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Smart Valleys in Graubünden

18. Februar 2020

Konzepte wie Nachhaltige Entwicklung oder Smart Cities sind heutzutage in aller Munde. Wie jedoch können diese für Graubünden nutzbar gemacht werden? Eine Idee ist der Zusammenschluss einer Region oder Talschaft zu einem «Smart Valley». Ziel dieser Idee ist es, gemeinsam Lösungen für aktuelle Herausforderungen im alpinen Raum zu finden und sich mithilfe neuer digitaler Technologien attraktiv und zukunftsgerichtet zu positionieren.

Text: Peter Tromm & Marc Herter / Bild: Wasserstofflastwagen von Coop (Bild: Coop)

Als globales Leitbild für Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik hat die Nachhaltige Entwicklung über die letzten Jahrzehnte enorm an Bedeutung gewonnen. Eine solche Entwicklung, welche bei der Erfüllung der Bedürfnisse und Wünsche der heutigen Zeit auch auf zukünftige Generationen Rücksicht nimmt, gilt als grösste Herausforderung unserer Zeit. Die Schweiz erklärte die Nachhaltige Entwicklung im Jahr 1999 zum Staatsziel. Demnach sollen auch Kantone und Gemeinden Schritte unternehmen, um sozial verantwortungsvolles, umweltverträgliches und wirtschaftlich tragbares Handeln zu fördern.

Von «Smart City» zu «Smart Valley»

Ein Konzept für nachhaltige Städte nennt sich «Smart City». Unter diesem Begriff versteht man gesamtheitliche Konzepte, die einzelne Städte in Richtung stärkere Nachhaltigkeit entwickeln. Solche Städte streben eine sozial verträglichere, inklusivere und ressourceneffizientere Entwicklung an, zu deren Umsetzung diese von neuen technischen Fortschritten bei digitalen Technologien Gebrauch machen. Dabei spielen einerseits Themen wie Umweltverschmutzung, demografischer Wandel, Bevölkerungswachstum und Ressourcenknappheit eine Rolle, andererseits aber auch nicht-technische Innovationen wie etwa Konzepte des Teilens (Sharing Economy). Eine Smart City entfaltet ihr Potential durch die Zusammenarbeit zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Verglichen mit grossen Städten ist Graubünden dünn besiedelt und besteht aus vielen Talschaften. Dennoch lassen sich die gesamtheitlichen Konzepte für Städte auch auf die einzelnen Regionen im Kanton Graubünden übertragen. Zudem sind in den letzten Jahren durch Gemeindefusionen und durch die Bildung von Destinationen zusammenhängende Gebiete und Talschaften entstanden, welche nun in weiteren Schritten noch enger miteinander verknüpft werden können: Durch die Bildung von «Smart Valleys» bzw. «Smart Energy Valleys».

«Smart Valleys» für Graubünden

Ein Zusammenschluss zu einem «Smart Valley» soll einer Talschaft dabei helfen, gemeinsam Lösungen für aktuelle Herausforderungen in Berggebieten zu finden. Dies betrifft unter anderem die zunehmende Abwanderung aus gewissen Gebieten oder ein bedrängter Wintertourismus aufgrund der zu erwartenden klimatischen Veränderungen sowie eines verstärkten Preiskampfs zwischen Destinationen. Diesbezüglich sind neue Ideen und regionale Perspektiven gefragt. Einen ersten Schritt gingen beispielsweise bereits die Gemeinden Disentis, Sedrun und Andermatt, als diese sich vor kurzem zur «Region Oberalp» zusammengeschlossen haben.

In einer ersten Phase geht es nun darum, für eine derartige Region möglichst viele Aspekte und Bedürfnisse anzudenken und aufzuzeigen. Dies kann etwa konkret für zwei wichtige Wirtschaftszweige des Alpenraums – Energie und Tourismus – gemacht werden. Hierzu gehören dann einerseits Themen wie nachhaltige Stromproduktion, effizienter Stromtransport oder die Steigerung der Energieeffizienz respektive die Senkung des Stromverbrauchs. Andererseits auch Themen wie die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen, die Vernetzung der Ski- und Wandergebiete und allgemein der Einbezug von Firmen, Gastbetrieben, Gemeinden und der Bevölkerung in Gestaltungsprozesse.

In einer zweiten Phase müssen die regionalwirtschaftlichen Auswirkungen beschrieben werden. Im Vordergrund stehen dabei die Verknüpfungen der obigen Aspekte unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten wie Machbarkeit und Umsetzbarkeit sowie in welchem Zeitraum dies realisierbar wäre.

Anwendungsmöglichkeiten im Energie- und Tourismusbereich

Eine erste Verknüpfungsmöglichkeit lässt sich im Bereich Energie, Verkehr und Tourismus aufzeigen. Mit Wasserkraft und Photovoltaikanlagen existieren regionale erneuerbare Energiequellen. Dieser Strom steht jedoch nicht als Bandstrom ständig, sondern nur zu bestimmten Zeiten zur Verfügung. Um ihn in der Region nutzen zu können, muss er vor Ort gespeichert werden können. Hierfür bietet sich die Wasserstoff-Technologie an.

Dabei wird Strom in Wasser eingeleitet, das sich dann in seine beiden Elemente Wasserstoff und Sauerstoff spaltet. Der Wasserstoff wird aufgefangen und in Druckflaschen gespeichert, der Sauerstoff an die Luft abgegeben. Auf diese Weise lässt sich Energie in Form von Wasserstoff «lagern» bzw. für spätere Verwendungszwecke aufbewahren. Über eine sogenannte Brennstoffzelle läuft der umgekehrte Prozess. Wasserstoff wird in diesem Gerät mit Luftsauerstoff verbrannt, dabei entsteht Strom und als einziges Nebenprodukt Wasser. Einerseits ist so der regionale Kreislauf geschlossen, andererseits werden keine schädlichen Abgase gebildet.

Wasserstoff kann als Energiequelle für die verschiedensten Anwendungen gebraucht werden. In einer Talschaft können damit etwa private und kommunale Fahrzeuge, Lastwagen und Busse betreiben und mit Treibstoff versorgt werden. Wasserstoff kann auch Energie zur Heizung von Häusern liefern, als Strom für die öffentliche Beleuchtung verwendet oder als Energielieferant für E-Ladesäulen für Elektroautos eingesetzt werden. Für den Verkehr werden einige wenige Wasserstofftankstellen eingerichtet, die gleich funktionieren wie heutige Erdgastankstellen. Bisherige Tankstellen können um eine zusätzliche Wasserstoffsäule erweitert werden.
Weltweit gibt es alle diese Anwendungen bereits. So sind bereits Züge (in Bremerhaven) und Ausflugsschiffe (in Hamburg und Amsterdam) und auch erste Kleinflugzeuge mit dieser Technik unterwegs.

Destinationsmarketing als «Smart Valley»

Durch eine Positionierung als «Smart Valley» kann eine Region viel gewinnen. Die Wasserstoffwirtschaft schafft neue Arbeitsplätze, bei Produktion, Speicherung, Lagerung und Verkauf. Zudem lässt sich dies auch touristisch in Wert setzen. Die Region kann als klimaneutrale Destination auftreten, da sämtliche Energie für die touristische Infrastruktur (Bergbahnen, Beschneiungsanlagen, Pistenpräparierung, Lokalbusse, usw.) lokal aus erneuerbaren Energiequellen produziert wird. Schlussendlich ist ein Smart Valley fast autark.

 

Dieser Beitrag erschien als Artikel in der Februarausgabe des Wissensplatz-Magazins der FHGR.

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