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Studienerfolg ermöglichen – trotz Corona

08. Mai 2020

Die vergangenen Wochen waren geprägt von Unklarheit und Sorge über den Verlauf der Corona-Krise. So war auch die Verunsicherung von Studierenden im Kanton darüber gross, ob sie das laufende Frühlingssemester trotzdem regulär und ohne Verzögerungen abschliessen können. Aller widrigen Umstände zum Trotz haben die Höhere Fachschule Südostschweiz (ibW), die Pädagogische Hochschule Graubünden (PHGR), die Fachhochschule Graubünden (FHGR) sowie die beiden Hochschulen für Physiotherapie (SUPSI/THIM) intensiv an Lösungen gearbeitet, um den Studienerfolg trotz Corona sicherzustellen.

Das Verbot von Präsenzunterricht und die Umstellung auf alternative, digitale Unterrichtsformen haben die tertiären Bildungsinstitutionen im Kanton in den letzten Wochen gefordert. Neben dem Fernunterricht mussten vor allem auch Lösungen für die Prüfungen gefunden werden. Eine besondere Herausforderung ist dies vor allem in praktischen Studiengängen, in denen handwerkliche Skills gefragt sind. Davon besonders betroffen ist die ibW, wo in den Bereichen Wald und Holz, Bau und Architektur, Gestaltung oder auch Technik viele solche Ausbildungen angeboten werden. Der Fernunterricht erlaubt zwar «regulären Schulunterricht». Spätestens bei den praktischen Prüfungen stösst das Online-Lernen aber an seine Grenzen, obwohl zahlreiche Lehrgänge schon vor Corona digitale Instrumente einsetzten - wie zum Beispiel in der Schule für Technik & Informatik, wo schon länger mit Online-Testlabors gearbeitet wird.

An der Försterschule beispielsweise unterrichtet Dozent Patrick Insinna die Studierenden direkt aus dem Wald – Mobile-Hotspot und Laptop-Kamera sei Dank. Und auch wer sich im Studiengang Interior Design weiterbildet, muss in der Prüfungsvorbereitung flexibel sein. «Da alles nur noch online läuft, sind vor allem Zeichnungen schwierig zu bewerten», sagt Fachvorsteherin Ursina Ganzoni. Die Studierenden zeichnen momentan analog, scannen die Arbeiten und reichen sie dann per Mail ein. Insgesamt müsse deutlich mehr Zeit für Prüfungen und Präsentationen eingerechnet werden.

Üben am Lebenspartner oder der Mitbewohnerin
Auf viel Praxis angewiesen sind auch die Studierenden beider Hochschulen für Physiotherapie (SUPSI & THIM) in Landquart. Die Corona-Krise hat ihnen mit dem Social Distancing das Üben am Menschen praktisch verunmöglicht. Dennoch hat sich die Schule rasch angepasst und auf einen virtuellen Unterricht umgestellt. Die Wiederholungsprüfungen im April wurden bereits mittels Videoaufträgen oder via Online-Praxisdemonstrationen durchgeführt. «Die Studierenden demonstrierten klinische Handlungen entweder mittels Videoauftrag oder Demonstrationen an einem Patienten aus dem eigenen Haushalt über Videokonferenz», erzählt Direktor Thim van der Laan. «Wir haben auf diese Weise das gesamte Prüfungsprogramm ordentlich abgehalten.» Für die schriftlichen Prüfungen setzen die Hochschulen zu 100% auf Online-Leistungsnachweise, teilweise auch mit Überwachungstools. So kann sichergestellt werden, dass die Studierenden sich an die gültigen Richtlinien halten. «Der Initialaufwand für die neue Prüfungsmethode ist sehr gross», so van der Laan. «Dafür benötigt diese Prüfungsart im Nachgang kaum Korrekturen, sodass die Studierenden sehr schnell ihre Noten erhalten.»

