News - FH Graubünden

Menu
News
ZWF-Forschungsseminar Vortrag von Prof. Dr. Madlener

Energiewende und soziale Gerechtigkeit: Aufteilung der Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien auf die privaten Verbraucher in Deutschland

15. März 2022

Das Zentrum für wirtschaftspolitische Forschung lädt alle Interessierten zum Vortrag von Prof. Dr. Reinhard Madlener ein (RWTH Aachen, Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften, insb. Energieökonomie)

Abstract: Die Energiesysteme sind eindeutig die grössten Verursacher von Treibhausgasemissionen. Daher hat die Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energieträger für Gesellschaften, die sich für eine Verringerung der Treibhausgasemissionen einsetzen, höchste Priorität. Solche Umstellungen sind jedoch mit erheblichen Kosten verbunden. In vielen Fällen werden diese Kosten über Abgaben auf den Stromverbrauch anteilig an die Endverbraucher weitergegeben. In unserer Studie untersuchen wir die Auswirkungen von Abgaben zur Förderung erneuerbarer Energien auf die soziale Gerechtigkeit, genauer gesagt auf die Einkommensungleichheit. Für unsere Studie haben wir Deutschland gewählt, wo die inflationsbereinigten Strompreise für private Haushalte aufgrund einer solchen Umlage für erneuerbare Energien erheblich gestiegen sind. Wir stützen unsere Analysen auf repräsentative Haushaltspaneldaten mit über 40.000 Haushalten aus den Jahren 2003 bis 2018. Unsere Ergebnisse zeigen, dass unterschiedslos erhobene Umlagen auf den Stromverbrauch Einkommensungleichheit und Energiearmut verstärken. In unserem Fall im Jahr 2018 führten die Umlagen für erneuerbare Energien allein zu einem relativen Anstieg des Gini-Koeffizienten um ~0,23 % und des Indikators für Energiearmut mit hohen Kosten und niedrigem Einkommen (HCLI), der die Intensität der Energiearmut misst, um ~11,31 %. Auf der Grundlage unserer Ergebnisse schlagen wir eine Reform der Förderabgabe für erneuerbare Energien vor und analysieren drei Optionen: (1) die Abschaffung der Umlage, (2) Umlagen, die proportional zu den Einkommenssteuern einkommensprogressiv sind, und (3) eine hohe und flache Umlage in Verbindung mit einer einkommensdegressiven Ausgleichszahlung. Unsere Ex-post-Analysen für 2018 zeigen, dass ein reformiertes Abgabensystem die Gesamteinkommensungleichheit mit relativen Rückgängen von ~0,23%, ~0,32% und ~0,59% des Gini-Koeffizienten für die Optionen (1), (2) bzw. (3) leicht verringert hätte. Noch wichtiger ist jedoch, dass ein solches System die Energiearmut um ~11,31 %, ~30,45 % bzw. ~31,45 % für den HCLI-Indikator für Energiearmut bei den Optionen (1), (2) und (3) erheblich verringert hätte.

Datum: Mittwoch, 23. März 2022, 17:15 – 18:45 Uhr

Ort: Fachhochschule Graubünden, Raum A2.02, Pulvermühlestrasse 57, Chur

Anmelden: an zwf@fhgr.ch