News - FH Graubünden

Menu
News
Industrie und Dienstleister profitieren von Swissness

30. April 2021

Bei ihrer Einführung im Jahr 2017 war die Swissness-Gesetzgebung umstritten, da viele Firmen zusätzliche Kosten befürchteten. Eine Evaluationsstudie der FH Graubünden (SIFE und ZWF) in Kooperation mit BAK Economics kommt zum Schluss, dass sich die Revision gelohnt hat und empfiehlt dem Bund eine verstärkte Durchsetzung im Ausland.

Im Jahr 2017 trat das revidierte Marken- und Wappenschutzgesetz – die sogenannte Swissness-Gesetzgebung – in Kraft. Im Markenschutzgesetz wurden präzise Regeln über die geografische Herkunft von Waren und Dienstleistungen festgeschrieben, das heisst unter welchen Bedingungen die Bezeichnung «Schweiz» für Waren und Dienstleistungen verwendet werden darf. Das Wappenschutzgesetz regelt den Gebrauch des Schweizerkreuzes.  Vier Jahre später stellt sich daher die Frage: Hat sich der Aufwand für Unternehmen und aus gesamtwirtschaftlicher Sicht gelohnt?

Auftrag

Im Auftrag des Eidgenössischen Instituts für Geistiges Eigentum haben Ralph Lehmann (SIFE) und Andreas Nicklisch (ZWF) und Peter Moser (ZWF) unterstützt von Katrin Dinner (ZWF), Ann-Katrin Kienle (ZWF) und Eva Rohrer (SIFE) die Auswirkungen der neuen Swissness-Gesetzgebung für die Wirtschaftssektoren Industrie und Dienstleistungen analysiert. Die Evaluation zeigt den Nutzen und die Kosten der Swissness-Gesetzgebung aus unternehmerischer und gesamtwirtschaftlicher Perspektive auf.

Hohe Preisprämie im Inland

Für Produkte mit schweizerischen Herkunftsbezeichnungen können die Unternehmen deutliche Preisprämien abschöpfen, wie unsere Unternehmensbefragungen zeigen: Im Schweizer Markt beträgt die durchschnittliche Preisprämie 9,5 Prozent. Im ausländischen Markt gibt es grosse Unterschiede. So beträgt die Preisprämie in China 26,7 Prozent, in den USA 6,1 Prozent und in Deutschland 3,7 Prozent.  Der Umsatz erhöht sich mit Swissness innerhalb der Schweiz um 8,9 Prozent und um 6,3 Prozent im Ausland.

Die Ergebnisse der Nachfragebefragung in fünf Ländern zu 16 Produkten unterstützen die Resultate der Unternehmensbefragung. Für fast alle Produktekategorien ergibt sich eine positive Swissness-Prämie. Am höchsten ist sie mit 17,5 Prozent bei Uhren. Generell zeigt sich: Produkte, welche die Eigenschaften «Berge» und «Präzision» repräsentieren, erzielen überdurchschnittliche Swissness-Prämien.

Marke Schweiz gestärkt

Die neue Gesetzgebung trägt zum Wert der Marke Schweiz bei. So schätzen die befragten Unternehmen, dass die Preisprämie dank der neuen Gesetzgebung um etwa einen Viertel höher ist als sie ohne Gesetzgebung wäre. Nach einmaligen Umstellungskosten im Jahr 2017 generierten die Swissness-Gesetzgebung einen unternehmerischen Wert (Mehrumsatz abzüglich Mehrkosten) für alle Swissness-Branchen von 0,9 Milliarden Franken. Gesamtwirtschaftlich beziffert sich der Nettonutzen der neuen Swissness-Gesetzgebung auf 0,2 BIP-Prozentpunkte. Übertragen auf die Wirtschaftskraft und Preise im Jahr 2018 entspricht das einem gesamtwirtschaftlichen Netto-Nutzen von rund 1,4 Milliarden Franken oder 163 Franken pro Einwohner. Diese Ergebnisse stellen eine konservative Schätzung der positiven Auswirkungen der Swissness-Gesetzgebung dar.

Methodik

Methodisch basiert die Studie auf Fallstudien, Unternehmens- und Konsumentenbefragungen und Modellsimulationen. In einem ersten Schritt haben wir explorative Fallstudien durchgeführt. Dabei untersuchten wir, inwieweit sich die Durchsetzbarkeit der Swissness Regeln im In- und Ausland verändert hat, welche Auswirkungen die neue Swissness-Gesetzgebung auf Schweizer Unternehmen zeigt und welche Bedeutung Branchenverordnungen für die Umsetzung der neuen Swissness-Gesetzgebung zukommt. Zweitens haben wir in einer Onlineumfrage zwischen März und April 2019 insgesamt 72’928 Schweizer Unternehmen angeschrieben, wobei knapp 850 Unternehmen den Fragebogen ausgefüllt haben. Die Stichprobe ist weitgehend repräsentativ und verbleibende Verzerrungen wurden mittels multiplen Regressionsanalysen herausgerechnet. Drittens setzten wir auf eine anreizkompatible Nachfragebefragung, um die Zahlungsbereitschaft von Konsumenten und Konsumentinnen in verschiedenen Ländern für Produkte mit Swissness zu erfassen. Der Befragung lag ein quasi-interaktives Onlineexperiment einer Zweitpreislotterie zu Grunde, in der die Befragten mit ihrem tatsächlichen Geld Produkte erwerben und einen Anreiz haben, ihre wahre Zahlungsbereitschaft zu zeigen. Schliesslich wurden die Daten auf die Gesamtwirtschaft hochgerechnet und mittels modellbasierten Simulationsanalysen die volkswirtschaftlichen Effekte bestimmt.

Weitere Informationen & Publikationen

Alle Informationen zum Projekt finden sich in der Projektübersicht

Lehmann, R.Moser, P.Nicklisch, A.Emmenegger, M.Grass, M. (2021). Industrie und Dienstleister profitieren. In: Die Volkswirtschaft 94 (4), S. 8-11.

Lehmann, R.Moser, P.Nicklisch, A.Emmenegger, M.Grass, M. (2021). Evaluation der «Swissness»-Gesetzgebung. Bericht zuhanden des Eidgenössischen Instituts für Geistiges Eigentum. Chur, 13.08.2020.