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Kultur

28. August 2020

Kultur ist eine der herausragendsten Eigenschaften menschlicher Zivilisation, verstanden als die Gesamtheit von deren Errungenschaften. Kultur ist nicht eine Sache, sondern eine Fähigkeit, die angesichts aktueller, globaler Herausforderungen an Wichtigkeit gewinnt. In der Kolumne des Büdner Bauers (Ausgabe 35/2020) setzt sich Werner Hediger mit der Entstehung und Bedeutung des Kultur-Begriffs auseinander.

Kolumne des Bünder Bauer (35/2020) / Text: Werner Hediger / Bild: Tom Fisk/Pexels

Kultur ist eine Errungenschaft der ganz besonderen Art. Sie umfasst mehr als rein künstlerische, geistige und gestalterische Leistungen, die oft einer Gemeinschaft oder Epoche zugeschrieben werden. Kultur ist mehr. Sie ist eine der herausragendsten Eigenschaften menschlicher Zivilisation, verstanden als die Gesamtheit von deren Errungenschaften. Kultur ist nicht eine Sache, sondern eine Fähigkeit, die angesichts aktueller, globaler Herausforderungen an Wichtigkeit gewinnt.

Der Begriff «Kultur» stammt vom lateinischen Wort «cultura» und bedeutet Bearbeitung, Pflege und Ackerbau. In ihrer ursprünglichen Bedeutung ist Kultur also eng mit der Landwirtschaft verbunden oder genauer mit der Nutzbarmachung von Böden, wodurch es möglich wurde, einen nachhaltigen Mehrwert bei der Nahrungsmittelproduktion zu erzielen. Langfristig erfordert dies eine angemessene Bearbeitung aller genutzten Ressourcen, das heisst von Natur, Tieren, Menschen, Maschinen und deren gegenseitigen Beziehungen. Die Fähigkeit, die Nutzung dieser Ressourcen miteinander in Einklang zu bringen, sie zu kultivieren, wird auch als kulturelles Kapital bezeichnet. Kultivierung heisst also Bearbeitung und Pflege von natürlichen Ressourcen, aber auch von gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Beziehungen. Diese sind umso wichtiger, als sie nicht nur den Umgang untereinander, sondern auch mit der Natur regeln.

Diese gesellschaftlichen Regelungen gehören zu den wichtigsten Errungenschaften unserer Zivilisation. Sie umfassen den Umgang mit Eigentum, welches nicht als Sache, sondern als soziales Konstrukt zu verstehen ist. Gesellschaften regeln über Normen und Gesetze die Rechte und Pflichten, welche mit Privat- und Gemeinschaftseigentum verbunden sind. Zu Letzterem zählen insbesondere die Nutzung und Pflege von Allmenden, welche in unserer Kultur tief verankert sind und die immer wieder als eine der grössten Erfolgsgeschichten unserer Zivilisation gepriesen werden.

Die Regelung von Allmenden kann auch als Lehrbeispiel für die Lösung gesellschaftlicher Probleme dienen. Dazu zählen aktuell der globale Klimawandel und die Corona-Pandemie. In beiden Fällen geht es um die Pflege von Gemeinschaftsgütern. Im ersten Fall geht es um die Nutzung und Pflege der grössten globalen Allmende, der Atmosphäre unseres Planeten, im zweiten darum, gemeinsam unsere Gesundheit und zugleich das Funktionieren von Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu gewährleisten. In beiden Fällen ist Kompromissbereitschaft gefordert. Dies ist nicht nur eine Frage von Wissen und Systemverständnis, sondern auch eines kultivierten Umgangs miteinander und mit der Umwelt. Kultur ist der Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung, welche auch den Wünschen und Möglichkeiten zukünftiger Generationen gerecht wird.

Dieser Beitrag erschien zeitgleich als Kolumne im «Bündner Bauer».

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