Neue Prüfungsformate an der FHGR
Die Fachhochschule Graubünden stellt mit sogenannten Einverständniserklärungen sicher, dass sich die Studierenden trotz virtueller Prüfungsformate an die Richtlinien halten. In denen bekräftigen sie, dass die Leistungsnachweise ausschliesslich mit erlaubten Hilfsmittel erbracht wurden. Bereits in den vergangenen Wochen wurden an der FH Graubünden Leistungsnachweise, welche in Form von schriftlichen Prüfungen vor Ort vorgesehen waren, online durchgeführt. Ausserdem beschloss die Hochschulleitung, einen grossen Teil der Modulschlussprüfungen vom Juni in Distance-Learning-taugliche oder alternative Formate umzuwandeln. «Unser Ziel ist es, 75 Prozent aller Prüfungen im Distance Learning-Modus durchzuführen», sagt Rektor Jürg Kessler. Die FH Graubünden setzt hier auf verschiedene Varianten. So werden sowohl mündliche als auch schriftliche Prüfungen über eine Online-Plattform durchgeführt. Letztere können dabei direkt auf der Plattform abgelegt oder als schriftliche Prüfungen auf Papier geschrieben, eingescannt und abgegeben werden. «Wir wollen unseren Studierenden einen Semesterabschluss mit möglichst wenig Verzögerungen ermöglichen», sagt Kessler.

Unter bestimmten Bedingungen Prüfungen vor Ort
Überall sind jedoch Online-Prüfungen nicht möglich. Und so hat der Kanton Graubünden den tertiären Bildungsinstitutionen erlaubt, trotz der ausserordentlichen Lage unter bestimmten Voraussetzungen Prüfungen vor Ort durchzuführen. Diese haben dafür gemeinsam ein Schutzkonzept erarbeitet, um die Vorgaben von Bund und Kanton bezüglich Social Distancing sowie Hygiene einhalten zu können. Und so legen beispielsweise auch in der Teilschule Wald, Holz & Energie der ibW die Schreiner, bei denen die Modulprüfungen anstehen, diese in der Aula vor Ort in Chur ab. «Da es eine kleinere Klasse ist, geht das gut», erklärt Schulleiter James Cristallo. Und auch an der FH Graubünden werden in den eher praktischen Studiengängen wie Architektur und Bauingenieurwesen ein Teil der Prüfungen vor Ort durchgeführt. «Wenn es darum geht, Modelle und Prototypen zu diskutieren, die von Studierenden erstellt wurden, ist der unmittelbare Austausch wichtig», sagt Prorektor Martin Studer.

PH Graubünden setzt den EDK Beschluss um
Während die Modulprüfungen und Leistungsnachweise an der PH Graubünden vollständig im Distanzmodus abgelegt werden, finden die mündlichen und schriftlichen Diplomprüfungen vor Ort statt. Die PH Graubünden stützt sich dabei auf den Entscheid der Plenarversammlung der Schweizerischen Konferenz der Kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). Diese hatte Anfang April entschieden, dass Prüfungen unter Berücksichtigung der Vorschriften des Bundes wie geplant durchgeführt werden können. Die Umsetzung dieses Entscheides erfordert eine aufwändige Organisation – mittels Staffelung in kleinen Gruppen und unter der Einhaltung der Schutz- und Hygienevorschriften des Bundes und des Kantons. Um der ausserordentlichen Lage Rechnung zu tragen, wurde durch den Hochschulrat der PH Graubünden zudem festgelegt, dass bei Nichtbestehen der Diplomprüfungen dieser Fehlversuch annulliert werden kann. Eine ähnliche Regelung haben auch verschiedene andere Hochschulen in der Schweiz festgelegt. Rektor Gian-Paolo Curcio unterstreicht dabei: "Die Gesunderhaltung der Studierenden und die Ermöglichung des Studienerfolgs stehen für mich nach wie vor im Zentrum."

Weitere Details

Weitere Auskünfte:

Fachhochschule Graubünden:
Prof. Jürg Kessler, Leiter Krisenmanagement, Rektor
+41 81 286 24 24
juerg.kessler@fhgr.ch

ibW Höhere Fachschule Südostschweiz:
Stefan Eisenring, Direktor
+41 81 403 33 33
stefan.eisenring@ibw.ch

Pädagogische Hochschule:
Dr. Gian-Paolo Curcio, Rektor
+41 81 354 03 20
Gian-Paolo.Curcio@phgr.ch

THIM / SUPSI Physiotherapieschulen:
Thim van der Laan, Leiter Krisenstab, Direktor
+41 79 347 51 40
t.vanderlaan@physioschule.ch

