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Die Crux mit dem Stickstoff

27. März 2020

Stickstoff ist ein lebensnotwendiger Baustein für Pflanzen, Tiere und Menschen. In der Natur ist er im Überfluss vorhanden und trotzdem knapp. In der Kolumne des Büdner Bauers (Ausgabe 13/2020) reflektiert Werner Hediger die Vergangenheit und die mögliche Zukunft von Stickstoffdünger in der Landwirtschaft.

Kolumne des Bünder Bauer (13/2020) / Text: Werner Hediger / Bild: Pascvii/Pixabay

Stickstoff ist ein lebensnotwendiger Baustein für Pflanzen, Tiere und Menschen. In der Natur ist er im Überfluss vorhanden und trotzdem knapp: 78 % der Luft, die wir einatmen, besteht aus elementarem Stickstoff. In pflanzenverfügbarer Form war er aber bis zur industriellen Revolution knapp. Einzig durch die Symbiose von Mikroorganismen und Leguminosen konnte atmosphärischer Stickstoff in beschränktem Masse genutzt werden. Es bestand ein weitgehend geschlossener Kreislauf zwischen Boden, Pflanzen und Tieren, in dem die verschiedenen chemischen Verbindungen umweltfreundlich rezykliert wurden. Die Natur war im Gleichgewicht.

Dies änderte sich mit der industriellen Herstellung von Kunstdüngern und der Verbrennung von fossilen Energieträgern. Es entstand einerseits ein Überschuss an Stickstoffverbindungen mit schädlichen Einträgen in die Umwelt. Die grössere verfügbare Stickstoffmenge erlaubte andererseits auch Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft und die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung. So entstand ein Ungleichgewicht mit negativen Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit.

Aus diesem Grund lancierte der Bund 1994 seine Strategie zur schrittweisen Bewältigung der durch die Freisetzung schädlicher Stickstoff-Verbindungen bedingten Umweltprobleme. Dies gelang recht gut bei den durch die Verbrennung fossiler Energieträger verursachten Luftschadstoffen. Der Katalysator ist wohl das bekannteste Beispiel einer wirksamen technischen Massnahme in diesem Bereich. Schwieriger erweist es sich, den Stickstoffhaushalt der Landwirtschaft auf ein umweltverträgliches Niveau zu bringen. Das ursprüngliche Ziel, die umweltrelevanten Stickstoffverluste aus der Landwirtschaft kurzfristig um 25 % zu reduzieren, erwies sich als unrealistisch. Noch immer ist dieses Ziel nicht erreicht. Der Bund will nun verbindliche Absenkpfade im Landwirtschaftsgesetz verankern. Wie realistisch diese sind, wird sich zeigen. Aber einige Gedanken sollten schon helfen, die Problematik zu verstehen.

Der Bund hat erkannt, dass die verbleibenden Stickstoffprobleme in der Tierhaltung und dem Pflanzenbau liegen. Solange kein Kunstdünger und keine Futtermittel von aussen zugeführt werden, stellen diese ein geschlossenes System dar: Die Nutztiere produzieren nicht nur Milch, Fleisch und Leder, sondern sind auch Teil eines integrierten Produktionssystems. Sie produzieren Dünger für den Pflanzenbau. Dieser kann zum Lebenselixier einer nachhaltigen Landwirtschaft werden, wenn es gelingt, den Stickstoffkreislauf wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dazu benötigt es technische und organisatorische Innovation: Hofdünger könnte bei entsprechender Aufbereitung die Grundlage liefern für einen biologischen Kunstdünger, der flexibel eingesetzt werden kann. Es könnte zudem ein neuer Markt entstehen.

Dieser Beitrag erschien zeitgleich als Kolumne im «Bündner Bauer».

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