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Weniger CO2-Emissionen aufgrund Corona-Pandemie

Forschungsarbeit der FH Graubünden untersucht Auswirkungen auf Stromnachfrage

18. Mai 2020

Social Distancing, Kurzarbeit und die Schliessung aller öffentlichen Einrichtungen wirken sich nicht nur auf die Menschen, sondern auch auf den Stromverbrauch aus. Eine gemeinsame Untersuchung der Fachhochschule Graubünden und der Technischen Universität Kaiserslautern (D) zeigt, dass sich die Nachfrage nach Strom stark reduzierte, was zu einer Emissionsreduktion von rund 34 Prozent geführt hat. Vor allem in Ländern mit strengen Schutzmaßnahmen waren die Effekte deutlich ablesbar.

Die beiden Forscher Adhurim Haxhimusa, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für wirtschaftspolitische Forschung der FH Graubünden, und Mario Liebensteiner vom Lehrstuhl für Ressourcen- und Energieökonomie an der TU Kaiserslautern, erforschten in ihrer Arbeit den Zusammenhang zwischen Covid-19-Infektionen in europäischen Ländern, der Stromnachfrage und der damit verbundenen Reduktion der CO2-Emissionen. Das Resultat zeigt deutlich, dass sich die aktuelle Krise positiv auf das Klima auswirkt: So reduzierte sich die Nachfrage nach Strom in den untersuchten Ländern um rund 18,8 Prozent, was zu einer Reduktion der CO2-Emissionen von 34 Prozent führte.

Daten aus 16 europäischen Ländern
Seit Jahren bemüht sich die globale Klimapolitik darum, die Kohlenstoffemissionen deutlich zu reduzieren, um den Klimawandel zu verlangsamen. Dennoch steigt der CO2-Ausstoss fast kontinuierlich an, vor allem bedingt durch die Auswirkungen der Energiewirtschaft. In der Folge der aktuellen Corona-Pandemie änderte sich dieses Bild nun aber deutlich, wie die Untersuchung zeigt. Die verschiedenen Massnahmen führten weltweit zu einer deutlichen Verbesserung der Emissionswerte.

Die Analyse der beiden Forschenden basiert auf Daten aus 16 europäischen Ländern, die sie im Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2020 und dem 23. März 2020 erhoben haben. Anhand derer untersuchten sie die Entwicklung der Stromnachfrage im Zusammenhang mit dem Einfluss von Covid-19-Infektionen. Dabei zeigte sich, dass je nach getroffenen Infektionsschutzmassnahmen die Emissionseffekte ausgeprägter sind. In Italien oder Frankreich, wo sehr strenge Massnahmen wie etwa Ausgangssperren verhängt wurden, ging die Nachfrage nach Strom entsprechend stärker zurück.
«Meldungen aus den Tagesmedien über drastische Emissionsrückgänge in China, den USA und europäischen Ländern, von teilweise bis zu 50 Prozent, haben uns neugierig gemacht, wie sich dies mit dem Zuwachs der Infektionsraten in Zusammenhang bringen ließe», erklärt Adhurim Haxhimusa von der FH Graubünden.

Schweiz erreicht Klimaziele trotzdem nicht
Die Schweiz hat im Vergleich zu den meisten europäischen Ländern, etwa auch Deutschland, dank ihres Wasser- und Atomstroms einen geringeren CO2-Fussabdruck im Stromsektor. Daher hat die Schweiz seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie keine signifikante Emissionsreduktion aus der Stromproduktion erlebt. Die Industrie wurde jedoch gleichermassen schwer getroffen, wie jene in anderen Ländern. So gingen beispielsweise bei der SBB die Passagierzahlen in Spitzenzeiten bis zu 80 Prozent zurück, der Fahrplan wurde stark ausgedünnt. Homeoffice von zahlreichen Mitarbeitenden des Dienstleistungssektors, leere Autobahnen und Innenstädte sowie geparkte Flugzeuge führten in verschiedenen Wirtschaftssektoren zu CO2-Rückgängen.

«Dies bedeutet aber längst nicht, dass die Schweiz dadurch ihre Klimaziele für das Jahr 2020 erreichen wird», sagt Adhurim Haxhimusa. Es sei ja nicht die erfolgreiche Klimapolitik, die dazu geführt habe, dass man sich plötzlich klimafreundlich verhalte und nicht mehr fliege. Und auch die Industrien produziere nicht blitzartig klimaneutral. Gemäss Haxhimusa kann die Regierung aber aus dieser Situation viel lernen, «da sich ein grosses Umstellungspotenzial in vielen Facetten unseres Lebens zeigt, um kurzfristige Klimaziele zu erreichen». Unternehmen, denen aktuell in der Corona-Krise finanzielle Hilfe durch den Staat geboten wird, sollten nach Ansicht des Forschenden der FH Graubünden deshalb unterstützt - aber auch in die Pflicht genommen werden - weiterhin ihre Bemühungen fürs Klima umzusetzen.

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