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Wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Krise

Wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Krise auf die Schweiz und Graubünden

02. Juli 2020

Das Coronavirus führte zu einer Vollbremsung im gesellschaftlichen und wirtschaftlichem Leben. Die kurzfristigen Herausforderungen hat die Schweiz bravurös gemeistert. Aber wie geht es mittel- und langfristig weiter? In zwei Webinaren im Mai diskutierten Persönlichkeiten aus der Wirtschaft mit Prof. Peter Moser. Die Auswirkungen der Corona-Krise werden an der Fachhochschule Graubünden in neuen Projekten in Beratung und Forschung weiter untersucht.

Das Coronavirus führte zu einer Vollbremsung im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben. Die kurzfristigen wirtschaftlichen Herausforderungen hat die Schweiz bravourös gemeistert. Aber wie geht es mittel- und langfristig weiter? In zwei Webinaren im Mai 2020 diskutierten Persönlichkeiten aus der Wirtschaft im Rahmen des 13. Gesprächskreis zur Wirtschaftspolitik mit Prof. Peter Moser. Die Auswirkungen der Corona-Krise werden zudem an der Fachhochschule Graubünden in verschiedenen Projekten in Beratung und Forschung weiter untersucht.

Mit dem partiellen Lockdown am 16. März erlebte die Schweiz wie viele andere Länder ein einmaliges Herunterfahren der Wirtschaft. Die Mobilität nahm rasant ab: So versiegte etwa der motorisierte Verkehr am San Berardino-Tunnel im April 2020 fast vollständig (PKW -88% und LKW -52% gegenüber April 2019, Quelle: Astra, Datenauswertungen April 2020).

Wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Krise auf die Schweiz

In zwei Webinaren wurden die Auswirkungen dieser Krise und deren wirtschaftlichen Folgen diskutiert. Im Webinar 1 vom 19. Mai mit Dr. Carlos Lenz, Leiter Volkswirtschaft bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB), und mit Prof. Dr. Rudolf Minsch, Chefökonom bei Economiesuisse, stand die nationalen Perspektive im Vordergrund. Carlos Lenz zeigte auf, wie tief und lange der Konjunktureinbruch sein könnte und wies auf die grosse Unsicherheit bei der Prognose hin. Die SNB unterstütze die Massnahmen des Bundes, indem sie die expansive Geldpolitik weiterführe, eine Aufwertung des Schweizer Frankens verhindere und die Kreditversorgung sowie das Bankensystem stärke. Im jüngsten Bericht zur Finanzstabilität ist die SNB dann auch zuversichtlich und schätzt insgesamt die Widerstandsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes als ausreichend ein. Ruedi Minsch betonte, dass für eine rasche wirtschaftliche Erholung der schrittweise Ausstieg aus dem Lockdown entscheidend sei, wobei gleichzeitig eine zweite Welle verhindert werden müsse. Die Massnahmen des Bundes (Kurzarbeitszeitentschädigungen und Covid-19-Kredite) seien wichtig und richtig, jedoch brauche es zurzeit keine weitergehenden Konjunkturprogramme.

Auswirkungen und Herausforderungen der Corona-Krise für Graubünden

Im Webinar 2 vom 27. Mai 2020 standen die Auswirkungen und Herausforderungen für Graubünden im Zentrum. Dr. Martina Müller-Kamp, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Graubündner Kantonalbank und Leiterin Marktleistungen, legte überzeugend dar, dass Graubünden durch die Branchenstruktur besonders hart getroffen werde. Trotzdem sei das derzeitige Bedürfnis nach Liquidität nicht grösser als in der übrigen Schweiz. Die mittel- und längerfristige Entwicklung hänge stark vom weiteren Verlauf der Pandemie (Wahrscheinlichkeit einer zweiten Ausbruchswelle) und allfälliger damit verbunden Massnahmen (z. B. Grenzschliessungen) sowie von der Entwicklung der Konjunktur ab. Jürg Schmid, Präsident Graubünden Ferien, zeigte sich optimistisch, dass der Sommer für Graubünden touristisch durchaus positiv verlaufen könne, wenn auch nicht für alle Segmente. Die Aussichten für den Winter seien allerdings höchst ungewiss und man sei daran, verschiedene Szenarien durchzudenken.

Die Analyse der Corona-Krise ist auch für die Ökonomie eine grosse Herausforderung. Das liegt v. a. daran, dass wichtige volkswirtschaftliche Kennzahlen erst mit grosser Verspätung publiziert werden, so etwa das Bruttoinlandprodukt oder auch Zahlen zum effektiven Bezug der Kurzarbeitsentschädigungen. Die Corona-Krise hat jedoch einen regelrechten Schub beim Zugang zu sogenannten Hochfrequenzdaten ausgelöst. So publiziert das ASTRA seit der Krise Verkehrsfrequenzen von allen Messstellen in der Schweiz im Minutentakt. Aber auch Daten zu Kartenzahlungen auf Wochenbasis sind nun öffentlich verfügbar und Trendecon publiziert laufend Indikatoren basierend auf Auswertungen von Google-Suchanfragen. Eine gute Übersicht über die aktuelle Datenlage gibt das KOF.

Die FH Graubünden bleibt am Ball

Forschende der FH Graubünden beteiligen sich an solchen Arbeiten. So hat Adhurim Haxhimusa den Zusammenhang zwischen Stromverbrauch und der Corona-Krise untersucht und im Seminar Alpenrhein präsentierte Andreas Nicklisch eine Arbeit über den Einfluss der Pandemie auf das Spendenverhalten von US-Bürgerinnen und Bürgern. Ergebnisse aus Forschungsarbeiten und Aktivitäten an der FH Graubünden werden durch Medienbeiträge einem breiten Publikum bekannt gemacht, etwa durch dem Radio-Beitrag von Adhurim Haxhimusa oder durch ein Interview von Peter Moser in der Südostschweiz (Bündner Zeitung). Auch arbeiten Peter Moser und Adhurim Haxhimusa an einem Projekt, um mittels Echtzeitdaten die regionale Konjunkturentwicklung zu messen. Sie haben dazu eine Kolumne publiziert. Zudem unterstützen Professoren der FH Graubünden die Wirtschaftspolitik bei den aktuellen Herausforderungen in verschiedenen Experten-Gremien. So waren Peter Moser und Norbert Hörburger Mitglieder in unterschiedlichen Task Forces beim Staatssekretariat für Wirtschaft SECO.