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«Landwirtschaft, Fleisch und Klimawandel»

Eine Frage des Preises

24. Mai 2022

Eine Kolumne aus dem Bündner Bauer (Nr. 19: S. 24–25) von Werner Hediger, Zentrum für wirtschaftspolitische Forschung FHGR

Die Landwirtschaft gehört zu den wichtigsten Verursacherinnen von Treibhausemissionen, wobei ein wesentlicher Teil der Nutztierhaltung zugeschrieben werden muss. Aus diesem Grund kommen immer wieder Ideen auf, wie die Einführung einer Fleischsteuer oder aktuell für einen schweizweiten Verzicht auf Fleisch aus landwirtschaftlicher Produktion. So soll in spätestens 30 Jahren nur noch Laborfleisch auf unseren Tellern landen. Als Begründung dafür sagte ein Sprecher des Gottlieb-Duttweiler-Instituts, dass die Fleischproduktion eine der grössten Umweltsünden sei, welche zudem stark subventioniert werde. Dies ist zwar ein Gedanke, der nicht ganz von der Hand zu weisen, aber bei Weitem nicht zu Ende gedacht ist. Stellen wir uns eine Land- und Ernährungswirtschaft vor, in der nur noch Laborfleisch aus industriellen Zellkulturen sowie pflanzliche Ersatzprodukte für Milch und Käse auf unseren Tellern landen. Die Folge wäre ein radikaler Umbau der Landwirtschaft mit Aufgabe der Nutztierhaltung und Futtermittelproduktion und einer vollständigen Spezialisierung auf Pflanzenprodukte für die menschliche Ernährung. Woher sollen aber die für das Pflanzenwachstum und letztlich die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung notwendigen Proteine und Aminosäuren kommen? Wie und in welcher Form sollen sie den landwirtschaftlichen Böden zugeführt werden? Mineraldünger bieten hierfür keine Lösung, denn ihr Beitrag an die globalen Treibhausgasemissionen ist noch grösser als derjenige aus der Verdauung von Wiederkäuern. Zudem ist die Produktion von Mineraldüngern alles andere als umweltfreundlich. Erstens sind für deren industrielle Herstellung grosse Energiemengen und Stickstoff aus der Atmosphäre erforderlich. Zweitens wird durch deren Einsatz in der Landwirtschaft ein Ungleichgewicht geschaffen, welches anerkannterweise zu den drängendsten Problemen unserer Zeit gehört. Die Alternative sind Nutztiere, denen in einem Kreislaufsystem, wie es die traditionelle Landwirtschaft während Jahrhunderten pflegte, nicht nur die Rolle als Milch- und Fleischproduzenten, sondern auch die Aufgabe der Düngerproduktion zukommt. Gerade auf nährstoffarmen Böden kommt dieser letztgenannten Funktion die primäre Bedeutung bei der Nutztierhaltung zu. Dies erfordert ein Umdenken, welches letztlich über die Preise für die landwirtschaftlichen Produkte und Nahrungsmittel gehen muss. Um bei den Konsumentinnen und Konsumenten aber die richtigen Anreize auszulösen, müssen alle positiven und negativen Effekte – die sogenannten Externalitäten – der Landwirtschaft in den Preisen berücksichtigt werden. Dazu gehören auch ein vielfältiges Landschaftsbild und der Anblick weidender Kühe, welche Touristen aus aller Herrenländer in den Alpen schätzen, genauso wie das Angebot lokaler Nahrungsmittel, für welche bei uns eine hohe Zahlungsbereitschaft besteht, während sie in Entwicklungsländern zu erschwinglichen Preisen produziert werden können, und die zum kulturellen Vermächtnis auf dem gesamten Globus zählen.

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