Wissensplatz «Proof of Brain Gain» - University of Applied Sciences of the Grisons

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«Proof of Brain Gain»
«Proof of Brain Gain» oder «Wo arbeiten eigentlich unsere Photonics-Absolvierenden?»

«Proof of Brain Gain» oder «Wo arbeiten eigentlich unsere Photonics-Absolvierenden?»

Landquart, Forum Ried, 22. September 2022: Die Photonics-Absolvierenden der Fachhochschule Graubünden erhalten vom Rektor und ihrem Studienleiter Tobias Leutenegger ihre wohlverdienten Bachelordiplome. Stolz halten eine Photonics-Ingenieurin und neun Photonics-Ingenieure die Urkunden in ihren Händen. Hurra, geschafft! Studium erfolgreich abgeschlossen – und jetzt?

Text: Tobias Leutenegger / Bilder und Grafiken: FH Graubünden

Chur, Fachhochschule Graubünden, 12. September 2019: Das Unterrichtszimmer A2.01 füllt sich langsam mit Jugendlichen aus der ganzen Schweiz. Am Einführungstag zum 4. Jahrgang des Bachelorstudiums Photonics spürt man eine Mischung aus Spannung, Vorfreude und Unsicherheit. Der Start eines Studiums ist der Beginn eines neuen, intensiven Lebensabschnitts. Die Studierenden kommen aus der ganzen Schweiz, viele sind von zu Hause ausgezogen. Nebst dem Einstieg in eine meist neue Fachwelt ändert sich mit dem geografischen Umzug auch das soziale Umfeld in erheblichem Ausmass.

Geschafft, das Diplom in den Händen: Diplomfeier Bachelorstudium Photonics am 22. September 2022 in Landquart

Photonik ist die Lehre des Lichts. Im schweizweit einzigartigen Bachelorstudium Photonics an der FH Graubünden liegt der Schwerpunkt auf der Optoelektronik und der Bildverarbeitung. Vielen ist das weltweit wachsende Gebiet noch unbekannt, obwohl wir den ganzen Tag von Photonics-Technologien umgeben sind. Photonics ist ein typischer Nischenstudiengang und soll Studierende aus der ganzen Schweiz ansprechen. Auf den ersten Blick wirkt der Standort Chur für viele Interessenten wohl dezentral, aber aus Photonics-Sicht sind wir genau an der richtigen Stelle. Das Rheintal wird auch «Photonics-Valley» genannt und von Bonaduz bis zum Bodensee haben zahlreiche weltweit tätige Unternehmen aus der Photonics-Branche ihren Firmensitz. Viele dieser Betriebe gehören zum Partnernetzwerk des Bachelorstudiums Photonics. Dieses Netzwerk wächst kontinuierlich und umfasst aktuell 53 Firmen. Diese Partnerfirmen unterstützen die FH Graubünden bei Exkursionen, Lehrveranstaltungen, Teilzeitstellen, Praktikumsplätzen und Bachelorarbeiten. Im Gegenzug erhoffen sie sich, dass die Absolvierenden bei ihnen in die Arbeitswelt einsteigen. Wenn Absolvierende ursprünglich nicht aus der Region stammen und nach dem Studium in einem hier ansässigen Unternehmen einen Job annehmen, spricht man von «Brain Gain». Das hört sich nach einem guten Modell an – aber funktioniert es auch?

22 Prozent regionaler «Brain Gain»

Um diese Frage zu beantworten, haben wir die ersten vier Photonics-Jahrgänge analysiert. Als «Region» werden in diesem Kontext der Kanton Graubünden, der Kanton St. Gallen und das Fürstentum Liechtenstein bezeichnet.

Herkunft der Photonics-Absolvierenden an der FH Graubünden

In einem ersten Schritt wurden die Herkunft (der Wohnkanton) der Studierenden bei Studienantritt und der Ort (Firmensitz) ihres ersten Arbeitgebenden nach Studienabschluss ausgewertet. Daraus resultierte direkt, wie viele Photonics-Absolvierende aus Sicht der Region als «Brain Gain» bezeichnet werden können. Von den insgesamt 39 Absolvierenden stammen 14 (36 Prozent) aus der oben definierten Region. Grenzt man diese Region auf den Kanton Graubünden ein, sind es 9 Studierende oder 23 Prozent. 32 Absolvierende sind nach dem Studium direkt ins Berufsleben eingestiegen, 2 haben nahtlos ein Masterstudium angehängt, 5 haben eine Reise angetreten oder ihr aktueller Wohn- und Arbeitsort ist uns derzeit nicht bekannt. Die direkte Job-Einstiegsquote liegt somit bei beachtlichen 82 Prozent. Die Arbeitgebenden der 32 Photonics-Ingenieurinnen und -Ingenieure befinden sich zu 59 Prozent (19 Personen) in der Region. Teilt man die Region weiter auf, dann arbeiten 13 Personen (41 Prozent) im Kanton Graubünden.

Zur Analyse des «Brain Gain» müssen die Herkunftsorte der in der Region arbeitenden Absolvierenden ausgewertet werden. Als Resultat erhält man einen Zuwachs von 7 Absolvierenden für die ganze Region bzw. 4 Absolvierenden für den Kanton Graubünden. Der regionale «Brain Gain» beträgt also insgesamt 7 Photonics-Fachkräfte (bzw. 22 Prozent aller berufstätigen Absolvierenden).Zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass es keinen «Brain Drain» gibt – alle aus der Region stammenden Studierenden arbeiten auch heute in einem regionalen Unternehmen.

Arbeitsort/Unternehmen der Photonics-Absolvierenden der FH Graubünden

Kampf um Fachkräfte beginnt schon während des Studiums

In einem weiteren Schritt wurden die Bachelorarbeiten untersucht. Die Themen für die Abschlussarbeiten müssen aus der Industrie kommen und einen Bezug zu Photonics haben. Die Partnerfirmen haben jeweils bis Ende November Zeit, ihre Aufgabenstellungen einzureichen. Die Studierenden wählen dann bis Anfang Januar ihr Wunschthema aus. Von den insgesamt 39 Bachelorarbeiten wurden 32 (82 Prozent) in Kooperation mit einem Partnerunternehmen durchgeführt. 22 Arbeiten (56 Prozent) wurden bei regionalen Unternehmen durchgeführt. Die Analyse zeigt, dass 39 Prozent (15 Personen) der Absolvierenden nach Abschluss der Bachelorarbeit direkt als Ingenieurin oder Ingenieur für die betreffende Firma tätig geworden sind. Die Zahl der eingereichten Aufgabenstellungen seitens der Partnerfirmen ist jeweils bedeutend grösser als die Zahl der Photonics-Studierenden. Deshalb sind die Unternehmen bestrebt, möglichst attraktive Bachelorthemen einzureichen. Der Kampf um die Fachkräfte beginnt also bereits vor dem Abschluss des Studiums und eine vielversprechende Arbeitswelt wartet auf weitere Photonics-Absolvierende.

Die Partnerfirmen unterstützen uns mit spannenden Bachelorarbeiten und attraktiven Arbeitsplätzen für unsere Absolvierenden. Wir stellen sicher, dass genügend gut ausgebildete Ingenieurinnen und Ingenieure der Fachhochschule Graubünden bereit für eine leuchtende Zukunft sind.

Photonics- und Mobile-Robotics-Studierende an der FH Graubünden