreistufigen Ansatz aus Netzwerkaufbau, aktivem Forschungsaustausch und Ergebniskonsolidierung, koordiniert von der Fachhochschule Graubünden als Lead-Institution in enger Abstimmung mit der American University of Sharjah als Hauptpartner.
Netzwerkstruktur und Arbeitsgruppen: Das Forschungsnetzwerk ist in sechs thematische Arbeitsgruppen gegliedert, die den sechs Forschungsschwerpunkten entsprechen. Jede Gruppe bündelt Kompetenzen und wird von erfahrenen Forschenden der FH Graubünden und der AUS koordiniert.
Wissensaustausch und Mobilität: Im Projektverlauf sind ein gegenseitiger Forschungsaufenthalt und regelmässige virtuelle Kollaborationssitzungen zwischen den Schweizer und MENA-Partnern vorgesehen. Besonderes Gewicht liegt auf dem Transfer methodischer Kompetenzen, insbesondere in den Bereichen statistische Modellierung extremer Finanzereignisse, Blockchain-Analytik und Erklärbare KI, sowie auf der gemeinsamen Betreuung und Ausbildung von Nachwuchsforschenden Konferenz als zentrales Vernetzungsereignis: Die internationale Konferenz «AI for Digital Finance 2027» (Anfang Februar 2027, American University of Sharjah, VAE) bildet den Höhepunkt der Kernaktivitätsphase. Mit 80–100 erwarteten Teilnehmenden aus Wissenschaft, Finanzindustrie und Regulierungsbehörden dient sie der Präsentation von Forschungsergebnissen, der Peer-Begutachtung von Beiträgen und der Anbahnung weiterer Kooperationen: Vollständige Konferenzinformationen
Publikationsstrategie: Die Forschungsergebnisse werden in internationalen begutachteten Fachzeitschriften veröffentlicht. Die Zusammenarbeit orientiert sich an der bewährten Co-Publikationspraxis des Teams.
Resultate
Die angestrebten Projektergebnisse, zu erzielen bis 31. Juli 2027, umfassen wissenschaftliche, strukturelle und praxisrelevante Leistungen:
Wissenschaftliche Publikationen: Mindestens sechs neue gemeinsame Fachbeiträge in internationalen begutachteten Zeitschriften zu den sechs Forschungsschwerpunkten (Betrugserkennung, Risikomanagement, finanzielle Inklusion, LLMs, DeFi-Analytik, Erklärbare KI).
Internationale Konferenz: Durchführung der Konferenz «AI for Digital Finance 2027» (Anfang Februar 2027, American University of Sharjah, VAE) mit 80–100 Teilnehmenden aus Wissenschaft, Finanzindustrie und Regulierung, als Plattform für Ergebnispräsentation, internationales Networking und die Anbahnung weiterer Forschungskooperationen.
Praxisrelevanz und Politikberatung: Forschungsergebnisse, insbesondere zu Erklärbare KI (XAI) und Regulatory Technology (RegTech), dienen als Grundlage für den Branchendialog mit Schweizer Finanzinstituten und der FINMA, im direkten Kontext der FINMA-KI-Governance-Leitlinien (Dezember 2024).
Nachhaltigkeit: Entwicklung eines Konzepts zur langfristigen Weiterführung der Kooperation über die Projektlaufzeit hinaus, mit dem Ziel, das Swiss-MENA Research Network als dauerhaften institutionellen Rahmen für internationale KI-Finanzforschung zu etablieren.
Team
Zusätzlich zu den Mitarbeitenden der FH Graubünden sind noch folgende Personen im Projekt involviert:
- Illia Kosterin, (Student an der FH Graubünden)
- Dr. Stephen Chan (Co-PI) (American University of Sharjah)
- Dr. Yuanyuan Zhang (Co-PI) (American University of Sharjah)
- Prof. Dr. Hana Sulieman (Co-PI) (American University of Sharjah)
- Nerissa Ramos (American University of Sharjah)
- Saadia Khouyibaba (American University of Sharjah)
Weiterführende Information
Downloads
- Projektbooklet (PDF): Kompakte Übersicht über das Forschungsprojekt, die sechs Themenschwerpunkte, das Team und die Konferenz 2027.
Publikationen
- Enhancing Security in Blockchain Networks: Anomalies, Frauds, and Advanced Detection Techniques, Joerg Osterrieder, Stephen Chan, Jeffrey Chu, Yuanyuan Zhang, Branka Hadji Misheva, Codruta Mare
- Metaverse non fungible tokens, Joerg Osterrieder, Stephen Chan, Jeffrey Chu, Yuanyuan Zhang
Forschungsfelder
Verwandte Projekte
Beteiligte
Das Projekt wird vom Institut für Schweizerisches Institut für Informationswissenschaft (SII) in Zusammenarbeit mit der American University of Sharjah (AUS), Sharjah umgesetzt.