 

ibW Höhere Fachschule Südostschweiz
Die ibW Höhere Fachschule Südostschweiz ist eine Erwachsenenschule, die in der Höheren Berufsbildung jedes Jahr über 1200 Lehrgangs- und gegen 4000 Kursteilnehmende weiterbildet. Aus der einstigen Technikerschule wurde in den letzten 30 Jahren eine Bildungsanbieterin mit Standorten in Chur (Hauptsitz und AGVS-Zentrum), Sargans, Maienfeld (Bildungszentrum Wald und Schule für Gestaltung Graubünden) und in Ziegelbrücke. Die ibW Höhere Fachschule Südostschweiz umfasst rund 30 Abteilungen (Berufsbranchen) in sechs Teilschulen. Über 500 nebenamtliche Dozierende stellen den Bezug zur Praxis sicher, zur Auswahl stehen den Studierenden über 100 Weiterbildungen mit eidg. anerkannten Abschlüssen – insbesondere HF-Diplome und eidg. Fachausweise. Die ibW ist qualifiziert nach ISO 9001:2015 und 29990:2010 sowie dem eidgenössischen Bildungslabel Eduqua. Das Führungskonzept basiert auf dem Gedankengut von Business Excellence. Die ibW feiert dieses Jahr ihren 30. Geburtstag. https://www.ibw.ch/

Pädagogische Hochschule Graubünden
Die PH Graubünden bietet ein berufsbefähigendes Bachelorstudium für Kindergarten und Primarschule mit einem Drittel Praxisanteil. Als dreisprachige Hochschule legt sie grossen Wert auf ihre Sprachenvielfalt (Deutsch, Romanisch & Italienisch) und ermöglicht einen zweisprachigen Abschluss. Weiterbildungen auf Masterniveau, Zertifikatslehrgänge und eine breite Auswahl an Zusatzqualifikationen für Lehrpersonen komplettieren das umfangreiche Angebot der PH Graubünden. Die PH Graubünden forscht zu aktuellen Themen im schulischen Umfeld. Mit ihrer Schwerpunktstrategie fokussiert sich die Forschung der PH Graubünden thematisch auf drei Bereiche: Mehrsprachigkeit, Schule und Technik, Schule alpin. Die Resultate aus den anwendungsorientierten Forschungsprojekten fliessen kontinuierlich in die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen. www.phgr.ch  

Fachhochschule Graubünden

Die FH Graubünden ist eine innovative und unternehmerische Fachhochschule mit über 2000 Studierenden. Sie bildet verantwortungsvolle Fach- und Führungskräfte aus. Als regional verankerte Fachhochschule überzeugt sie mit ihrer persönlichen Atmosphäre über die Kantons- und Landesgrenze hinaus. Die FH Graubünden bietet Bachelor-, Master- und Weiterbildungsangebote in Architektur, Bauingenieurwesen, Digital Science, Management, Mobile Robotics, Multimedia Production, Photonics, Service Design sowie Tourismus an. In diesen Disziplinen betreibt sie auch angewandte Forschung und trägt mit dieser zu Innovationen, Wissen und Lösungen für die Gesellschaft bei. Die FH Graubünden ist seit dem 1. Januar 2020 die achte öffentlich-rechtliche Fachhochschule der Schweiz. Bereits 1963 begann ihre Geschichte mit der Gründung des Abendtechnikums Chur. fhgr.ch

Fachhochschule Südschweiz SUPSI / THIM – die internationale Hochschule für Physiotherapie
Die Fachhochschule Südschweiz SUPSI – Physiotherapie Graubünden – bietet in Zusammenarbeit mit der Thim van der Laan AG den Bachelor-Studiengang in Physiotherapie in Landquart an. Ab 2020 startet die SUPSI zudem das neue Weiterbildungsangebot Master of Advanced Studies in Exercise and Sports Physiotherapy, welches modular aufgebaut ist. Das Angebot von THIM – die internationale Hochschule für Physiotherapie – umfasst einen Bachelorstudiengang in Physiotherapie gemäss niederländischen Richtlinien sowie eine berufsbegleitende Bachelorausbildung in Physiotherapie. Insgesamt sind am Standort Landquart gegen 375 Studierende immatrikuliert. Forschungsschwerpunkte beider Hochschulen liegen in der angewandten Forschung der Physiotherapie und Rehabilitationswissenschaften. https://physiostudium.ch/

Mobile-Hotspot und Laptop-Kamera sei Dank – an der Försterschule der ibW unterrichtet Dozent Patrick Insinna die Studierenden direkt aus dem Wald.
Demonstrationen an Modellen führen auch an den beiden Hochschulen für Physiotherapie SUSPI und THIM in Landquart die Dozierenden derzeit per Videokonferenz durch.
Auch in sehr praktischen Studiengängen wie beispielsweise Photonics an der FH Graubünden werden Prüfungen von Zuhause aus abgelegt.